Zertifikate Die staatlichen Finanztüftler

Sachsen-Anhalt geht eigene Wege - und legt zur Staatsfinanzierung ein Zertifikat auf, wie man es sonst nur von Banken kennt. Mit Garantie und begrenzter Laufzeit ist das eine kleine Revolution. Warum, erklärt gegenüber manager-magazin.de Sebastian Meier. Er ist Leiter der Landesschuldenverwaltung im Referat Kreditmanagement des Landes.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Ein Bundesland gibt Staatsanleihen heraus, das ist normal. Aber Zertifikate - Herr Beier, was ist da los?

Beier: So abwegig ist das gar nicht. Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben bereits im vergangenen Jahr ähnliche Produkte herausgegeben und damit, wie zu hören war, zweistellige Millionenbeträge eingesammelt.

mm.de: Aber warum verlässt ein Bundesland den Pfad der Klassiker und legt statt der normalen Anleihen Zertifikate mit Garantie auf?

Beier: Auch unsere, wie Sie es nennen, "normalen" Anleihen sind sozusagen garantiert, da sie ja in vollständiger Höhe zurückbezahlt werden. Unabhängig davon haben wir bisher mit unseren Produkten vor allem institutionelle Anleger, also Versicherungen oder Pensionsfonds, angesprochen. Mit diesem Zertifikat möchten wir nun auch gern Privatanleger als Investoren gewinnen. Und die sind an Zertifikaten mit expliziter Kapitalgarantie interessiert.

mm.de: Und wie sind Sie nun darauf gekommen, ein Garantieprodukt aufzulegen?

Beier: Wie gesagt, Kapitalgarantieprodukte mit einer Zinsstruktur sind aktuell sehr gefragt. Die WestLB und Barclays Capital haben uns als erste und einzige Investmentbanken entsprechende Umsetzungsvorschläge unterbreitet.

mm.de: Stopft der Anleger mit seinen dann fälligen Gebühren das Finanzloch des Landeshaushalts?

Beier: Nein. Das Land partizipiert nicht an den möglichen Gebühren. Unser Referat bekommt den Auftrag, Kredite in bestimmter Höhe aufzunehmen. Hierbei versuchen wir stets die Kredite zu einem für das Land günstigen Zinssatz aufzunehmen. Hinsichtlich der Zinskosten nach Risikoabsicherung für das Land ist zu sagen, dass diese mit den Zinskosten einer herkömmlichen Kreditaufnahme vergleichbar sind.

"Kreativität gefragt"

mm.de: Entwickelt sich da ein Konkurrenzkampf der Bundesländer um die Spargroschen der Bürger?

Beier: Am Kapitalmarkt sind alle Bundesländer konkurrierende Marktteilnehmer. Mit der Auflage des Zertifikats geht es jedoch nicht um diesen Konkurrenzkampf, sondern vielmehr darum, die Nachfragen des Kapitalmarkts zu bedienen. Jeder versucht sich dabei so gut wie möglich zu platzieren. So war Sachsen-Anhalt beispielsweise das erste Bundesland, welches sich von internationalen Ratingagenturen hat raten lassen. Auf diese Weise konnten auch Investoren außerhalb Europas angesprochen werden. Darüber hinaus haben wir als erstes Bundesland ein MTN-Programm, das sind Medium Term Notes, aufgelegt. Dieses ermöglichte uns, Wertpapiere des Landes an den Börsen weltweit, entsprechend den Wünschen der Investoren, anbieten zu können.

mm.de: Wie viel Geld erwarten Sie denn von den Anlegern?

Beier: Wir erwarten einen zweistelligen Millionenbetrag als Emissionsvolumen.

mm.de: Woher kommt die Offenheit gegenüber solchen Produkten?

Beier: Bisher war uns der direkte Weg zum Privatanleger verwehrt, da die dafür notwendigen Vertriebskanäle über die Banken und Sparkassen nicht offenstanden. Dies hat sich nunmehr erfreulicherweise geändert, sodass wir einen kleinen Teil unserer Produkte auch dem Privatanleger anbieten können.

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