Mittwoch, 8. April 2020

Aktien-Spam Abzocke mit windigen Tipps

Anlegerschützer warnen vor einer neuen Welle von Spammails. Mit unbegründeten Prognosen locken anonyme Absender zum Kauf wertloser Aktien. Wer den Tipps folgt, riskiert schnellen Totalverlust. Die Aufsichtsbehörde BaFin ermittelt.

Hamburg - Mit dubiosen Aktientipps locken angebliche Finanzexperten derzeit Anleger in halsbrecherische Investments. Dazu werden seit einigen Wochen massenhaft Spam-Mails versandt, in denen atemberaubende Gewinne bei bestimmten Werten in Aussicht gestellt werden. Wer den Tipps folgt, riskiert den schnellen Totalverlust.

Eifrige Hände: Die Absender der Spammails geben sich als Aktien-Analysten aus
Es handle sich um "Kaufempfehlungen für absolute Aktienleichen", warnt Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) rät Anlegern dringend davon ab, die Tipps ernst zu nehmen.

In den Mails gibt es klare Kaufempfehlungen, die Prognosen zu den Kurssteigerungen werden jedoch nicht näher begründet. Laut SdK wurden beispielsweise die Aktien der seit Jahren in Insolvenz befindlichen Adori AG Börsen-Chart zeigen bei einem Kursniveau von wenigen Cent zum Kauf angeboten und ein Kursziel von weit über einem Euro in Aussicht gestellt. Bei enormen Umsätzen stieg der Kurs tatsächlich von drei auf 18 Cent an, und fiel darauf wieder auf einen Wert von neun Cent zurück.

Ähnlich sei die Entwicklung bei anderen Werten verlaufen, wie beispielsweise der insolventen Agiv Real Estate AG Börsen-Chart zeigen oder der CBB Holding AG Börsen-Chart zeigen. "In jedem der genannten Fälle stieg der Aktienkurs der empfohlenen Aktien massiv an, um wenige Tage später ins Nichts zurückzufallen", sagt Öfele.

Unterzeichnet sind die Mails von verschiedenen Personen, die angeblich für eine "Gesellschaft für Aktienempfehlungen" oder auch einer "Gesellschaft für Aktien-Analyse" tätig sind. Doch offenbar existieren weder die Personen noch die Gesellschaften, und die Absender verbergen sich hinter verschleierten Mail-Adressen.

Die SdK vermutet hinter den Tipps die so genannte "Pump-and-Dump"-Masche. Bei diesem verbotenen Geschäft würden sich die Betrüger vor der Kaufempfehlung mit den entsprechenden Werten eindecken und sie dann mit mehreren hundert Prozent Profit an gutgläubige Mail-Empfänger verkaufen.

Verdacht auf Insiderhandel

Die Hintermänner der massenhaft verschickten Spam-Mails sind unbekannt. Doch die BaFin ist bereits aktiv geworden. "Es gibt den Verdacht auf Insiderhandel und Kursmanipulation, und wir ermitteln derzeit in verschiedene Richtungen", sagt BaFin-Sprecherin Anja Neukötter. In den vergangenen Wochen gingen bei der BaFin über 60 Hinweise von Anlegern zu acht verschiedenen Gesellschaften ein. Laut Neukötter handelte es sich vorwiegend um mittlerweile insolvente deutsche Gesellschaften, die ehemals am Neuen Markt notiert waren.

Die SdK warnt Anleger grundsätzlich davor, Aktientipps aus unbekannten Quellen zu folgen und rät, nur zuverlässigen und seriösen Informationsquellen zu vertrauen. Die Höhe des durch die jüngste Spam-Welle entstandenen Schadens ist unklar. Möglicherweise sind jedoch zahlreiche Anleger auf die dubiosen Tipps hereingefallen. Das lässt eine aktuelle Umfrage der Bundeszentrale Verbraucherverband (vzbv) unter 1000 Bundesbürgern vermuten. Jeder Dritte erhält danach wöchentlich über 100 Spam-Mails, bei fast 60 Prozent sind es zwischen zehn und 100. Und immerhin 1 Prozent der Befragten gab an, auf eine Spam-Mail in irgendeiner Form im Sinne des Absenders reagiert und beispielsweise etwas gekauft zu haben.

Manfred Rolfsmeier, ap

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung