Investments "Mit Rohstoffen wird man Geld verlieren"

Bill Miller verwaltet in seinem Legg Mason Value Fund viele Milliarden Euro und gilt als Schüler Warren Buffetts. 2006 war allerdings kein gutes Jahr für ihn und seine Anleger. Wie es weitergeht und welche Rolle Rohstoffaktien dabei spielen, erklärt er gegenüber manager-magazin.de.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Mr. Miller, keiner will die Large Caps aus den USA aktuell haben.

Miller: Ja, ich bin derzeit einer der wenigen, der an diese Anlageklasse glaubt.

mm.de: Sie müssen es - schließlich sind Sie Manager des Legg Mason Value Funds , eines Fonds, der nur in diese Aktien investieren kann.

Miller: Schon, aber das Segment ist so groß, dass man einzelnen Problemen gut ausweichen kann. Abgesehen davon bin ich nicht allein - Jeremy Siegel von Goldman Sachs  ist auch bullish für die Kategorie.

mm.de: Aber in der jüngeren Vergangenheit hat das nicht so geklappt. Sie hinkten mit ihrem Fonds dem Standardindex S&P 500 hinterher. Warum sollte es jetzt auf einmal klappen mit diesen Aktien?

Miller: Weil die Unternehmen gut dastehen und unterbewertet sind wie lange nicht. Sie sind so billig wie zuletzt 1995.

mm.de: Sie wollten 2006 partout keine Rohstoffe anfassen. Hat sich das geändert?

Miller: Nein, überhaupt nicht, damit wird man Geld verlieren. Offen ist allerdings, wann. Wir haben in meinen Augen die Kurshöhepunkte im Frühjahr vergangenen Jahres gehabt. Seitdem sind viele Rohstoffe im Preis wieder eingebrochen. Öl zum Beispiel hat 20 Prozent seitdem an Wert verloren. Auch Kupfer ist wieder billiger geworden. Wenn das bei Aktien geschehen wäre, hätte keiner vom Bullenmarkt geredet, wie man es heute so gern bei Rohstoffen tut.

mm.de: Und was ist mit dem US-Dollar? Europäische Anleger haben ja nichts von Wertzuwächsen amerikanischer Aktien, wenn die Kursgewinne wieder durch Währungsverluste aufgezehrt werden.

Miller: Langfristig läuft der Dollar in einem Korridor von 0,9 bis 1,2 Euro. Da sind wir aktuell an einem Ende angelangt, aber ich gehe davon aus, dass sich das wieder angleichen wird. Ich bin da sehr zuversichtlich, aber wissen kann ich es natürlich auch nicht.

"Eine Frage der Psychologie"

mm.de: Welche Rolle spielt die US-Zentralbank, die Fed, denn eigentlich bei Ihren Überlegungen? Die hat ja schon auf jene Gefahren hingewiesen, die Amerikas Wirtschaft bedrohen könnten, wie zum Beispiel die Inflation.

Miller: Die Fed hat wie immer drei Möglichkeiten. Sie kann die Zinsen anheben, was ein Eingeständnis wäre, dass etwas in der Wirtschaft nicht stimmt. Die Börse würde das nicht mögen. Sie kann die Zinsen aber auch senken, das könnten die Börsianer als Sorge um das US-Wachstum auslegen. In der aktuell etwas fragilen Lage wäre es also am besten, die Zinsen bleiben wie sie sind.

mm.de: Und das Wachstum - schließlich verlangsamt es sich etwas?

Miller: Nun, nach 16 Quartalen stetig hohen Wachstums wird es tatsächlich langsamer, aber das finde ich nicht so beunruhigend. Allerdings scheint es mir derzeit eine Frage der Psychologie zu sein. Die Menschen nehmen die US-Wirtschaft so wahr, wie sie wollen. Und das ist eben negativ. Zumal da auch einige Ungenauigkeiten unterwegs sind. Nehmen Sie die Inflation. Einige sagen, die Inflation würde steigen, weil der Dollar so schwach sei. Aber das ist nicht erwiesen. Man tendiert einfach dazu, sich Begründungen zu suchen.

mm.de: Also ist alles an der Börse eine Frage des Systems, das solche Fehler außen vor hält?

Miller: Ja, schon. Wenn man sich bei der Geldanlage nicht an ein System hält, wird man es nicht lange machen. Und unseres liegt eben darin, unterbewertete Aktien zu kaufen. Das ist naturgemäß mit Unsicherheiten behaftet. Der Wert einer Aktie liegt nun mal in der Zukunft. Und erst jetzt wissen wir ja, was eine Aktie in den 70er Jahren wirklich wert war.

mm.de: Wie wollen Sie ein Jahr wie 2006 künftig vermeiden?

Miller: Aktienanlage ist ein langfristiges Geschäft. Es nützt ja nichts, wenn sie in 90 Prozent aller Fälle recht haben und damit kein Geld verdienen. Extrem gesprochen: Wenn Sie in 10 Prozent aller Fälle recht haben und damit Geld verdienen, ist das okay.

mm.de: Was halten Sie eigentlich von Aktien aus dem US-Housing-Markt? Die müssten doch in Ihr Beuteschema passen, nachdem der Immobilienmarkt in den USA so übel beleumundet ist.

Miller: Einiges. Auch die sind günstig, keiner will sie offenbar haben. Die habe ich allerdings zu früh gekauft. Ich hatte mich an einer Börsenregel orientiert. Man soll die Aktien kaufen, wenn sie beim Buchwert notieren. Und verkaufen, wenn der Faktor das 2,5-fache beträgt. Aber auch das ist eine Frage der Psychologie.

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