Abgeltungsteuer In kleiner Gesellschaft

Finanzprofis hatten den Verdacht, jetzt musste die Bundesregierung klein beigeben: Die Variante der deutschen Abgeltungsteuer trifft die Bundesbürger härter als die Sparer der meisten Ländern. Ähnlich rigoros sind die Regeln nur in Griechenland, Malta - und Rumänien.
Von Karsten Stumm

Berlin - Deutschlands Anleger befinden sich bald in ungewohnter Gesellschaft. Nachdem die Abgeltungsteuer hierzulande in Kraft getreten sein wird, teilen sie mit einigen wenigen Europäern ein Schicksal.

Ab dem Jahr 2009 müssen sie Abgeltungsteuern auf Kursgewinne zahlen. So, wie sonst nur noch die Sparer in Griechenland, Malta und Rumänien. Und die können dem Zugriff des Fiskus sogar teilweise entgehen, bestätigte jetzt die Bundesregierung der FDP-Bundestagsfraktion; das Schreiben, unterzeichnet von Finanzstaatssekretärin Barbara Hendricks, liegt manager-magazin.de vor.

Im internationalen Vergleich kommen die deutschen Anleger so ab dem Jahr 2009 zumeist schlecht weg. Selbst in Nachbarstaaten, in denen es ebenfalls eine Abgeltungsteuerregel gibt, bleibt den Investoren dort unter dem Strich mehr als den Sparern hierzulande.

In Österreich beispielsweise, wo nur Zinsen und Dividenden mit einer Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent belegt werden, müssen die Investoren zumindest keine weitergehenden Belastungen stemmen. In Frankreich sorgt eine hohe Freigrenze bei der Besteuerung von Kursgewinnen für Entlastung; alle Kursgewinne bis zu einer Summe von 15.000 Euro bleiben in Deutschlands großem Nachbarland unangetastet.

Und in anderen Staaten fallen die Steuersätze für die Kursgewinnbesteuerung schlicht niedriger aus als in Deutschland: Während die Anleger hierzulande 25 Prozent ihrer Kursgewinne an den Fiskus abtreten müssen, sind es beispielsweise in Italien nur 12,5 Prozent, die USA belässt es bei 18 Prozent.

Vorteile bei der Dividendenbesteuerung?

Vorteile bei der Dividendenbesteuerung?

"Großbritannien vereint mit einem hohen Freibetrag von jährlich 12.000 Euro und der Befreiung von drei Viertel des Kursgewinns nach einer Haltedauer von zwei Jahren sogar beides", sagt Helmut Knestel, Fondsmanager bei Gecam.

Allerdings bietet die Abgeltungsteuer nach Meinung der Bundesregierung zumindest bei der Besteuerung von Dividenden auch Vorteile für die Bundesbürger. Während die steuerliche Dividendengesamtbelastung für Spitzenverdiener, die derzeit den Spitzensteuersatz von 45 Prozent zahlen müssen, aktuell bei 53,21 Prozent liege, bleibe ihnen nach Einführung der Abgeltungsteuer deutlich mehr von ihrer Aktienausschüttung. Künftig belaufe sich ihre steuerliche Gesamtbelastung dafür auf 49,82 Prozent.

Noch günstiger würde es darüber hinaus für Bundesbürger mit unterdurchschnittlich hohem Einkommen. Wer derzeit nur mit dem Eingangssteuersatz von 15 Prozent vom Fiskus zur Kasse gebeten werde, zahle derzeit unter dem Strich 43,5 Prozent Steuern auf Dividendenerträge. Dagegen würden es künftig nur 36,49 Prozent sein, schreibt Staatssekretärin Hendricks - "in Vertretung" - der FDP.

Den Fondslobbyverband Investment und Asset Management hat die Nachricht der Bundesregierung allerdings nicht beeindruckt. Er machte folgende Rechnung auf: Wer bis Ende Dezember 2008 einen Aktienfondssparplan abschlösse und die folgenden 30 Jahre lang jeweils 100 Euro pro Monat einzahle, spare so im Schnitt nach alter Gesetzeslage etwa 150.000 Euro an. Doch ab dem ersten Januar 2009 werde die Rechnung erheblich ungünstiger. Aufgrund der dann geltenden Abgeltungsteuerregel müsse sich der Sparer nach 30 Jahren trotz gleicher Rendite seiner Geldanlage mit etwa 32.000 Euro weniger begnügen.

Der Hintergrund: Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, ab dem Jahr 2009 Dividenden, Zinsen und Erträge aus Anleihen, Fonds und Zertifikaten mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag zu belegen. Das gilt auch für Gewinne, die beim Verkauf von Wertpapieren, Fondsanteilen und Beteiligungen entstehen.

Das aber traf bisher nur Investoren, die ihre Wertpapiere binnen eines Jahres nach dem Kauf wieder mit Gewinn verkauften; dafür erfand der Fiskus das Wort "Spekulationsgewinne". Wer seine Wertpapiere dagegen länger im Depot behielt, sei es auch nur einen Tag, konnte den aufgelaufenen Gewinn steuerfrei einstreichen.

Anders auch die derzeitige Regelung zur Besteuerung von Dividenden. Aktienausschüttungen, die über dem Freibetrag lagen, wurden zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz belegt, Zinseinnahmen mit dem vollen. Ab dem 1. Januar 2009 wird all das Vergangenheit sein.

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