Geldanlage Französischer Wahlschein

In Frankreich wird gewählt, und dort haben jetzt auch die Anleger die Wahl: Eine Bank bietet ihren Kunden den Kauf zweier Zertifikate an, mit denen die Investoren auf die Folgen der Präsidentschaftswahl in Deutschlands größtem Nachbarland wetten können. Finanzprofis sind skeptisch.
Von Karsten Stumm

Hamburg - In gut drei Wochen wird klar sein, wer neuer Präsident oder Präsidentin Frankreichs ist. Die Folgen der Wahl sollten manche Anleger in Frankreich direkt am Morgen nach der Wahl auf ihrem eigenen Kontoauszug ablesen können: anhand des Betrags auf ihrem Depotauszug, den sie über Nacht gewonnen oder verloren haben. Denn die Pariser Großbank Société Générale hat Wertpapiere zum Kauf angeboten, mit denen Investoren auf den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl spekulieren können.

Das Geldhaus bietet seinen Kunden derzeit zwei Zertifikate zum Kauf, mit denen Anleger entweder den Sieg der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal oder ihres bürgerlichen Herausforderers Nicolas Sarkozy wetten können.

Dazu haben die Banker das Wahlprogramm der beiden Politiker unter die Lupe genommen und zu ermitteln versucht, welche französischen Firmen von den Vorhaben der beiden Präsidentschaftskandidaten wirtschaftlich am meisten profitieren würden. Und Aktien eben dieser Firmen haben sie anschließend in einem Zertifikat zusammengepackt.

Investoren haben nach Meinung der französischen Großbank so die Chance, mit dem Kauf nur eines Wertpapiers an der Kursentwicklung vieler Wahlgewinner-Unternehmen zu verdienen. Wer glaubt, dass sich die Sozialistin Royal durchsetzen wird, sollte deshalb das Zertifikat mit dem Namen "Elections 2007 Gauche" kaufen. Wer dagegen mit Sarkozy als künftigem französischem Präsidenten rechnet, wählt besser das "Elections-2007-Droite"-Zertifikat der Société Générale. - Oder anders herum?

Die französischen Banker sind sich offenbar selbst nicht ganz sicher, welche Wirkung die Präsidentschaftsprogramme der beiden Kandidaten auf das Wirtschaftsleben in Deutschlands bedeutendstem Nachbarland haben wird. Denn von den Anteilscheinen jener rund 30 Unternehmen, die angeblich irgendwie von der Wahl der Sozialistin oder des bürgerlichen Kandidaten profitieren sollen, sind nach Meinung der Société-Générale-Banker immerwährende potenzielle Gewinner - egal, wer die Wahl gewinnt. Entsprechend sind die beiden Zertifikate verblüffenderweise knapp zur Hälfte identisch zusammengesetzt.

Die Wahlprogramme von Royal und ihres Herausforderers Sarkozy liegen in manchen Bereichen offenbar zu nahe beieinander, als dass die Trennung in Gewinner- und Verliereraktien so einfach wäre. So wollen beide Kandidaten beispielsweise Frankreichs Wirtschaft Schritt für Schritt so umgestalten, dass sie möglichst umweltschonend Gewinne erzielt; Aktien von Unternehmen, die mit der dafür nötigen Technologie Profite machen, sind deshalb sowohl im "Elections-2007-Gauche"- als auch im "Elections-2007-Droite"-Zertifikat enthalten.

Wahleffekt verpufft schnell

Wahleffekt verpufft schnell

Börsenprofis halten das Société-Générale-Angebot noch aus einem anderen Grund für riskant: Der Einfluss von Wahlergebnissen auf die Börsenkurse ist oft nur von kurzer Dauer. In Deutschland beispielsweise schlug die Wiederwahl Gerhard Schröders (SPD) vor einigen Jahren zwar deutlich, aber eben nur kurzfristig auf die Kurse an der Frankfurter Börse durch.

"Verglichen mit anderen europäischen Standardwerten zeigten die Dax-Werte zwar eine deutlich unterdurchschnittliche Entwicklung, aber die war schon binnen einer Woche rund zur Hälfte wieder aufgeholt", sagt Hans-Jörg Naumer zu manager-magazin.de, der die Kapitalmarktanalyse der Allianz Global Investors leitet. Andere Untersuchungen kommen überdies zu genau dem gleichen Ergebnis, und das nicht ohne Grund.

Die Kapitalmärkte weltweit sind mittlerweile kräftig untereinander verflochten. Richtungweisende Konjunkturnachrichten aus Asien, Europa oder den USA schlagen deshalb oft stärker auf die Kurse an den Wertpapiermärkten weltweit durch, als politische Ankündigungen, im Laufe der kommenden Jahre ausgewählte nationale Probleme beseitigen zu wollen.

"Zudem erwirtschaften die großen europäischen Unternehmen längst einen wichtigen Teil ihrer Umsätze außerhalb ihrer Heimatmärkte, Deutschlands Dax-Firmen beispielsweise fahren bereits zwei Drittel ihrer Umsätze im Ausland ein. Und die großen französischen Firmen sind ebenfalls Global Player", sagt Naumer.

Doch selbst wenn die Wahl in Frankreich langfristige Auswirkungen auf die Börse des Nachbarlandes haben sollte, bleibt für die Wahl-Zertifikate-Anleger eine Frage offen: Was passiert eigentlich, wenn weder die Sozialisten Royal noch der jetzige französische Innenminister Sarkozy die Wahl gewinnen sollten, sondern der dritte Präsidentschaftskandidat, François Bayrou?

Für dessen Sieg ist bisher zumindest kein Zertifikat im Angebot, dabei macht der Mann offenbar Boden gut auf die Favoriten Royal und Sarkozy. Frankreichs Anleger werden direkten finanziellen Folgen von Bayrous möglichem Überrraschungssieg deshalb wohl erst am Tag nach der Wahl einzuschätzen wissen. Mit einem Blick auf ihren eigenen Depotauszug.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.