Wein als Geldanlage Flüssiges Kapital

Weinraritäten sind zu einem lukrativen Geschäft geworden. Zu den Kennern gesellen sich Spekulanten. Die wachsende Nachfrage lässt die Preise steigen. Jan-Erik Paulson, Händler für seltene Weine, rät zum Kauf von Bordeaux-Weinen der 80er Jahre.
Von Rita Syre

Hattenheim am Rhein - Knapp 1400 Euro pro Person für eine Gala-Weinverkostung und ein Gourmetmenü - Besuchern des Rheingau Gourmet & Wein Festivals im Weindorf Hattenheim ist es das wert. Große Bordeaux-Weine wie der 61er Mouton-Rothschild sind in den vergangenen Monaten zu 2600 Euro pro Flasche versteigert worden. Und selbst Preise von 7000 Euro und mehr für eine Flasche des sagenhaften 45er Mouton sind keineswegs selten.

"Wein ist für bestimmte Kreise zu einem Statusobjekt geworden", hat Jan-Erik Paulson, der durch die Raritätenshow in Hattenheim führt, beobachtet. Und in diesen Kreisen spiele Geld nun einmal keine Rolle. Paulson gilt als einer der profiliertesten Händler besonders edler Tropfen. Vor rund 18 Jahren hat der heute 57-jährige Schwede, der damals noch Zahnarzt war, sein Hobby zum Beruf gemacht.

Zum Kreis der Reichen stoßen seit einiger Zeit immer mehr Russen und Chinesen aus Hongkong und Singapur. Sie kaufen im großen Stil für fast jeden Preis Weine im obersten Qualitätssegment. "Häufig sind Weinraritäten Teil des luxuriösen Lebensstils, den diese Leute pflegen", berichtet Paulson. Früher, erinnert er sich etwas wehmütig, hätten fast ausschließlich Adlige und Industrielle ganz kleine Mengen der besonders guten Jahrgänge für besondere Anlässe zum Feiern erworben. "Es waren vor allem Weintrinker, die den Markt steuerten", ergänzt er. Das hat sich grundlegend geändert.

Nicht nur neue Käufer mit einem dicken Portemonnaie stoßen auf den Markt, sondern auch immer mehr Spekulanten. Die seltenen, edlen Tropfen erfreuen sich als Kapitalanlage immer größerer Beliebtheit. "Die Nachfrage nach hochwertigen Weinen steigt derzeit enorm stark und ein Großteil geht auf Spekulanten zurück", sagt Paulson. Der Handel mit den Edelweinen wird deshalb immer mehr zum Business.

Es stimme schon nachdenklich, sinniert Paulson, dass manche Winzer ihre Weine auf den jeweils herrschenden Geschmacksstil ausrichten würden, um die Preise nach oben zu treiben. So seien derzeit überreife Weine in Mode. Zuweilen werde auch mit anderen Mitteln nachgeholfen, räumt Paulson ein. Näher geht er darauf nicht ein. Aber es ist ihm deutlich anzumerken, dass ihm diese Praxis missfällt.

Welche Weine sich lohnen

Welche Weine sich lohnen

Demnächst wird sich wieder der Tross der Weinexperten auf den Weg in die Weingüter machen. Sie machen Fassproben von den Weinen der besten Lagen, den Premiers Crus. Dazu zählen Château Lafite-Rothschild, Château Mouton-Rothschild, Château Latour, Château Margaux und Château Haut-Brion. Interessant sind zudem einige andere renommierte Weingüter wie Pétrus, Cheval blanc oder Château d'Yquem.

Das Urteil der Experten bestimmt die Preise, zu denen die neuen Weine jetzt verkauft werden, obwohl sie erst Jahre später auf Flaschen gezogen ausgeliefert werden. Das aber macht das Geschäft mit dem Wein heikel. "Erst nach etwa zehn Jahren kann die Qualität eines Weins beispielsweise aus dem Bordeaux gut eingestuft werden", meint Paulson. Dieser lange Zeitraum bietet reichlich Raum für Fehlspekulationen.

So gab es denn auch auf dem Weinmarkt bereits eine Art Crash. "Mit dem 72er Bordeaux hat sich der Markt verspekuliert", erinnert er sich. Die Qualität des Jahrgangs habe sich als schlecht herausgestellt. Paulson rät deshalb, nur trinkreife Weine zu kaufen, auch wenn die teurer seien. Denn da wisse der Sammler, was er kaufe.

Die Trinkreife haben nun die Bordeaux-Jahrgänge 1986, 1988 und 1990 erreicht. Sie hätten gehalten, was sie vor mehr als zehn Jahren versprachen, urteilt Paulson. Dementsprechend schnell würden diese Jahrgänge nun vom Markt verschwinden. "Die 80er Jahre haben eine große Zahl sehr, sehr guter Jahrgänge hervorgebracht, für die die Preise sehr steil steigen", sagt er. Paulson empfiehlt vor allem Weine des Château Mouton-Rothschild als Kapitalanlage. Nur etwa 300.000 Flaschen des Erstweins werden dort jährlich abgefüllt.

Zwei bis drei Domänen im Burgund hätten ebenfalls eine gute Qualität, und die Weine seien gleichzeitig ausreichend knapp. Die kalifornischen Weine seien dagegen für Anleger nicht interessant. "Die Weinmenge ist zu hoch und sie haben keine Geschichte", erklärt Paulson. Vor allem aber würden sie mit zunehmendem Alter nicht in ausreichendem Maß besser. Und darauf komme es nun mal an. Mit diesen Eigenschaften können seiner Ansicht nach nur rund 30 Weine glänzen. Allein das treibt schon die Preise.

Man dürfe bei allem Big Business nicht vergessen, dass es in der Regel nur zwei bis drei Jahrgänge in einem Zeitraum von zehn Jahren gebe, die als Kapitalanlage überhaupt die notwendige Qualität hätten. Aber diese natürliche Knappheit des Gutes Wein mache auch den Reiz dieses Marktes aus.