Ukraine Erst revoltieren, jetzt investieren

Die Ukraine, das ist die orange Revolution, das ist der kleine Nachbar Russlands. Und das Land ist seit Neuestem auch erstmals das Anlageziel eines Fonds. Mehr als nur ein Marketinggag? manager-magazin.de sprach mit Fondsberater Ralf Luther von der Berenberg Bank.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Herr Luther, ein Fonds, der allein in der Ukraine investiert, das klingt verwegen. Gibt es dort überhaupt genügend Aktien zur Auswahl für einen Fondsmanager?

Luther: Gibt es. In der Summe sind es aktuell 300 Aktien, die zur Auswahl stehen. Aufgrund der niedrigen Marktkapitalisierung kann man aber ehrlicherweise nur gut 100 davon kaufen. Die Auswahl ist also etwas beschränkt, da haben Sie schon recht.

mm.de: Und, gibt es Chancen, dass sich das ändert?

Luther: Genau das ist das Reizvolle daran. Die Regierung plant 600 Unternehmen zu privatisieren. Sicherlich nicht allein 2007, aber im Verlauf der nächsten Jahre. Das ist schon eine echte Hausnummer.

mm.de: Aber wie viel Aktien werden denn dort aktuell gehandelt?

Luther: Pro Tag sind das fünf bis zehn Millionen Euro, die da gehandelt werden. Die gleiche Summe fließt noch einmal an der Börse vorbei, über den OTC-Handel. Das ist noch nicht viel. Aber wie gesagt - das ändert sich.

mm.de: Wie viel Aktien landen davon denn in Ihrem Fonds, dem Berenberg-Emerging-Ukraine-Universal-Fonds?

Luther: Am Anfang werden das so um die 35 sein.

mm.de: Warum sollten Anleger in der Ukraine investieren? Das Land ist Nachbar des etwas unruhigen Russlands und hat gerade die orangene Revolution hinter sich. Die Demokratie dort ist also noch sehr jung.

"Das Risiko birgt auch die Chance"

Luther: Sicherlich ist sie das, und das ist eins der Risiken eines solchen Investments. Das ist aber auch die Chance: Aktuell wird das Land von einer Großen Koalition regiert. Wenn die Lager es schaffen, ihre internen Differenzen auszublenden, dann werden sie viel bewegen können.

mm.de: In Deutschland zumindest sieht es so aus, als würde das nicht funktionieren. Aber zurück zur Ukraine: Wo liegen denn die Chancen des Fonds? Ist es die für Osteuropa so oft zitierte Konvergenzgeschichte, die so ein Investment nach oben treiben könnte?

Luther: Das glaube ich nicht. Natürlich klopft die Ukraine immer wieder an die Tür der EU und trägt ihren Wunsch vor, Mitglied zu werden. Aber das liegt noch in ferner Zukunft. Ich denke, aktuell sind es die geplanten IPOs, die Gewinndynamik der Unternehmen, der Rohstoffreichtum des Landes, der einsetzende Konsumboom und die stark wachsende Wirtschaft mit Wachstumsraten jenseits der 6 Prozent im Jahr.

mm.de: Hat das Land denn Rohstoffe?

Luther: Ja, sehr viel sogar. Uran, Kohle und Edelsteine zum Beispiel.

mm.de: Ist das Phänomen der neuen Mittelschicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise in Indien?

Luther: Nein, sicherlich nicht. Aber die Immobilienpreise ziehen an. Und das ist in der Regel ein gutes Signal. Der Quadratmeter einer Wohnung zum Beispiel in Kiew in durchschnittlicher Lage kostet 1500 US-Dollar. Und die Menschen können sich das offenbar leisten.

mm.de: Wie investieren Sie dort?

Luther: Derzeit noch recht nah am Index. 75 Prozent des Fonds orientieren sich daran. Die 14 Titel, die im Landesindex PFTS zu finden sind, werden Sie also auch im Fonds selbst finden. In Zukunft, bei größerer Aktienauswahl, wird sich das ändern. Und um die Risiken abzufedern, halten wir 10 Prozent des Fondsvolumens in Bargeld.

mm.de: Ein recht hohes politisches Risiko, ein enger Markt - wie viel Geld, erwarten Sie, werden die Anleger in den Fonds einzahlen?

Luther: Wir sind zur Zeit das einzige Produkt, mit dem ein Anleger am erwarteten Aufschwung des Landes teilhaben kann. Ich denke, die Nachfrage nach unserem Produkt wird deshalb sehr hoch sein.