Friedhofsgebühren Teure letzte Ruhe

Deutschlands Städte schrauben die Friedhofsgebühren immer weiter in die Höhe. Bestattungen sind so zu einer teuren letzten Ausgabe geworden, zum Leidwesen der Bürger. Die sorgen deshalb für den Fall der Fälle nicht selten mit einer Sterbegeldversicherung vor - und werden damit oft ebenfalls ausgenommen.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Es war während eines Sonntagsspaziergangs als Bernd Bruns begann, seinen Nachlass zu regeln. Er hatte noch viele Meter vor sich, und so ging er die die Sache planvoll an, Schritt für Schritt, bis in letzte Detail. Seine eigene Asche, entschied er schließlich, werde er seiner Frau vererben.

"Die Urne mit meinem eingeäscherten Körper könnte dann für immer auf dem Wohnzimmerregal stehen, zu meinem Angedenken", sagt Bruns zu manager-magazin.de. Oder im Garten; da wolle er seiner Frau nicht vorgreifen. Ganz freie Hand lässt er ihr dann aber lieber doch nicht: Seine Urne soll keinesfalls auf einem städtischen Friedhof in Düsseldorf enden. "Die sind anonym und teuer", sagt Bruns zu manager-magazin.de.

Der Mann hat keinen Hang zu makabren Scherzen. Die Sache ist ihm ein ernstes Anliegen.

Bruns' Kostenangst wird verstehen, wer die Friedhofspreise in Deutschland vergleicht. Beerdigungen sind kostspielig, und die Preise für Bestattungen steigen weiter - bundesweit: Die niedersächsische Gemeinde Bad Pyrmont beispielsweise will die eigenen Grabgebühren jetzt um durchschnittlich 50 Prozent anheben. Die Stadt Marl in Nordrhein-Westfalen glaubt selbst damit nicht auszukommen und zieht die eigenen Friedhofsgebühren um bis zu 90 Prozent an; dabei drehten Marls Stadtverordnete die Friedhofsgebührenschraube schon im Jahr 2005 um seinerzeit 25 Prozent in die Höhe.

Die bayerische Gemeinde Ammendorf ist sogar auf die Idee gekommen, eine ganz neue Gebührenart einzuführen: Jeder Grabkäufer und Grabbesitzer muss demnächst damit rechnen, neben den weiterhin fälligen einmaligen Grabnutzungs- und Bestattungsgebühren alle zwölf Monate mit einer Art Jahresgebühr in Höhe von 24 Euro zusätzlich zur Kasse gebeten zu werden.

Minirendite selbst im Todesfall

Minirendite selbst im Todesfall

Spitzenreiter auf der Liste der teuersten deutschen Grab-Städte ist derzeit die Stadt Göttingen. Die Kommune streicht fast 3300 Euro Gebühren für das Recht ihrer Bürger ein, Angehörige in einem klassischen Erdreihengrab beizusetzen und dort 25 Jahre lang ruhen zu lassen.

Das ist zwar ungewöhnlich viel. Doch da auch in der günstigsten deutschen Beerdigungsgemeinde, der Stadt Hückelhoven in Nordrhein-Westfalen, bei jeder Beerdigung noch zusätzliche Ausgaben für Särge oder Urnen, Blumenschmuck und Sargträger anfallen, kostet eine Beerdigung hierzulande im Schnitt rund 5000 Euro.

Viele Bundesbürger sorgen deshalb privat für den eigenen Todesfall vor. Nicht selten fällt die Wahl dazu auf spezielle Versicherungen, den sogenannten Sterbegeldversicherungen. Doch genau vor denen warnen jetzt Versicherungsexperten.

Die angebotenen Policen, so das Urteil der Kenner, seien nichts anderes als verkappte und teure Lebensversicherungen. Wer in sie wenigstens 20 Jahre lang, aber höchstens bis zum Alter von 85 Jahren, Monat für Monat einen kleinen Betrag einzahle, erhalte zwar Summen in Höhe von 2500 Euro bis zu 10.000 Euro ausgezahlt. Das allerdings stehe für die Versicherten oftmals in keinem rentablen Verhältnis zum eingezahlten Betrag. "Die Einzahlungen über die gesamte Laufzeit übersteigen vor allem bei höherem Einstiegsalter die garantierte Leistung bei Weitem", haben jetzt die "Finanztest"-Versicherungsexperten ermittelt.

Weil das keinen Sinn für die Versicherten macht, lässt sich die KarstadtQuelle-Assekuranz das einseitige Geschäft sogar per zusätzlicher Unterschrift von der eigenen Kundschaft genehmigen.

