Geldanlage Auf Steuer komm raus

Deutschlands Sparer sind geschockt: Seit der Gesetzgeber den Sparerfreibetrag halbiert hat, bringen manche ihrer Rentenfonds nur Minirenditen ein. Dabei bilden diese oft das Rückgrat des gesamten Depots. Steueroptimierte Fonds sollen das Problem nun lösen.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - So viel Entschlossenheit haben die Sparer der Bundesregierung nicht zugetraut. Mit einer einzigen Gesetzesnovelle strichen ihnen die Berliner Ministerialen jenes Steuergeschenk zusammen, das in der Vergangenheit selbst einfache Rentenfonds zu passablen Investments machen konnte: den Sparerfreibetrag. Denn der sicherte Anleger noch vor einigen Monaten das Recht, einen erklecklichen Teil ihrer Zinseinkünfte komplett für sich behalten zu dürfen. Doch seit dem ersten Januar dieses Jahres ist alles anders.

Anleger dürfen seitdem nur noch Kapitalerträge in Höhe von 801 Euro steuerfrei kassieren, Ehepaare das Doppelte. Die Zinsen oberhalb dieses Freibetrags muss der Sparer nun aber mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Und das hat erhebliche Folgen.

Plötzlich werden auch vergleichsweise kleine Vermögen steuerpflichtig. Schon wer etwa 20.000 Euro zu 4 Prozent Zinsen anlegt, rutscht über die Zinsfreigrenze und muss von seinen wenigen Kapitalerträgen auch noch Steuern zahlen.

20.000 Euro - das hört sich nur im ersten Moment viel an. Doch schon wer beispielsweise für ein Auto der Golf-Klasse spart, liegt schnell oberhalb der neuen Grenzen. Und die meisten deutschen Anleger, die Rücklagen für die private Altersvorsorge bilden, haben weit mehr Geld auf die hohe Kante gelegt. Nicht selten in herkömmlichen Rentenfonds, die oft zum vergleichsweise risikoarmen Vermögensaufbau genutzt werden.

Nach Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) haben Deutschlands Sparer dazu stolze 160 Milliarden Euro in Rentenfonds investiert. Und ausgerechnet die vielen hunderttausend Besitzer von Fondsanteilen dieser riesigen Anlageklasse sind von der Halbierung des Sparerfreibetrags besonders betroffen.

Denn herkömmliche Rentenfonds erwirtschaften ihre Erträge nahezu vollständig aus Zinsen, die dem Fonds zufließen. Nur ein geringer Teil der späteren Ausschüttung resultiert aus Kursgewinnen jener verzinsten Wertpapiere, die das Fondsmanagement in der Zwischenzeit ge- und verkauft hat. Deshalb müssen Rentenfondsanleger erfahrungsgemäß etwa 90 Prozent ihrer gesamten Fondserträge versteuern - sofern sie zusammen mit Erträgen anderer Geldanlagen den Steuerfreibetrag überschreiten.

Legales Steuerloch

Legales Steuerloch nutzen

"Nach der Halbierung des Steuerfreibetrags für Privatanleger bieten viele Fondsgesellschaften deshalb verstärkt steueroptimierte Rentenfonds an, mit denen Anleger dem Fiskus dennoch ein Schnippchen schlagen können", sagt Tobias Schmidt vom Fondsratinghaus Feri. Die Nachfrage danach ist gigantisch.

Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment beispielsweise hat so etwas im Angebot, unter dem Namen UniOpti4 . Deutsche Sparer haben allein im Januar rund eine Milliarde Euro in diesen steueroptimierten Rentenfonds gesteckt, der deshalb jetzt 4,3 Milliarden Euro schwer ist.

Nur wenige Investmentfonds in Deutschland erreichen solche Größen. Nur wenige bieten aber auch neben der vergleichsweise sicheren Geldanlage jene Steuersparmöglichkeiten, die seit dem Zusammenschmelzen des Sparerfreibetrags so heiß begehrt sind.

Denn die Manager dieser Spezialfonds versuchen, für ihre Kunden so geschickt Erträge zu erwirtschaften, dass die späteren Ausschüttungen an die Anleger nahezu vollständig am Fiskus vorbei auf die Konten der Sparer fließen dürfen - und das völlig legal.

