Abgeltungsteuer Die Krisengewinnler

Die Abgeltungsteuer kommt und greift 25 Prozent der Kapitalerträge der Sparer ab. Pauschal. Und nur wenige Anlageformen sind davon ausgenommen. manager-magazin.de erläutert, welche das aktuell sind.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Böse Zungen behaupten, man könne dem Deutschen alles verkaufen - sofern er dabei Steuern sparen kann. Mag das der allgemeinen Zukunftsangst geschuldet sein oder der Freude, dem allmächtigen Fiskus ein Schnippchen schlagen zu wollen, nicht umsonst war die Lebensversicherung lange das beliebteste Investment in Deutschland. Denn deren Erträge waren noch bis 2005 steuerfrei. Kurz vorher aber sammelte die Assekuranz noch einmal alle Kräfte und verkaufte so viele Lebensversicherungen wie nie.

Eine Art Torschlusspanik könnte nun auch anderen Anlageformen blühen. Denn die Abgeltungsteuer will vor allem die Dividenden und Wertsteigerungen pauschal abgelten. Mit anderen Worten: Egal, aus welcher Quelle die Erträge eines Wertpapiers stammen, sie sollen versteuert werden. Ärgerlich für Produkte, die vor allem von Dividenden und Wertsteigerungen profitieren. Denn gerade Letztere waren bislang steuerfrei, sofern zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr lag.

"Aktienlastige Fonds werden künftig stärker belastet als bisher, weil Veräußerungsgewinne unabhängig von der Haltedauer erfasst sein werden", sagt dann auch Rupert Klar, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei der Münchener Kanzlei Sibeth. "Reine Aktienfonds dürften daher zurückgehen und künftig häufiger thesaurierend ausgerichtet werden. Außerdem werden diese Fonds künftig vermutlich stärker auf Dividendentitel ausgerichtet werden, da ja Veräußerungsgewinne nun gleichfalls belastet werden sollen."

Auf das Geschäft mit den Aktienfonds fokussierte Fondsgesellschaften wie Fidelity dürfte das vor einige Probleme stellen. "Das ist eine Angelegenheit, die die Fondsgesellschaften nicht individuell ausfechten, sondern über den Branchenverband BVI", sagt Sinan Temelli, Sprecher der Fondsgesellschaft Fidelity. Bei der Union Investment will man abwarten, was der Referentenentwurf tatsächlich bringt.

Andere sind da eher entspannt - oder geben sich zumindest so. "Wir werden bis dahin wahrscheinlich viele kurzfristig orientierte Produkte sehen, die nur bis Ende 2008 laufen. So können die Kursgewinne noch unversteuert mitgenommen werden. Dann wird es wieder 'business as usual' geben", heißt es aus Branchenkreisen.

Gewinner und Verlierer

Gewinner und Verlierer

Schon jetzt dürfte allerdings klar sein, dass Anleiheeigner künftig besser dran sein werden. Denn sie erhalten ja keine Dividende. "Fonds mit festverzinslichen Wertpapieren werden eher profitieren, weil diese nicht mehr mit dem persönlichen Steuersatz von gegebenenfalls über 40 Prozent, sondern der Abgeltungsteuer von rund 28,5 Prozent belastet sein werden - inklusive Soli und Kirchensteuer", erklärt Klar.

Eine Möglichkeit, mit der neuen Situation zurande zu kommen, sind seiner Meinung nach Zielfonds. Sie sind individuell auf das Lebensalter und die Bedürfnisse des Anlegers abgestimmt. "Das hat neben dem Zinsvorteil den Vorteil, dass Einkünfte in die Lebensphase verlegt werden, in der die Erwerbseinkünfte zurückgehen."

Noch besser stehen die Immobilienfonds da. Sie sollen, so der Stand der Diskussion, von der Abgeltungssteuer verschont bleiben. Allerdings waren die Renditen dieser Anlageklasse bislang auch eher gering. Auch Immobilien selbst sind in den Eckpunkten zur Abgeltungsteuer von der neuen Abgabe ausgenommen.

Bis Ende 2008 wird es bei einer Art Abschlussrally bleiben. Viele Anleger dürften die Galgenfrist nutzen und so viele Aktien wie irgend möglich für das Portfolio kaufen. 2007 noch Geld anlegen und Steuern sparen - eine verführerische Kombination. Aber auch eine Kombination, die viele Anleger in den Ruin getrieben hat. Ostimmobilien sollten per Kredit finanziert werden und sich allein durch die Mieten tragen. Doch die blieben aus. Und die Anleger auf ihren Kosten sitzen. Es sollte Mahnung genug sein, nicht blindlings auf eine Anlageklasse zu setzen - aus steuerlichen Gründen.