Der Grund für die vergleichsweise geringen Auszahlungen sind die mickrigen Zinsen, die viele der Sterbegeld-Versicherungsanbieter ihren Kunden für die eingezahlten Monatsbeiträge gutschreiben. "Finanztest" hat nachgerechnet, wie niedrig die sind: "Verpflichtet sind die Versicherer zu einer Verzinsung von 2,25 Prozent. Die Zinsen gibt es aber nicht auf den vollen Beitrag. Die Versicherer ziehen zunächst die Abschluss- und Verwaltungskosten ab und kalkulieren eine saftige Risikoabsicherung ein. Erst der Rest wird verzinst", deckten die Verbraucherschützer jetzt auf.

Gebühren einfach zweckentfremdet

Gebühren einfach zweckentfremdet

Wer frühzeitig vorsorgen möchte, um im eigenen Todesfall nicht seinen Angehörigen auf der Tasche zu liegen, sollte deshalb auch andere Todesfall-Sparmöglichkeiten in Erwägung ziehen als die klassische Sterbegeldversicherung.

Viele Banken bieten beispielsweise Sparpläne an, für die derzeit 3,5 Prozent Zinsen gezahlt werden. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren sind die 5000 Euro Durchschnittskosten für eine Beerdigung somit gegen eine monatliche Zahlung in Höhe von 35 Euro zu haben. Und das ist vielfach günstiger, als eine klassische Sterbegeldversicherung abzuschließen.

Sparer sollten allerdings eines bedenken: Die Beerdigungskosten werden in zehn Jahren sicher noch höher sein als heute - und entsprechend höher fällt der Sparbedarf für Beerdigungen in der hoffentlich fernen Zukunft aus.

Zu groß sind schließlich die Finanzprobleme, die Deutschlands Gemeinden mit ihren bundesweit 32.000 Friedhöfen und rund 40 Millionen Gräbern haben, als dass weitere Gebührenerhöhungen unwahrscheinlich wären. "Der durchschnittliche Kostendeckungsgrad deutscher Friedhöfe liegt derzeit bei nur 60 Prozent", hat die Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Unternehmer unlängst ermittelt - trotz der schon jetzt hohen Gebühren.

"Die Gründe dafür sind rückläufige Bestattungszahlen, vorzeitige Rückgabe von Nutzungsrechten, die Zunahme von preiswerten Urnenbeisetzungen sowie anonymen Beisetzungsarten und der dadurch entstehende Flächenüberhang auf den Friedhöfen", sagt Christian Jäger von der Aeternitas-Verbraucherinitiative Bestattungskultur zu manager-magazin.de.

Überdies kommen die Friedhofsgebühren nicht einmal immer ausschließlich der Grabstättenpflege zugute. Viele Gemeinden subventionieren davon zum Teil ihre übrigen Ausgaben für die Pflege von Parks und Stadtgärten; in manchen Gemeinden gehen dafür schon bis zur Hälfte der Grabgebühren drauf, sagen Kenner hinter vorgehaltener Hand. Die genauen Zahlenwerke halten viele Kommunen lieber unter Verschluss.

Billiger beisetzen

Billiger beisetzen

Kein Wunder dann auch, dass die Bestattungspreisspirale mehr und mehr Bundesbürger trotzig werden lässt. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest würden schon heute 21,4 Prozent der befragten Bürger auf kostengünstige anonyme Bestattungen ausweichen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Und dass, obwohl nur 8,9 Prozent diese Beisetzungsart gut finden.

In der Fast-Millionenstadt Köln führen die hohen Friedhofsgebühren schon zu einer besonderen Art der Stadtflucht: Fast 15 Prozent der verstorbenen Kölner werden von ihren Angehörigen nicht mehr im Stadtgebiet beigesetzt, sondern in günstigeren Umlandgemeinden, schätzen Experten.

Kölns Friedhöfe sind den Hinterbliebenen schlicht zu teuer geworden, und da niemand seine Verwandten am ehemaligen Wohnort der Verstorbenen beisetzen lassen muss, kommt der Totentourismus in Mode.

Der Düsseldorfer Handwerker Bruns kann allerdings auch dieser Sparvariante nicht viel abgewinnen. Er hat stattdessen ein Verwaltungsgerichtsverfahren in Gang gesetzt, um seine Urne zu Hause aufbewahren lassen zu dürfen statt auf dem städtischen Friedhof - aber verloren. Das neue nordrhein-westfälische Bestattungsrecht erlaubt nur Urnenbestattungen außerhalb von Friedhöfen, wenn das gewählte Gelände "dauerhaft zugänglich ist". Die Urne auf dem Wohnzimmerregal abzustellen, ist deshalb genauso unmöglich, wie sie im Garten in Szene setzen zu lassen.

Bruns denkt deshalb an vorübergehende Auswanderung - nach dem Tod. "Ich erwäge ernsthaft, zu Lebzeiten die nötigen Vorbereitungen zu treffen, um mich nach dem Tod in Holland einäschern zu lassen. Dann habe ich mir die leidigen hiesigen Gesetze vom Halse geschafft", sagt Bruns zu manager-magazin.de. "Meine Urne wird meiner Frau anschließend frei Haus geliefert. In einer unauffälligen Verpackung."