Dazu versuchen die Fondsmanager in erster Linie, Kursgewinne aus dem Kauf- und Verkauf von Zinspapieren zu verbuchen. Denn diese sind nach Ablauf der noch gültigen zwölfmonatigen Spekulationsfrist steuerfrei. Dagegen würde sich das Finanzamt von den Zinsen der Wertpapiere einen erklecklichen Teil sichern, schließlich unterliegen die voll dem persönlichen Steuersatz der Anleger.

"Die Fondsmanager steueroptimierter Rentenfonds suchen deshalb nach niedrig verzinsten Anleihen mit hohem Kurspotenzial. Diese finden sich zum Beispiel in Japan. Durch Swaps, ein Tauschgeschäft von Verbindlichkeiten oder Forderungen, kann anschließend das Währungsrisiko abgesichert werden", sagt Lothar Antz, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters GIP International aus Luxemburg.

Der Trick kann sich lohnen. Wie stark, hat jetzt die Stiftung Warentest nachrechnen lassen.

Vorteil auf Zeit

Vorteil auf Zeit

Nach Meinung der "Finanztest"-Experten brachte es der Adireth-Fonds  der Investmentgesellschaft Cominvest (vormals: Adig) mit einem ähnlichen Konzept in den vergangenen fünf Jahren auf eine steuerfreie Rendite von jährlich 3,63 Prozent. Je nach Steuersatz strichen Investoren so mit ihrem Investment eine Nachsteuerrendite von 3,8 Prozent pro Jahr oder mehr ein. Und das kann sich durchaus sehen lassen.

Sparer mit einem persönlichen Steuersatz von 30 Prozent hätten aus einer konventionellen Geldanlage mit voll steuerpflichtigen Erträgen 5,5 Prozent Zinsen erwirtschaften müssen, um besser als mit einem Investment in den Adireth-Fonds dazustehen, rechneten die Experten vor. Und wer den deutschen Spitzensteuersatz berappen muss, hätte sogar eine Anlage finden müssen, die mehr als 6,8 Prozent Rendite bringt, um den Adireth-Nachsteuerertrag zu überbieten.

Doch nicht immer sind die Fondsmanager so erfolgreich wie in diesem Fall - und die Sparer mit ihren Steuersparinvestments entsprechend zufrieden. Anleger des Bund + S Finanz 1-3 TF  der Sparkassentochter Deka bekamen das bereits zu spüren.

Zwar wurden die Fonds in der Reklame als Steuersparfonds angepriesen. Doch das Geschäft lief aus dem Ruder, und die Steuerlast der Fondserträge fiel höher aus als angestrebt. Das kann passieren, wenn der Fonds anders als geplant hohe Zinserträge erwirtschaftet und zugleich Kursverluste macht. Dann knabbern die Steuern an der Substanz und schmälern das Fondsvermögen.

Doch selbst für Rentenfondsfans, die frühzeitig auf die derzeitigen Nachsteuer-Renditestars wie den Adireth-Fonds der Commerzbank-Fondstochter Cominvest gesetzt haben, wird die Steuersparlage bald kniffelig. Denn die Große Koalition will ab 2009 die sogenannte Abgeltungsteuer einführen. Ab dann werden genau jene Kursgewinne steuerpflichtig, die derzeit noch vom Fiskus verschont bleiben - und die etwa bei dem Cominvest-Fonds für Bares im Portemonnaie der Anleger sorgen.

Ab null Uhr in der Silvesternacht 2008/2009 müssen in Deutschland nämlich auch auf Kursgewinne und Zinsen 25 Prozent Abgeltungsteuer gezahlt werden. Inklusive Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer wird die tatsächliche Belastung sogar auf 28 bis 29 Prozent anschwellen.

Wer mit steueroptimierten Rentenfonds des aktuellen Typs noch Steuern sparen will, hat deshalb dazu immerhin noch 22 Monate Gelegenheit. Aber darauf, dass die Bundesregierung diese Regel noch kippt, sollten Anleger besser nicht spekulieren.

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