Klimafonds Mit dem Klimawandel Geld verdienen

Der Klimawandel bewegt die Anlagebranche. Mehrere Themenfonds zur Erderwärmung werben um Anleger. Die neueste Investitionsidee sind Verschmutzungsrechte. Gute Gewinne mit gutem Gewissen?

Hamburg - Im Anfang Februar vorgestellten neuen Klimabericht der Uno steht der Klimawandel erstmals als unumstrittene Tatsache. Die möglichen Folgen klingen so dramatisch wie in den Katastrophenfantasien der Hollywood-Studios. Selbst wenn von heute an keine Treibhausgase wie CO2 mehr in die Luft geblasen würden, werde das Klima noch über Jahrhunderte hinweg wärmer, warnen die Experten.

Angesichts dieser Aussichten zu fragen, wie man mit dem Klimawandel Geld verdienen kann, mag zynisch erscheinen. Doch wenn die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten, allenfalls noch zu bremsen ist, wären Anleger schlecht beraten, sich nicht darauf einzustellen. Deshalb rief der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern im vergangenen Oktober mit seinem Klimafolgenbericht für die britische Regierung eine neue Anlageklasse ins Leben. "Stern-Aktien" heißen an der Londoner Börse seither Wertpapiere von Unternehmen, die als Gewinner des Klimawandels gelten.

Climate Exchange  gehört sicher dazu. Aktien des Betreibers der größten Börsen für CO2-Emissionsrechte in Amsterdam und Chicago haben der Investmentbank Goldman Sachs  bereits ein Millionengeschäft beschert. Von Ende September bis Anfang Februar vervierfachte sich ihr Wert auf 1255 britische Pfund - stürzte danach allerdings innerhalb einer Woche um 42 Prozent ab. Für Privatanleger ist das Geschäft riskant.

Streuen lässt sich das Risiko mit Fonds. Inzwischen hat die Branche die bereits etablierten Nachhaltigkeitsfonds um eine neue Nische ergänzt. In den vergangenen Monaten sind gleich mehrere neue Produkte auf den Markt gekommen, die ihren Fokus auf den Klimawandel legen. Im Dezember legte die Schweizer Bank Julius Bär das Indexzertifikat "Climate Change Basket" auf. Im Januar zog die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit ihrem Fonds "Global Warming Strategie"  nach. In dieser Woche lanciert Swisscanto in Luxemburg den "Equity Fund Climate Invest" . Die Fortis-Tochter Versiko, die mit "Ökovision"  einen der ersten und strengsten Ökofonds vermarktet, plant für institutionelle Anleger auch einen "Öko World Klima".

Sintflut im Depot

Sintflut im Depot

Das Thema dieser Fonds ist klar. Weniger klar ist allerdings, mit welcher Aktienauswahl sich das Thema Klimawandel und eine gute Rendite verbinden lassen. Erneuerbare Energien gelten zwar als Hoffnungsträger. Einerseits, weil die Politik auf Strom aus Wasser, Wind und Sonne setzt, um den Klimawandel zu bremsen. Andererseits, weil die Besitzer erneuerbarer Energiequellen in Zukunft, wenn fossile Brennstoffe teurer werden, billig an das knappe Gut Strom kommen.

Doch wer sich davon Auftrieb fürs Depot verspricht, könnte zu spät kommen. Die Windkraftbranche hat die größten Wachstumsraten wohl schon hinter sich. Aktien von Solarkraftfirmen, denen der nächste große Boom zugetraut wird, sind auch nicht mehr billig. Außerdem gibt es bereits genügend Themenfonds, die sich auf erneuerbare Energien spezialisiert haben.

Die neuen Klimafonds dagegen setzen auf einen Branchenmix, um das Risiko breiter zu streuen. Allerdings finden sich dafür neben den Wind- und Sonne-Stars Repower , Gamesa  oder Q-Cells  auch Unternehmen im Portfolio, denen das Ökoetikett nicht so deutlich anhaftet. Die Fondsmanager versuchen einzelne Unternehmen und Branchen herauszufinden, die besser auf den Klimawandel vorbereitet sind als andere. Die LBBW etwa setzt auf den Baukonzern Hochtief , Julius Bär auf Toyota  oder Emerson Electric , einen Hersteller von Klimaanlagen.

