Samstag, 7. Dezember 2019

Steueroasen Warum in die Ferne schweifen?

3. Teil: "Steuerkrieg pur" in der Schweiz

"Steuerkrieg pur" in der Schweiz

Da stellt sich schon die Frage, ob sich der Weg um den Erdball auf Dauer lohnt - zumal Vermögende auch ganz in der Nähe und völlig legal den Steuersatz drücken können, wenn auch nicht auf null. "Nach der EU-Niederlassungsfreiheit kann jeder Europäer dort eine Gesellschaft gründen, wo er die größten Vorteile hat", sagt der Hamburger Steuerberater Jürgen Bittger. Besonders günstig sind derzeit Holdings auf Malta oder Zypern, die maximal mit 10 Prozent besteuert werden.

Traditionelle Flucht: Die Schweiz bleibt das beliebteste Ziel deutscher Steuerexilanten
"Um Anonymität und Diskretion zu bekommen, muss man nicht in die Südsee", bestätigt Hans-Lothar Merten. "Gute Adressen findet man schon in der unmittelbaren Nachbarschaft - in Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und natürlich in der Schweiz." Die Vorteile der etablierten Finanzplätze seien offensichtlich - die deutsche Sprache, ein kurzer Weg zum im Ausland geparkten Vermögen und die Möglichkeit, persönlichen Kontakt zum Vermögensverwalter zu pflegen. Anders als deutschen Bankiers könne man in der Schweiz ansässigen Beratern auch steuerliche und rechtliche Fragen anvertrauen. Hierzulande wären dagegen zusätzliche Gänge zu Steuerberater und Anwalt nötig.

Ein weiterer Vorteil ist, dass es möglich ist, von den Vorteilen der exotischen Steueroasen zu profitieren, ohne das dortige Risiko auf sich zu nehmen. So ist es möglich, sein Depot in Drittstaaten zu führen, die nicht zur EU gehören und anders als die Schweiz auch kein Abkommen zur Quellensteuer mit der EU geschlossen haben - Dubai, Hongkong oder Singapur sind entsprechende Adressen.

Dazu ist nicht einmal nötig, einen Vermögensverwalter vor Ort zu beschaffen. Auch Schweizer oder Liechtensteiner Banken können das Geld in ihre eigenen Niederlassungen in den asiatischen Steuerparadiesen transferieren, ohne dass der deutsche Fiskus zugreifen kann. "Hier hat die EU-Kommission geschlafen", meint Merten.

Hinzu kommt, dass auch in den Alpenländern Steuersparmodelle ähnlich den karibischen Offshore-Gesellschaften möglich sind, die eine Spur zum deutschen Steuerbürger verwischen. Über österreichische oder Liechtensteiner Stiftungen oder Schweizer Aktiengesellschaften lässt sich das Vermögen anonymisieren. Eine schweizerische Aktiengesellschaft kann beispielsweise eine Stiftung in Panama als Gesellschafterin haben. Für Außenstehende ist dann nicht nachzuvollziehen, wer hinter dem Unternehmen steht.


Hans-Lothar Merten: "Steueroasen Ausgabe 2007"; Walhalla und Praetoria, Dezember 2006, 431 Seiten, 29,90 Euro.

Auch ohne solche Versteckmanöver lockt die Schweiz Steuervermeider an. Die für Finanzpolitik zuständigen Kantone liefern sich einen Wettbewerb um die niedrigsten Steuern für ausländische Firmen. "Das ist Steuerkrieg pur", sagt Merten. Nachdem der Kanton Zug mit einem Steuersatz von 12 Prozent vor einigen Jahren Furore machte, zogen die Halbkantone Ob- und Nidwalden mit 9 und 8 Prozent nach. Nur der Dauerdruck der EU sollte deutsche Steuerflüchtige besorgen. Bis das Bankgeheimnis auch in den Nachbarländern fällt, glaubt Merten, sei es "nur eine Frage der Zeit". Dann wäre aber wenigstens der Weg kurz, um das Vermögen in Sicherheit zu bringen.

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