Uran Strahlende Gewinne

Radioaktives Material hat niemand gern bei sich. Im Portfolio schon - weil die Kernenergie ein Revival erlebt und der Rohstoff knapp wird, schießen die Uranpreise hoch. Immer mehr Anleger wollen vom Nuklearboom profitieren.

Hamburg - Wer sich unter alternativen Investments Windräder, Fahrradmanufakturen und Biobauernhöfe vorstellt, dürfte von Robert Mitchell eines Besseren belehrt werden. Was der Manager des Hedgefonds Adit Capital Management ausgerechnet in der US-amerikanischen Ökohochburg Oregon sammelt, ist der Albtraum für jeden Umweltaktivisten. Rund 1000 Tonnen strahlendes Uranerz lagern in einem bleiverkleideten Gebäude.

"Alternativ" bedeutet allerdings nur, dass Vermögen anders als auf herkömmliche Weise - Aktien, Anleihen, Geldmarkt - angelegt wird. Und Uranerz ist alles andere als eine herkömmliche Geldanlage. Das Metall wird fast ausschließlich als Brennstoff für Kernkraftwerke oder militärisch verwendet. Obwohl es überall in der Welt vorkommt, ist die Zahl der Anbieter überschaubar, denn nur an wenigen Orten ist die Konzentration so hoch, dass sich der Abbau lohnt. Der Markt ist etwas für Insider - Uran wird an keiner Börse gehandelt.

Dass nun Fonds wie Adit private Uranlager aufbauen, liegt am allgemeinen Rohstoffboom und an der besonderen Entwicklung des Uranmarkts. Seit Jahren produzieren die Bergwerke weniger von dem Rohstoff, als die Betreiber von Kernkraftwerken benötigen. In diesem Jahr rechnet die World Nuclear Association (WNA) mit einem Bedarf der 438 nuklear betriebenen Kraftwerke von 67.000 Tonnen Uran. Die Jahresproduktion wird aber nur auf 50.000 Tonnen geschätzt.

Bislang behelfen sich die Energiekonzerne mit Reserven, die zum Teil aus dem russischen Atomwaffenarsenal stammen. Doch in wenigen Jahren werden diese Lager erschöpft sein. Gleichzeitig zeichnet sich eine wachsende Nachfrage ab, denn nach WNA-Angaben sind 22 neue Kernkraftwerke in Bau, 48 in Planung und 158 weitere vorgeschlagen. Der deutsche Atomausstieg fällt angesichts des weltweiten Energiehungers nicht ins Gewicht. Sogar die wachsende Sorge um den Klimawandel nutzt der Atomlobby, die ihre Kraftwerke als sauber präsentiert, weil sie kein klimaschädliches CO2 ausstoßen.

Im Dezember 2000 kostete ein britisches Pfund (454 Gramm) Uranoxid noch 7,10 Dollar. Inzwischen ist der Preis auf 85 Dollar gestiegen. Trotzdem zeigen die Investoren noch keine Anstalten, ihre in den vergangenen Jahren aufgebauten Lager wieder aufzulösen und Kasse zu machen. "Wenn die Nachfrage weiter so hoch bleibt, kann der Preis durchaus weiter steigen", sagt Rupert Stöger, Geschäftsführer des Münchener Analysehauses Performaxx. "Große Sprünge wie in der Vergangenheit erwarte ich allerdings nicht."

Die Preisschätzungen der Analysten für dieses Jahr bewegen sich zwischen 70 und 120 Dollar. Weil die Rohstoffpreise nur einen geringen Anteil an den Betriebskosten eines Kernkraftwerks haben und der Großteil des Urans mit langfristigen Lieferverträgen verkauft wird, wächst die Nachfrage unbeeindruckt von der Inflation. Der Preis wird vom knappen Angebot bestimmt - und die Finanzinvestoren sorgen mit ihren Lagerkäufen für noch größeren Uranmangel.

Anlage für Risikofreudige

Anlage für Risikofreudige

Uran werde 2007 die beste Performance aller Rohstoffe zeigen, schrieb die Rohstoffexpertin Patricia Mohr von der kanadischen Scotiabank in ihrem Jahresausblick. Inzwischen hat die Finanzbranche erkannt, dass sich mit solchen Nachrichten auch Privatanleger locken lassen. Mehrere neue Produkte sind in den vergangenen Monaten auf den Markt gekommen. Beispiele sind das Zertifikat UBS Uranium Basket , das Merrill Lynch Uran Zertifikat , ein Zertifikat der Société Générale auf den World Uranium Total Return Index (URAX)  und die Aktienanleihe Uranium Garant von Lehman Brothers.

Diese Angebote setzen in erster Linie auf die Aktien der größten Uranproduzenten wie Cameco  aus Kanada, des französischen Nuklearkonzerns Areva , der zum Bergbauriesen Rio Tinto  gehörenden Energy Resources of Australia  oder der WMC Resources, die zu BHP Billiton  gehört. "Diese Aktien sind aber sehr spekulativ, weil sie viel mit Zukunftsprojekten zu tun haben", warnt Analyst Stöger.

Das größte Zukunftsprojekt von Branchenführer Cameco erlitt im Oktober 2006 einen herben Rückschlag. Die Baustelle der Cigar Lake Mine in der kanadischen Provinz Saskatchewan lief nach einem Felseinsturz voll Wasser. Ob und wann das Bergwerk mit einer geplanten Jahresproduktion von gut 8000 Tonnen hochwertigen Urans in Betrieb gehen kann, steht noch nicht fest. Für Cameco und Partner Areva kostet der Ausfall Hunderte Millionen Dollar. Dem Rest der Branche brachte die Nachricht aber weiter steigende Preise.

Noch anfälliger für solche Unfälle sind kleinere Bergbaufirmen, die in Börsenbriefen und Anlegerforen als heiße Tipps gehandelt werden, weil deren Kurse noch nicht so stark gestiegen sind wie die der großen Konzerne. Auf einen anderen Teil des Markts setzt man mit der Aktie der US-Firma USEC , des einzigen börsennotierten Anbieters von angereichertem Uran. USEC ist Partner der US-Regierung im Abrüstungsprogramm "Megatonnen zu Megawatts", kauft also Nuklearsprengköpfe auf, um daraus Brennstoff zu machen.

Besonders exotische Investments sind die Aktien von Uranhändlern, die neuerdings ebenfalls an der Börse zu finden sind. Das Geschäft der kanadischen Uranium Participation , einer Tochter von Denison Mines , und der britischen Nufcor Uranium , die zu AngloGold Ashanti  gehört, ist der Kauf und Verkauf von Uran aus der Förderung ihrer Muttergesellschaften. Für die Konzerne kommen auf diese Weise Aktionäre als zusätzliche Abnehmer ihrer strahlenden Ware ins Spiel. Die Anleger haben dafür eine Möglichkeit, wenigstens indirekt eigene Uranlager anzulegen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.