Montag, 9. Dezember 2019

Steueroasen Warum in die Ferne schweifen?

Mit null Steuern empfehlen sich Kleinstaaten in Übersee deutschen Steuerflüchtlingen. Doch wer sein Vermögen in Übersee verstecken will, geht ein hohes Risiko ein. Die kostengünstigere Variante ist für die meisten die Fahrt in verschwiegene Nachbarländer.

Braunschweig - Es heißt, dass Kapital weltweit immer in die steuergünstigste Anlagegegend strömt. Die Bundesregierung will mit der geplanten Unternehmensteuerreform ebenso wie mit der vergangenen Reform der Einkommensteuer Punkte in diesem Wettbewerb machen. Doch die Gewinner dieses Wettlaufs stehen schon fest.

Mehrere über den Globus verteilte Kleinstaaten wie die karibischen Cayman-Inseln oder Vanuatu im Pazifik haben die Sätze für Einkommen- und Erbschaftsteuer, Vermögen- und Körperschaftsteuer längst auf 0 Prozent festgelegt. Auch der Pyrenäenstaat Andorra verzichtet weitgehend auf direkte Steuern. Mehrere andere Länder verlangen keine Abgaben von speziellen Gesellschaften wie Trusts oder Holdings, die Ausländern gehören.

Trotzdem scheuen die meisten vermögenden Deutschen den Weg in die entfernten Steuerparadiese. Wesentlich beliebter ist das "Ausflaggen" in Nachbarländer wie die Schweiz, wo zwar Steuern fällig werden, diese aber deutlich unter den deutschen Sätzen liegen.

"Es ist ja nicht so, dass die Leute keine Steuern zahlen wollen", meint der Münchener Autor Hans-Lothar Merten, Verfasser der Jahrbücher "Steueroasen" und "Kapitalanlage in Steueroasen". Nur die Höhe sei das Problem. Außerdem gebe es ganz profane Gründe für diese Zurückhaltung: "Sie müssen Ihren Freundeskreis aufgeben." Denn die deutschen Finanzämter lassen natürlich nicht freiwillig Millionäre und deren Millionen davonziehen. Das Außensteuergesetz stellt hohe Hürden auf, um der Steuerpflicht zu entgehen. Hier gilt das Welteinkommensprinzip, das heißt, deutsche Steuerbürger müssen Abgaben auf alle Einkünfte leisten, die sie beziehen, egal woher.

"Wer Erbschaftsteuer sparen will, muss seinen ersten Wohnsitz zwingend in einer Steueroase wählen", sagt Merten. Auch die Einkommensteuer lasse sich nur mit einer radikalen Trennung vom Heimatland umgehen. "Schon ein Gästezimmer oder eine untervermietete Wohnung in der alten Heimat wird steuerlich zum Verhängnis", warnt Merten. Das habe Tennisstar Boris Becker bei seinem ersten Versuch, in die Schweiz zu übersiedeln, zu spüren bekommen. "Er hatte bei seiner Schwester in Deutschland noch ein Zimmer. Das hat ihn Millionen gekostet."

Etwas leichter sei es, Steuern auf Unternehmenseinkünfte zu sparen. Hierzu bieten sich beispielsweise Trusts in Steueroasen an, doch auch da muss nachgewiesen werden, dass das Geschäft nicht in Deutschland stattfindet.

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