Doch wenn so große Firmen den Kriterien eines solchen Fonds genügen, ist dem Klimaschutz womöglich mehr geholfen als mit Investitionen in 100-prozentig saubere Nischenprodukte. Dieses Ziel verfolgt das Carbon Disclosure Project, eine Initiative von Investoren, die Unternehmen auffordern, ihr Handeln zum Klimawandel offenzulegen. Ihnen geht es weniger um ökologische Correctness als darum, Investitionsrisiken zu verringern.

Den jüngsten Brief an 2400 Unternehmen weltweit haben 280 Vermögensverwalter unterschrieben, mit der Macht von 41 Milliarden Dollar im Rücken. Die versteckte Drohung lautet, die Investoren könnten ihr Geld abziehen. "Der Finanzmarkt hat eine wesentliche Aufgabe, adäquates Handeln der Unternehmen zu unterstützen", sagt Kirein Franck vom Hannoveraner Institut für Markt, Umwelt und Gesellschaft. Allerdings wundere er sich selbst über die Zusammensetzung manches Fonds. "Man muss sich die Anlagekriterien genau ansehen."

Gewinn von der Müllkippe

Gewinn von der Müllkippe

Einen ganz neuen Ansatz verfolgt die Hamburger Gesellschaft Aquila Capital. Die Währung ihres geschlossenen Fonds "Klimaschutz Invest", der bis Ende März gezeichnet werden kann, sind nicht Aktien sondern CO2-Emissionsrechte. Die Fondsmanager finanzieren Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern und sorgen dafür, dass sie von der Uno anerkannt werden. Für den dort eingesparten Ausstoß klimaschädlicher Gase gibt es Zertifikate. Die verkauft der Fonds in Europa weiter an Verschmutzer, die mit den vom Staat gewährten Emissionsrechten nicht auskommen.

"Wir nutzen die Preisdifferenz zwischen Europa und den Schwellenländern", sagt Dieter Rentsch, Geschäftsführer von Aquila Capital. Dabei nutzt Aquila die Expertise von 3C, einer der führenden Gesellschaften im Handel mit Klimaschutzzertifikaten. Rentsch setzt darauf, Müllkippen beispielsweise in Indien zu versiegeln. Dadurch entweicht weniger Methan. Weil dieses Gas weitaus klimaschädlicher ist als CO2, ist eine Tonne Methan im Emissionshandel so viel wert wie 21 Tonnen CO2.

Das Recht, eine Tonne CO2 in die Luft zu blasen, ist im europäischen Emissionshandel derzeit zwar zum Dumpingpreis von rund einem Euro zu haben. Das liegt aber daran, dass die meisten Firmen noch Emissionsrechte im Überfluss besitzen. 2008 soll eine neue Phase des europäischen Emissionshandels beginnen, in der das Recht auf Schmutz immer stärker begrenzt wird. Futures auf Emissionsrechte in dieser Phase notieren bei rund 15 bis 20 Euro.

Die Deutsche Bank prognostiziert einen Anstieg auf 25 Euro. "Das ist keine überaus optimistische Erwartung", sagt Rentsch. Doch die Investition in seinen Fonds lohne sich auch, wenn die Preise auf dem jetzigen Niveau blieben. Für diesen Fall verspricht Aquila Capital eine durchschnittliche Jahresrendite von 15,2 Prozent - vorausgesetzt, die Anleger bleiben bis 2012 im Boot. Dann laufen das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz und damit auch die Regeln zum europäischen Emissionshandel aus, und auf diesen Zeitraum ist auch die Laufzeit des Fonds angelegt. Der Großteil der Erträge soll gegen Ende der Laufzeit ausgeschüttet werden.

Die Nachfrage großer Verschmutzer wie RWE  oder Eon  nach importierten Emissionsrechten ist begrenzt. "Die Großen machen das ohne Zwischenhändler", gesteht Rentsch. "Aber auch Stadtwerke oder Zementhersteller sind verpflichtet, ihre Emissionen zu reduzieren." Dass sie diese Pflicht nach Indien oder Brasilien auslagern, ist politisch durchaus gewollt. Mit Hilfe des ökonomischen Anreizes soll Umwelttechnik ihren Weg um den Globus finden. "Clean Development Mechanism" nennt sich das Verfahren im Kyoto-Protokoll.

Dieses Geschäft ist Privatanlegern bislang nicht zugänglich, wird aber von staatlichen Stellen, etwa über die Weltbank, schon ausgiebig betrieben. Auch Investmentbanken wie Morgan Stanley  wittern Milliardengewinne. "Wir sind die Ersten, die das mit einem Publikumsfonds machen", sagt Rentsch. "Aber wir werden Nachahmer finden."

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