Hedgefonds "Ein Ruf wie Gordon Gekko"

Hegdefonds sind seit 2004 in Deutschland zugelassen. Doch ihre Performance hinkt der von Aktien hinterher. Markus Sievers ist Geschäftsführer des Anbieters Apano und erklärt gegenüber manager-magazin.de, warum das so ist - und wieso insbesondere Politiker umdenken müssen.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Sievers, Hedgefonds starteten vor gut drei Jahren in Deutschland. Doch wer sich damals vorwagte und einen der Fonds kaufte, hat seitdem kaum Geld verdient. Mit Aktien wäre er besser bedient gewesen.

Sievers: Da haben Sie recht, die vergangenen drei Jahre waren in der Summe unterdurchschnittlich. Die Börsen sind da sehr gut gelaufen, die Hedgefonds nicht. Das hat mehrere Gründe. Erstens war das ein Start zum schlechten Zeitpunkt. Denn seitdem liefen die Börsen konsequent nach oben, und die Schwankungen waren auf historisch niedrigem Niveau. Doch viele Strategien der Hedgefonds funktionieren nur dann gut, wenn das Umfeld volatiler ist.

mm.de: Bricht jetzt also die goldene Zeit der Hedgefonds an?

Sievers: So weit würde ich nicht gehen, aber ich denke, dass 2007 ein deutlich besseres Jahr wird. Und dann können die Manager den durchwachsenen Trackrecord so langsam vergessen machen. Dazu kommt aber auch noch die Wahrnehmung. In Deutschland werden Hedgefonds schnell mit Private Equity in einen Topf geworfen und als Heuschrecken verunglimpft.

mm.de: Aber es gibt doch auch lobende Stimmen aus der Politik.

Sievers: Schon, allerdings pendelt das immer hin und her. Der Anleger, der Interesse an Hedgefonds hat, wird dadurch ja nur abgeschreckt.

mm.de: Wie soll sich das ändern?

Sievers: Zum einen kann das sicherlich nur über die Ergebnisse funktionieren. Die waren in den letzten drei Jahren nicht so, wie man es sich gewünscht hätte. Zwar haben die Anleger sicherlich zu viel erwartet, aber die Anbieter traten auch zu selbstsicher und arrogant auf. Zu besseren Zahlen muss aber auch die Aufklärung kommen.

"Hinreichend transparent"

mm.de: Sollten Hedgefonds nicht als Erstes etwas transparenter werden?

Sievers: In Deutschland ist das nicht nötig. Die Fonds, die hierzulande zugelassen sind, sind vom Gesetzgeber zu weitreichender Publizität verpflichtet. Das Gleiche gilt für die deutschen Dachhedgefonds. Die dürfen nur in transparente Vehikel investieren. Wenn Sie aber einige US-Fonds nehmen, dann ist der Vorwurf schon berechtigt, die agieren sehr verschlossen.

mm.de: Dennoch gibt es Gesellschaften in Deutschland wie Pioneer Investments, die sich sagen, es hat keinen Sinn, Hedgefonds an Privatanleger zu verkaufen, das lohnt nicht. Wie sehen Sie das?

Sievers: Das Interesse ist schon da. Die Erkenntnis, dass Hedgefonds als Beimischung eine depotstabilisierende Wirkung haben, setzt sich immer mehr durch. Insgesamt verwalten deutsche Hedgefonds um die 23 Milliarden Euro, drei davon entfallen auf Dachhedgefonds, also auf Geld der Privatanleger. Freilich, US-Universitäten haben 15 Prozent Hedgefonds im Portfolio. Davon trennt uns noch ein langer Weg. Aber ich bin sehr zuversichtlich.

mm.de: Ist der Atem der deutschen Anleger zu kurz?

Sievers: Nein, das glaube ich nicht. Es fehlt ihnen das Vertrauen. Viele denken bei Hedgefonds an den Film "Wall Street", an den Geldhai Gordon Gekko. Interessanterweise haben diese Leute keine Probleme, in Derivate zu investieren. Wenn ich sehe, was da für Geldsummen hineinfließen, macht mich das schon stutzig. Ich fürchte, viele wissen gar nicht, was da mit ihrem Geld geschieht.

mm.de: Fehlt Ihnen als Branche da die Durchschlagskraft, wie sie zum Beispiel die Versicherungsbranche hat?

Sievers: Wir tun schon einiges. Immerhin hat unser Verband, der Bundesverband Alternative Investments 120 Mitglieder. Sicherlich ist in Sachen Öffentlichkeitsarbeit noch einiges zu tun. Wir jedenfalls wären bereit, dafür einen deutlich höheren Mitgliedsbeitrag zu zahlen.

mm.de: Auch gegenüber der Presse sind Hegdefonds oft sehr zugeknöpft.

Sievers: Ein Fehler, die müssen den Umgang mit den Medien lernen. Viele haben aber noch nicht einmal einen Ansprechpartner für Journalisten.

"Geringe Hoffnungen auf G8"

mm.de: Es bleibt der Vorwurf, dass das Geld nicht börsentäglich verfügbar ist.

Sievers: Inzwischen gibt es Produkte, die man täglich verkaufen kann.

mm.de: Auf dem G8-Gipfel im Juni werden auch Hedgefonds diskutiert werden. Was kommt da raus?

Sievers: Da sowohl die Expertenkommission der EU als auch die Amerikaner die Regulierung nicht verschärfen wollen, rechne ich mit keinen maßgeblichen Entscheidungen.

mm.de: Es gibt 9000 Hedgefonds weltweit. Wird es da auch zu einer Konsolidierung der Anbieter kommen?

Sievers: Sicherlich. Es gibt etliche, die zu klein sind und die entsprechend nicht wirtschaftlich arbeiten. Sie werden die nächsten Jahre nicht überleben.

mm.de: Ein letztes Wort zu den Kosten - Hedgefonds sind im Vergleich zu Aktienfonds teuer. Wie wollen Sie die Anleger dennoch von diesen Produkten überzeugen?

Sievers: Mit guter Leistung - die 2007 besser sein wird.

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