Naher Osten Die Aktien und der Koran

Gegenden wie der Nahe Osten gelten nicht gerade als Anlegerparadies. Und doch sind die dortigen Börsen für große Sprünge gut. manager-magazin.de sprach mit Rashad Khourshid, dem Manager des ersten Fonds, der dort investiert, über politische Risiken und wirtschaftliche Chancen.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Khourshid, warum sollten Anleger eigentlich Aktien der arabischen Welt kaufen? Welchen Vorteil bietet der Fonds zum Beispiel gegenüber einem Türkei-Investment?

Khourshid: Um von dem Wachstum in der Region zu profitieren, vor allem nach der Korrektur im Jahr 2006. Zumal der Meridio Fund Arab World kein reiner Länderfonds ist, sondern ein Regionenfonds. Damit können Sie in Bluechips in der MENA-Region investieren. Das ist die Abkürzung für Middle East North Africa. Vergleichen Sie es meinetwegen einmal mit einem Türkei-Fonds. Mit unserem Produkt sind Sie breiter diversifiziert mit weniger Volatilität in Bezug auf die Währung, und die aktuellen Bewertungen und das künftige Wachstum sehen heller aus.

mm.de: Und wie wollen Sie die politischen Risiken der Region abfedern?

Khourshid: Politische Risiken existieren auf allen Märkten. Und es war immer ein Faktor, der auch die Börsen beeinflusst. Und ja - in der MENA-Region gab es Konflikte seit dem frühen 20. Jahrhundert und immer in verschiedenen Nuancen. Aber die Märkte haben sich immer an die jeweilige Situation angepasst.

mm.de: Wie hoch ist die Auswahl investierbarer Aktien - und aus welchen Sektoren kommen die?

Khourshid: Ich habe keine Restriktionen oder ein Limit bezüglich der Zahl der Aktien, die ich von 300 auswählen kann. Auch bei den Sektoren bin ich frei, zu wählen. Ich kann unter den Bluechips jene auswählen, die mir attraktiv bewertet erscheinen.

mm.de: Wie funktioniert ein Aktienmarkt in arabischen Ländern, wo der Koran doch ein Zinsverbot ausspricht. Oder gilt das nur für Anleihen?

Khourshid: Das ist kein Problem, der Aktienmarkt ist kein Regelungsgegenstand der Sharia.

mm.de: Sind die Gesetze der Geldanlage eigentlich universell, oder muss in diesen Ländern ein anderer Maßstab angelegt werden?

Khourshid: Bevor wir anlegen durften, mussten wir den in Luxemburg gelisteten Fonds von der CSSF, dem lokalen Regulator, billigen lassen.

"Einfluss der Königsfamilie limitiert"

mm.de: Welche Rolle spielt das Öl für den Fonds?

Khourshid: Nun, das Geschäft mit dem Öl schafft Geld auch für Fonds. Insofern sorgt diese Liquidität dafür, dass sich in der Vergangenheit die Aktienmärkte in der MENA-Region sehr gut entwickelten. 2006 zum Beispiel erwirtschaftete die Ölbranche 500 Milliarden US-Dollar Revenue.

mm.de: Doch im vergangenen Jahr sind die Aktien der Region auch kräftig unter Druck geraten. Kommt nun die Erholung?

Khourshid: Der Boden der Märkte kann ja leider nie bestimmt werden. Aber im Vergleich zu anderen Schwellenländern, die in der Spitze in einem Jahr gut 60 Prozent verlieren, glauben wir, dass es eine gute Zeit ist, unseren Fonds auf den Markt zu bringen.

mm.de: Wie lange trugen Sie die Idee dieses Fonds schon mit sich herum?

Khourshid: Unser Interesse, in der Gegend zu investieren, geht recht weit zurück. Aber die Märkte hatten noch nicht die richtigen Gesetze und Regularien. Es war ein jungfräulicher Markt, erst später gab es die Regeln, die den Anleger beschützen. Und es möglich machen, per Fonds dort zu investieren.

mm.de: Sind Transaktionen dort eigentlich teurer als zum Beispiel in Europa? Und welche Rolle spielen die lokalen Königshäuser?

Khourshid: Die Transaktionskosten sind über den Daumen in allen Märkten gleich hoch. Abgesehen davon sind die hiesigen Märkte gut reguliert, was den Einfluss von Königshäusern limitiert.