Jim Rogers Von Pfandflaschen zu Palladium

Jim Rogers gilt den Anlegern als Rohstoffpapst. Dabei hatte der Amerikaner seine Karriere ganz bescheiden mit dem Sammeln von Pfandflaschen begonnen. Gegenüber manager-magazin.de erklärt er, warum und wie sich auch jetzt noch vom Rohstoffboom profitieren lässt.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Die Geschichte mit dem Papiertütchen und dem weißen Pulver hat inzwischen schon fast legendären Charakter angenommen. Dabei wollte Jim Rogers den Anlegern nur eines ans Herz legen - auch mit den so genannten weichen Rohstoffe wie Soja, Orangensaft oder eben Zucker sei viel Geld zu verdienen. Und das tat er, indem er einigen ein solches Tütchen zusteckte.

Ein gelungener Marketing-Gag, sicher. Aber auch auch ein wahrer Hinweis. Denn seit 1998 legten Rohstoffe, allen voran Gold und Stahl, kräftig zu. Aber auch der Zuckerpreis steigt. Weil einige Länder den daraus gewonnenen Alkohol als Ersatztreibstoff für Benzin nutzen. James B. Rogers genannt Jim hat das früh erkannt - und Rogers ist nicht irgendein Investor. Er dürfte der bekannteste Rohstoffanleger dieser Tage sein. Mit entsprechend bekannten Kollegen. Immerhin verwaltete er den Quantumfonds gemeinsam mit Georg Soros und wurde damit so wohlhabend, dass er sich zurückzog. Mit 37 machte er sich selbstständig. "Hauptsächlich als Investor", auf diese Feststellung scheint er Wert zu legen.

Ein bisschen Unternehmer ist aber auch: Er schreibt Bücher und konstruiert Rohstoffindizes. "Den ersten Index habe ich 1998 aufgelegt. Seitdem ist er um 230 Prozent oder so gestiegen." Dazu kommen Kooperationen mit der Deutschen Bank , der australischen Bank Macquarie  und der irischen Diapason Commodity Management, die Rohstoffe aktiv verwaltet. Als sein neustes Unternehmen, er bedankt sich artig für die Frage, sieht er seine Tochter Augustina. "Sie wurde am 30. Mai 2003 geboren. Wir hoffen nach Asien ziehen zu können, damit sie Mandarin lernt."

Auch für sie hat er in Rohstoffe investiert. Überhaupt Rohstoffe; sie lassen ihn seit 37 Jahren nicht los. "Ich habe seitdem short und long investiert. In Rohstoffe, aber auch in alle anderen Assetklassen". Doch nur den Rohstoffen spürt er so öffentlichkeitswirksam hinterher. Zuerst per Motorrad, dann per Geländewagen fährt er um die Welt - eigentlich "des Abenteuers wegen. Klar habe ich auch investiert, wenn ich etwas Interessantes sah. Aber grundsätzlich liebe ich es, die Welt zu sehen und zu lernen."

Das Sehen und Lernen funktionierte in seinem Fall mit einem umgebauten Mercedes SLK, kanariengelb lackiert sowie einem Anhänger in der gleichen Farbe. Die oft kolportierte Legende will wissen, dass der bunte Vierradler selbst die Kriminellen der Welt irritierte. "Das Auto rettete uns das Leben. Die Menschen waren so perplex, dass sie vergaßen, uns zu überfallen."

"Die Welt aus erster Hand"

"Die Welt aus erster Hand"

Während andere Anleger erfolgreich vom Schreibtisch agieren, fühlte Rogers sich bei seinen Touren so wohl, dass er auf die Tour sogar seine damalige Verlobten und jetzige Frau Paige mitnahm. "Die Welt aus erster Hand zu sehen ist immer das Beste, egal welche Assetklasse man betrachtet." Den Rohstoffen scheint Rogers auch weiterhin noch einiges zuzutrauen. "Der Bullenmarkt kann noch für einige Jahre andauern, aber große Konsolidierungen wird es geben, wie in jedem Bullenmarkt."

Trotz dieser fast jungenhaften Begeisterung für die Rohstoffe ist Rogers weit davon entfernt, alles auf Rohstoffe zu setzen. "Der Schlüssel zum Investieren ist es, zur rechten Zeit in die richtigen Investments zu investieren. Für Rohstoffe war das 1998 der Fall." Andere hatten das nicht erkannt, winkten ab.

Aber die Anderen waren Rogers schon als Kind egal. Als kleiner Junge hatte er "in der Stadt meiner Großväter" - Demopolis in Alabama - leere Flaschen nach Sportveranstaltungen gesammelt. "Einfach weil kein anderer es machte, habe ich es versucht." Genau so eigenständig versuchte Rogers sein Glück schon früh mit Rohstoffen. Zumeist über Futures - es sei einfach bequemer, als die Rohstoffe physisch zu kaufen, zum Beispiel Silberbarren oder Goldmünzen. Und wem Futures zu kompliziert sind, der könnte auch mit Ländern wie Australien oder Kanada einiges anfangen. Die Erde dort birgt viele Rohstoffe. "Wenn alle anderen Faktoren gleich sind, werden diese Länder in den nächsten zehn Jahren besser performen als die ohne Rohstoffe."

Der Superzyklus der Rohstoffe - das oft zitierte Wort nutzt Rogers diesmal nicht. Überzeugt von der Anlageklasse scheint er dennoch weiterhin zu sein. Und grübelt wahrscheinlich schon über dem nächsten Marketing-Gag. Sei es ein buntes Fahrzeug oder ein Zuckertütchen.

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