Investments Der Fonds-Aldi

In Amerika steht der Name Vanguard für passives und kostengünstiges Investieren und ist mehr als erfolgreich. Nun hat das Unternehmen Deutschland im Visier. Das, so Europas Marketingchef François Passant, ist aber noch nicht alles.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Passant, seit Jahren wird darüber spekuliert, Vanguard wolle nach Deutschland kommen. Warum erst in diesem Februar?

Passant: Der Hauptgrund dafür, dass wir unsere Produkte seitdem in Deutschland anbieten, liegt darin, was wir intern "die Stimme unserer Kunden" nennen. Wir haben seit einigen Jahren Geschäfte in Luxemburg und der Schweiz gemacht, unter anderem mit Instituten, die einen Kundenstamm in Deutschland haben, aber nicht an unsere Fonds herankamen.

Das liegt auch daran, dass wir keiner Bank gehören und oder einer Versicherung. Wir sind auch nicht an der Börse gelistet. Das nimmt uns den kurzfristigen Erfolgsdruck, zum Beispiel die Erwartungen von Anteilseignern zu erfüllen. Wir können uns also langfristig aufstellen.

mm.de: Und warum gerade Deutschland?

Passant: Der Schritt fußt auf der Nachfrage institutioneller Kunden und auf sorgfältiger Kostenanalyse. Wir glauben nicht, dass man da ein bestimmtes Timing braucht für den Marktstart, ebenso wenig für den Start neuer Produkte. Damit würden wir viel eher Kurzfristeffekte schaffen, die unseren langfristigen Zielen kontakarieren. Sehen Sie, bevor wir in einen Markt gehen, unterziehen wir unsere Produkte einem Test. Wie die Pharmabranche es ja auch macht. Nur wenn wir meinen, das richtige Produkt zu haben, mit der richtigen Qualität, bieten wir es an. Das mag dann manchmal auf eine Art Contrarian Style hinauslaufen, auf ein Timing, das andere nicht haben.

mm.de: Sie konzentrieren sich auf die passiven Investments. Meinen Sie, dass alle Deutschen dieses System kennen?

Passant: Der Core-Satelite-Ansatz, für den sich unsere Produkte gut nutzen lassen, wird langsam in Europa und auch in Deutschland um sich greifen. Da spielen die Medien auch eine wichtige Rolle. Bereits jetzt gibt es eine ganze Reihe institutioneller Anleger, die nach Alternativen für die klassischen Mischportfolios suchen. Heute sind etwas weniger als 10 Prozent der deutschen Gelder an Indizes gebunden. Das muss man mit den USA, Großbritannien oder den Niederlanden mit 30, 17 und 20 Prozent vergleichen.

Die Anleger werden auch immer sensibler, was die Kosten angeht. Aber auch eine breitere Diversifikation erkennen die Anleger zunehmend. Der Core-Satelite-Ansatz wird daher immer bekannter. Der Kern des Portfolios werden indexierte oder indexnahe Produkte sein. Unsere Aktien- und Anleihenprodukte passen da natürlich gut. Sie diversifizieren breit und schaffen durch niedrige Kosten Luft für die Satelliten-Investments. Das sind aktiv verwaltete Produkte, die ein Alpha, einen Mehrwert gegenüber dem Index, schaffen sollen.

"Auf die Kosten achten"

mm.de: Wer sind denn eigentlich Ihre Konkurrenten - die Zertifikatsanbieter oder eher aktive Verwalter wie Fidelity?

Passant: Eigentlich äußern wir uns nicht zum Wettbewerb. Ich würde aber dennoch gerne anmerken, dass in Deutschland das Indexing in der Regel über Exchange Traded Funds (ETFs) oder Tracker bekannt ist. Und natürlich gibt es da historisch gewachsene Anbieter solcher Produkte. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass das nicht die einzige Methode ist, passiv zu investieren.

mm.de: Worauf muss man denn dabei achten?

Passant: Grob gesprochen, sollten die Anleger vor allem verstehen, was für ein Index verfolgt wird. Genauso wichtig sind die totalen Kosten. ETFs zum Beispiel erwähnen oft nur die Verwaltungsgebühren, aber erwähnen sollte man auch die die Gebühren für die Broker, und die Geldbriefspanne. Man muss auch verstehen, welche Methode zum Abbilden des Index genutzt wird. Manche Anbieter verwenden synthetische Modelle, die dann ein anderes Risikoprofil aufweisen als jene Produkte, die die Titel tatsächlich halten.

mm.de: Die zehn Produkte sind nun zugelassen - wie soll es in Deutschland weitergehen?

Passant: Wir haben im Moment keine konkreten Pläne wie zum Beispiel ein Büro zu eröffnen oder jemanden einzustellen.

mm.de: Wo verkaufen Sie eigentlich die Produkte?

Passant: Wir folgen dem gleichen Modell wie in anderen europäischen Märkten. Wir suchen also nach Institutionen, deren Werte mit unseren übereinstimmen. Zum Beispiel was die Kostenoptimierung angeht. Consultants werden eine große Rolle spielen, aber auch mit lokalen Institutionen wie Dachfondsmanagern werden wir gern sprechen.

mm.de: Und was für einen Marktanteil versprechen sie sich davon?

Passant: Ach, wissen Sie, daran wollen wir uns gar nicht messen lassen, das ist in unseren Augen nicht der richtige Maßstab für uns. Wir glauben, solange man die richtigen Produkte anbietet und entsprechenden Service, werden die verwalteten Gelder sowie der Marktanteil stetig wachsen.

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