Donnerstag, 14. November 2019

Abgeltungsteuer Die Krisengewinnler

Die Abgeltungsteuer kommt und greift 25 Prozent der Kapitalerträge der Sparer ab. Pauschal. Und nur wenige Anlageformen sind davon ausgenommen. manager-magazin.de erläutert, welche das aktuell sind.

Hamburg - Böse Zungen behaupten, man könne dem Deutschen alles verkaufen - sofern er dabei Steuern sparen kann. Mag das der allgemeinen Zukunftsangst geschuldet sein oder der Freude, dem allmächtigen Fiskus ein Schnippchen schlagen zu wollen, nicht umsonst war die Lebensversicherung lange das beliebteste Investment in Deutschland. Denn deren Erträge waren noch bis 2005 steuerfrei. Kurz vorher aber sammelte die Assekuranz noch einmal alle Kräfte und verkaufte so viele Lebensversicherungen wie nie.

 Schlussspurt: Wer profitiert von der Abgeltungsteuer?
DPA
Schlussspurt: Wer profitiert von der Abgeltungsteuer?
Eine Art Torschlusspanik könnte nun auch anderen Anlageformen blühen. Denn die Abgeltungsteuer will vor allem die Dividenden und Wertsteigerungen pauschal abgelten. Mit anderen Worten: Egal, aus welcher Quelle die Erträge eines Wertpapiers stammen, sie sollen versteuert werden. Ärgerlich für Produkte, die vor allem von Dividenden und Wertsteigerungen profitieren. Denn gerade Letztere waren bislang steuerfrei, sofern zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr lag.

"Aktienlastige Fonds werden künftig stärker belastet als bisher, weil Veräußerungsgewinne unabhängig von der Haltedauer erfasst sein werden", sagt dann auch Rupert Klar, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei der Münchener Kanzlei Sibeth. "Reine Aktienfonds dürften daher zurückgehen und künftig häufiger thesaurierend ausgerichtet werden. Außerdem werden diese Fonds künftig vermutlich stärker auf Dividendentitel ausgerichtet werden, da ja Veräußerungsgewinne nun gleichfalls belastet werden sollen."

Auf das Geschäft mit den Aktienfonds fokussierte Fondsgesellschaften wie Fidelity dürfte das vor einige Probleme stellen. "Das ist eine Angelegenheit, die die Fondsgesellschaften nicht individuell ausfechten, sondern über den Branchenverband BVI", sagt Sinan Temelli, Sprecher der Fondsgesellschaft Fidelity. Bei der Union Investment will man abwarten, was der Referentenentwurf tatsächlich bringt.

Andere sind da eher entspannt - oder geben sich zumindest so. "Wir werden bis dahin wahrscheinlich viele kurzfristig orientierte Produkte sehen, die nur bis Ende 2008 laufen. So können die Kursgewinne noch unversteuert mitgenommen werden. Dann wird es wieder 'business as usual' geben", heißt es aus Branchenkreisen.

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