Freitag, 19. Juli 2019

Steueroasen Heimliche Paradiese

Offshore-Finanzplätze wie die Cayman-Inseln oder Jersey erleben einen Boom dank Hedgefonds und Unternehmen zur Konzernfinanzierung. Für Geldwäscher und Steuerhinterzieher ist der Zugang zum Paradies aber schwieriger geworden. manager-magazin.de beschreibt die Trends im globalen Wettbewerb um Finanzkapital.

Hamburg - Türkis schimmerndes Wasser, strahlend blauer Himmel, weiß glänzende Segeljachten. Wenn schon der Traum vom steuerfreien Leben wahr wird, dann kann das Bild vom Paradies auch gleich komplett sein. So stellen sich karibische Steueroasen wie die Cayman-Inseln, Belize oder die Britischen Jungferninseln dar.

Mit seinem Vermögen ins Paradies zu kommen, ist so einfach. Ganz wie der alte Aussteigertraum: Man muss nur loslassen können, die Gebräuche der Heimat mitsamt ihrer Steuerlast. Diesen Eindruck kann jedenfalls leicht gewinnen, wer im Internet nach Stichworten wie "Offshore-Gesellschaft" sucht. Offshore, also außer Reichweite der heimischen Steuergesetze, winken bequeme Verstecke für Kapitalerträge und Einkommen.

Viele kleine Anbieter werben mit Sprüchen wie "Kapitalertragsteuer? Das muss nicht sein". Schon ab 1000 Euro Gebühren ist eine steuerfreie Gesellschaft in der Karibik komplett mit Registereintrag und Adresse zu haben, Unternehmen in Niedrigsteuer-Bundesstaaten der USA wie Delaware oder Oregon sind noch günstiger.

Allerdings lassen sich gerade die Seiten mit den billigsten Angeboten oft nicht aufrufen - ein Hinweis darauf, dass das Geschäft schwieriger geworden ist. Dafür warnen andere Berater vor der Billigkonkurrenz. "Manche machen sich das sehr einfach", sagt der Hamburger Steuerberater Jürgen Bittger, Direktor der Firma London Consulting. "Offshore-Firmen eignen sich nicht immer für Unternehmer." Wer sich nicht richtig absichere, könne schnell ein "gefundenes Fressen" für das Finanzamt werden.

In Ländern, die kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland oder einem anderen EU-Staat abgeschlossen haben, hat der deutsche Fiskus an sich nichts zu sagen. Dafür kann er die volle deutsche Steuer verlangen, wenn er bezweifelt, dass ein Unternehmen tatsächlich nur in der Steueroase und nicht in Deutschland tätig ist. In solchen Fällen liegt die Beweislast beim Steuerpflichtigen.

Unternehmern, die in den Genuss des 0-Prozent-Steuersatzes in Belize, auf den Britischen Jungfern- oder den Cayman-Inseln kommen wollen, empfiehlt Bittger daher, Mindestvoraussetzungen zu beachten. Damit die Finanzämter die Betriebsstätte im Ausland anerkennen, müsse dort ein "in kaufmännischer Weise eingerichteter Geschäftsbetrieb" stattfinden. "Das heißt ein voll eingerichtetes Büro und mindestens ein Mitarbeiter." Briefkasten und Anrufbeantworter reichten keinesfalls aus.

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