Fonds Japanische Blütenträume

Seit geraumer Zeit sagen Ökonomen Japans Börsen einen steten Steigflug voraus. Doch noch hat die Nippon AG nicht so abgehoben, wie die Experten es erwarten. manager-magazin.de sagt, wie Anleger diese Situation am besten nutzen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Die Kirschblüten wiegen sich sanft im Winde und nur vereinzelt weht Lachen vom Weiher hinüber. Kinder versuchen, Fische mit Papiernetzen zu fischen. Nur wer behutsam fischt, dem gelingt diese Übung, das kingyo-sukui. Ansonsten zerreißt das Netz. Im Binnenland wirkt Japan wie ein Polaroid seiner selbst. Und täuscht doch über die Realität hinweg.

Denn Japan ist eine Wirtschaftsmacht, die wieder nach den Sternen greift. Die Industrieproduktion zieht an, berichtet das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie. Die Immobilienpreise steigen erstmals seit 16 Jahren. Und auch von der Struktur des Landes sieht es vielversprechend aus. Die Verflechtungen der Banken untereinander sind in den vergangenen Jahren zurückgeschnitten worden, faule Kredite bereinigt.

Kein Wunder, das Ökonomen dem Land seit geraumer Zeit enorme Sprünge vorhersagen - und seit geraumer Zeit daneben liegen. Denn Japans Wirtschaft wächst zwar im Quartal um bis zu 4,8 Prozent, doch auf die Kurse der japanischen Aktien hat das vergleichsweise wenig Einfluss. Der Nikkei 225 , Gradmesser für Geldanleger im Land der aufgehenden Sonne, legte binnen 52 Wochen um 2,5 Prozent zu. Der Dax  dagegen stieg im gleichen Zeitraum um fast 24 Prozent. Etliche Geldprofis winken daher ab, kommt die Sprache auf japanische Aktien.

"Die Unternehmen verdienen einfach zu wenig", nimmt Michael Keppler die Hoffnung auf schnelle Gewinne an der Börse. "Wir hatten nur von Dezember 1993 bis März 94 eine Japan-Beteiligung und damit ein Plus von 43 Prozent eingefahren. Seitdem aber nie wieder. Denn in der jüngeren Vergangenheit gehörten japanische Aktien zu den wenigen Wertpapieren, die man nicht haben musste. Aber das kann sich ja ändern."

Und tatsächlich, es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Situation verbessert. "Die Gewinnerwartungen für die Unternehmen in Japan sind höher als für den Rest der Welt. Weltweit liegt diese Erwartung bei 10 Prozent, für Japans Unternehmen bei 14,8 Prozent, das ist nicht schlecht", räumt Keppler ein.

"Historisch nicht zu teuer"

"Historisch nicht zu teuer"

Das ist Wasser auf die Mühlen jener Manager, die sich voll und ganz Japan verschrieben haben. Joji Maki zum Beispiel, Leiter des Japan-Teams von Baring, ist überzeugt davon, dass Nippons Aktien endlich deutlich steigen werden. "Durch stetiges wirtschaftliches Wachstum und die Unternehmensgewinne wird der japanische Markt anziehen. Allerdings dürften die Experten erst einmal auf die Verkündung der Unternehmensgewinne im Mai warten."

Allein die Aussichten darauf lassen hoffen. Steigende Gewinne bei Japans Konzernen erwartet auch Hans-Jörg Naumer von Alllianz Global Investors. "Das spricht für ein Engagement am dortigen Aktienmarkt", sagt der Leiter der Kapitalmarktanalyse.

Es bleibt der Preis der Aktien - "mit einem KGV von gut 20 sind sie recht teuer", sagt Michael Keppler. Stimmt schon, sagen auch die Japan-Experten. Aber im historischen Vergleich ist das noch günstig, so Maki.

Positiv bewerten die Experten auch, dass die Immobilienpreise nach 16 Jahren wieder steigen. Die niedrigen Zinsen, aber auch die Erholung des Bankensektors sorgten dafür, so Rob Weatherstone, Japan-Fondsmanager bei Blackrock. Das lockt auch ausländische Investoren. Die US-Investmentbank Morgan Stanley vermeldete jüngst, für 2,4 Milliarden Dollar 13 Hotels der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways (Ana) gekauft zu haben.

Stürmen die japanischen Aktien nun gen Himmel? So einfach ist es nicht, wiegeln auch die Japan-Freunde ab. "Der US-Häusermarkt beunruhigt hier einige", meint Maki. "Die Rally wird eher nicht in der nahen Zukunft stattfinden."

Denn das Land schleppt auch noch andere Probleme mit sich herum. Unter anderem eines, das man aus Deutschland zur Genüge kennt. So schwächelte der japanische Binnenkonsum lange. Doch ähnlich wie in Deutschland scheint sich nun auch im Inselstaat die Lage zu bessern. Das zumindest meint Fondsmanager Weatherstone.

Japaner kaufen wieder ein

Japaner kaufen wieder ein

Tatsächlich vermeldete auch die Regierung jüngst eine "leicht erholte Nachfrage". Die Umstrukturierung des Arbeitsmarkts sorgt dafür, dass der Konsum sich weiter entwickelt. Denn es gibt mehr Vollzeitarbeitsstellen, und Teilzeitkräfte werden besser bezahlt, berichtet das German Institute of Global and Area Studies (Giga).

Die Währung allerdings lässt einige Experten an Japan zweifeln. Denn der Yen leidet unter einer ganz bestimmten Art der Finanzierung. Sogenannte "Carry Trades sollen den Wert des Yen gedrückt haben und die Anlageergebnisse ausländischer Investoren geschmälert haben", sagt Paul Chesson, der den Invesco Japanese Equity Core Fund verantwortet.

Solche Carry Trades sind Geschäfte, bei denen sich Großinvestoren mit billigem Geld aus Japan eindecken und es in Ländern mit höheren Zinsen anlegen. Experten befürchten, dass das System schnell kollabieren könnte. Das Risiko birgt aber auch einen positiven Aspekt: "Sinkt die Risikotoleranz der Weltmärkte, würden die Investoren ihre Yen zurückgeben. Und die Anleger könnten so einen Teil ihrer Währungsverluste wettmachen", sagt Chesson.

Euphorie klingt anders. Was nun? Man muss es nicht gleich so scharf wie Keppler formulieren: "Spekulieren ja, investieren nein." Doch Japan bietet tatsächlich kein klar umrissenes Bild. Das Land bündelt zwar Chancen, aber auch Probleme. Viele Experten unterscheiden daher zwischen dem kurz- und dem langfristigen Horizont. Fondsmanager Chesson zum Beispiel: "Langfristig ist einiges drin, denn die Restrukturierungen und die steigenden Immobilienpreise fördern die Entwicklung. Kurzfristig allerdings gibt es einige Risiken."

Japanische Aktien sind also eine interessante Beimischung für das Depot. Wer will, dürfte aktuell mit Bluechips am besten bedient sein, so der Tenor der Experten. "Die großvolumigen Aktien sind besser gelaufen, schon weil sie von zyklischen Risiken weniger betroffen sind als die Small Caps", so Chesson. Und "Small Caps revidieren ihre Gewinne noch immer nach unten", fügt Maki hinzu.

In Japan scheint man aktuell also behutsam fischen zu müssen. Nicht zu viel, nicht zu aggressiv - so falsch scheint das Bild des kingyo-sukui, der traditionellen Fischjagd mit Papiernetzen also doch nicht zu sein.

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