Sonntag, 15. Dezember 2019

Steueroasen Warum in die Ferne schweifen?

2. Teil: Wenn das Paradies zur Falle wird

Wenn das Paradies zur Falle wird

Das Steuerparadies kann sich leicht als Steuerfalle entpuppen. Wer wegzieht und eine wesentliche Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft hält, muss die stillen Reserven aufdecken und versteuern. Ein Wegzug wirkt steuerlich genauso wie ein Verkauf.

Müller-Partei: Molkereiunternehmer Müller begründete seinen Wegzug mit der Erbschaftsteuer
Eine Flucht vor der Erbschaftsteuer ergibt auch nur dann Sinn, wenn die Erben in die Steueroase mitziehen. Molkereibesitzer Theo Müller ging zwar in die Schweiz mit der Ankündigung, zurückkehren zu wollen, sobald die deutsche Erbschaftsteuer nicht mehr die Existenz seines Unternehmens gefährde. Doch sein eigener Wohnsitz in der Schweiz würde das nicht verhindern, solange ein Teil der Erben in Deutschland bleibt.

Die verbreitete, allerdings klar illegale, Praxis der Steuerflüchtigen ist, ihre Vermögenswerte und Einkünfte vor dem Fiskus zu verbergen. Das Kalkül geht oft auf, doch Merten warnt: "Gierige Erben, sitzen gelassene Ehefrauen oder verschmähte Freundinnen" würden leicht den Fiskus auf die Spur bringen.

Trotzdem schätzt Merten das im Ausland deponierte Vermögen Deutscher auf 1,2 Billionen Euro, davon 700 bis 800 Milliarden Euro Schwarzgeld. Wegen wachsender Kontrollen seien die Schwarzgeldströme geringer geworden, legale Transfers würden den Ausfall aber mehr als ausgleichen.

Den meisten genügt es, nur ihr Geld außer Landes zu bringen. Wer auf Nummer sicher gehen will, wandert jedoch gleich aus. In der Regel seien das Unternehmer im Pensionsalter, die keinen Nachfolger haben und ihren Betrieb hier aufgeben - und über die kritische Masse Kapital verfügen, für die sich der Aufwand lohnt: "Für eine Million müssen Sie nicht in die Karibik", sagt Merten.

Noch höher sind die Transaktionskosten für die Steuerflucht in die Südsee, wohin ein Flug schon 30 Stunden dauert. "Das machen nur Aussteiger", sagt Merten. Doch auch für die seien Nullsteuern in Vanuatu auf Dauer keine Lebensperspektive. "Nach ein paar Jahren gehen ihnen auch Strand und Palmen auf den Wecker."

Zu den steuerlichen Fallstricken kommt das politische Risiko hinzu. Die Südseerepublik Nauru geriet nach einem Staatsbankrott unter australische Verwaltung. Auf australischen Druck schloss die Regierung im Oktober 2004 mit einem Schlag alle 400 Offshore-Banken, die an einer einzigen Briefkastenadresse gemeldet waren. Etablierte Finanzzentren wie die britischen Kanalinseln oder Kronkolonien in der Karibik sind zwar stabiler, doch auch sie sind auf das Wohlwollen der Europäer angewiesen und verhandeln ständig über das Ausmaß der Kooperation. Völlig anonym zu bleiben, wird schwieriger.

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