Steuerreform "Auch Scheingewinne werden besteuert"

Mit der Unternehmensteuerreform hat das Bundeskabinett auch der Abgeltungsteuer zugestimmt. Für viele Aktionäre bedeutet das: Steuererhöhungen bis zu 100 Prozent auf Dividenden, Wegfall der Steuerfreiheit für langfristig gehaltene Papiere sowie Besteuerung inflationsbedingter Scheingewinne. Noch könne man von Frankreich lernen, mahnt die DSW.

Berlin - Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat die am Mittwoch vom Bundeskabinett durchgewunkenen Pläne zur Unternehmensteuerreform scharf kritisiert. Die Anlegerschützer stören sich vor allem an der innerhalb des Gesetzespakets geplanten Einführung einer Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge in Höhe von 25 Prozent. Das Gesetzespaket soll noch vor der Sommerpause vom Bundestag beschlossen werden.

Für Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der DSW, ist die geplante Abgeltungsteuer in der aktuellen Ausgestaltung "eine Katastrophe für die Aktienkultur in Deutschland". Besonders hart getroffen würden Aktiensparer mit kleinen und mittleren Einkommen: "Also gerade die Gruppe, die am meisten darauf angewiesen ist, neben der gesetzlichen Rente aktiv eine eigene Altersvorsorge aufzubauen", sagte Hocker. Vermögende, die heute den Spitzensteuersatz zahlen, werden dagegen geschont.

Die DSW sieht die geplante Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens für Dividenden als besonders kritisch. Bislang unterliegt nur die Hälfte der ausgeschütteten Dividende dem persönlichen Steuersatz, da ja bereits das Unternehmen Steuer auf den erzielten Gewinn gezahlt hat. Ab 2009 kommt es jedoch zu einer lupenreinen Doppelbesteuerung, da der Fiskus dann auf Anlegerebene nochmals die komplette Dividendenzahlung mit 25 Prozent besteuern will.

Doppelbesteuerung: Vor allem Normalverdiener trifft es

Für Anleger, deren Steuersatz unter 25 Prozent liegt, wird die Abgeltungsteuer zu einer Steuererhöhung von 100 Prozent führen. Sparer mit einem 40-prozentigen Steuersatz müssen 25 Prozent mehr an den Fiskus zahlen.

Sparer mit einem Steuersatz von 30 Prozent (entspricht 66.000 Euro Jahreseinkommen für einen Single oder 132.000 Euro bei Ehepaaren) müssen ab 2009 rund 66 Prozent mehr an den Fiskus zahlen, rechnet die DSW vor. Von 1000 Euro Dividende fallen bei einem persönlichen Steuersatz von 30 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag derzeit 158,30 Euro Steuern an. Ab 2009 werden es (inklusive Soli) 263 Euro sein.

Unverständlich ist den Aktionärschützern zudem, warum der deutsche Fiskus beim Thema Spekulationsgewinne nicht ein ähnliches Stufenmodell wie Frankreich gewählt hat.

"Konjunkturprogramm für Schweizer Banken"

Spekulationsfrist: Warum nicht Frankreich folgen?

Anlass zur Kritik bietet auch die geplante Abschaffung der einjährigen Spekulationsfrist. "Selbst Langfristanleger wie zum Beispiel Belegschaftsaktionäre müssen ab 2009 ein Viertel ihres Gewinns aus Wertpapierverkäufen an den Staat weiterreichen", so Hocker. Auf diese Weise würden selbst inflationsbedingte "Scheingewinne" besteuert. Wer 30 Jahre lang Geld in Aktienpläne einzahlt, dessen Durchhaltevermögen dürfte künftig mit einem Steuerbescheid von 30.000 Euro quittiert werden, hat der Branchenverband BVI errechnet.

Für die Aktionärsvertreter der DSW ist nicht nachvollziehbar, warum Deutschland keine entsprechende Regelung wie in Frankreich praktizieren sollte.

Dort ist nach sechs Jahren Haltezeit ein Drittel des Gewinns steuerfrei, nach sieben Jahren zwei Drittel und nach acht Jahren die gesamte Summe. "Ein Stufenmodell mit sinkenden Steuersätzen je nach Anlagefrist wäre deutlich sinnvoller", so die Aktionärsschützer.

Freigrenze von 512 Euro ersatzlos gestrichen

Außerdem wird laut Empfehlung des Kabinetts die bisher gültige Freigrenze für Spekulationsgewinne in Höhe von 512 Euro ersatzlos gestrichen. Dividenden und Kursgewinne fallen ab 2009 genau wie Zinsen unter den Sparerfreibetrag. Dies verstärkt die steuerliche Mehrbelastung privater Kapitalanleger mit kleinen und mittleren Einkommen.

Viele Sparer werden sich von der Aktie verabschieden und ihr Geld in weniger rentierlichen, verzinslichen Sparformen anlegen, meint Hocker. "Die private Altersvorsorge wird durch die Steuerreform teurer und ineffizienter".

"Konjunkturprogramm für Schweizer Banken"

Nicht nur große Vermögen werden sich verstärkt auf den Weg nach Luxemburg oder in die Schweiz machen, schätzt Hocker. Auch Privatanleger, die ihre Depots über das Internet verwalten, werden darüber nachdenken, dies demnächst über eine Luxemburger oder Schweizer Bank zu tun.

Die ausländischen Banken würden sich schon jetzt auf die deutschen Kunden freuen und entsprechende Produkte entwickeln.

Die angekündigte Vereinfachung der Verwaltung werde es nicht geben, da rund fünf bis sechs Millionen Steuerpflichtige im Rahmen der sogenannten "Günstigerprüfung" weiterhin ihre Kapitalerträge deklarieren könnten.

manager-magazin.de

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