Samstag, 7. Dezember 2019

Steuerschlupfloch Der große Clou

Deutsche Millionenanleger haben ab heute die Chance, dem Fiskus in Deutschland ein kräftiges Schnippchen zu schlagen. Die Regierung in Luxemburg macht's möglich - mit einer Gesetzesänderung für Investmentfonds. Die ersten Banken hierzulande stehen schon parat, um dem Geldadel den Weg nach Luxemburg zu ebnen.

Düsseldorf - Das ist eine schlechte Woche für Deutschlands Steuerbehörden. Luxemburgs Regierung um Premierminister Jean-Claude Juncker hat mit einer kleinen Änderung der dortigen Finanzgesetze ein gewaltiges Steuerschlupfloch in Deutschland geschaffen.

Bundesministerium der Finanzen: Nachbarländer eröffnen Bundesbürgern neue Möglichkeiten zur Steuerflucht
Bundesministerium der Finanzen
Bundesministerium der Finanzen: Nachbarländer eröffnen Bundesbürgern neue Möglichkeiten zur Steuerflucht
Junckers Beamte haben das sogenannte Spezialfonds-Gesetz überarbeitet, das von 1991 an exklusiv für professionelle Fondsanleger günstige Anlagemöglichkeiten vorsah - bis vorgestern. Seitdem haben auch Privatinvestoren die Möglichkeit, von jenen attraktiven Steuervorteilen der Großanleger zu profitieren. Welche das sind, haben die Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers bereits im Dezember vergangenen Jahres einem erlauchten Zuhörerkreis bei einem "Executive Lunch" präsentiert.

Ab sofort kann jedermann in Luxemburg seinen persönlichen Investmentfonds betreiben; das Gesetz über Spezialfonds, das manager-magazin.de vorliegt, sieht ausdrücklich vor, dass selbst Ein-Anleger-Fonds zulässig sind. Und das macht sich in barer Münze bemerkbar.

Wer seine Wertpapiergeschäfte ab jetzt nicht mehr über sein privates Depotkonto abwickelt, sondern über seinen Luxemburger Investmentfonds, spart schließlich jede Menge Steuern. Denn alle zwischenzeitlich auflaufenden Gewinne aus dem Wertpapierkauf und -verkauf bleiben für solche Fondsanleger lange Zeit steuerfrei.

Das ist ein gewaltiger Renditevorteil. Denn während alle Anleger in Deutschland ab Januar 2009 von jedem realisierten Gewinn ihrer Aktien-, Fonds- oder Zertifikategeschäfte stolze 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen müssen, behalten Luxemburger Privatfondsinvestoren den gesamten Ertrag für sich - bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Erträge aus ihrem Fonds auf ihr Girokonto in Deutschland überweisen.

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