Fondskosten Der Eiszeiteffekt

Wer Vermögen aufbauen will, kommt an Investmentfonds kaum vorbei. Und damit auch nicht an deren Gebühren. Doch diese steigen stetig. manager-magazin.de sagt Anlegern, worauf Sie achten müssen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Manche Umwälzungen geschehen in aller Öffentlichkeit, quasi mit einem Knalleffekt. Andere wiederum lassen sich Zeit und wälzen sich gletschergleich voran. Langsam, aber unaufhaltsam. Die Kostenbelastung bei den Investmentfonds scheint so ein Fall zu sein. Denn seit geraumer Zeit steigt die Kostenbelastung der Anleger langsam aber stetig. Dabei beginnt so eine Entwicklung ganz harmlos.

Nämlich mit dem Einstieg in den Fonds und der dann fälligen Eintrittsgebühr, dem Ausgabeaufschlag. Der schwingt bei Aktienfonds in Deutschland um die 5 Prozent, bei Anleihenfonds sind es gut 3 Prozent. Freilich, es geht auch billiger. Wer zu den sogenannten No-Load-Fonds greift, bekommt den Eintritt fast geschenkt. Denn bei diesen wird kein Ausgabeaufschlag fällig. Dafür aber greifen die Fondsanbieter an anderer Stelle zu. Immerhin, überrascht muss sich von dieser Gebühr niemand zeigen - sie wird in den Datenblättern (Factsheets) und Prospekten klar ausgewiesen.

Auch die Höhe der Verwaltungsgebühr führen die Fondsgesellschaften treulich auf. Dieser Obolus wird jährlich fällig und liegt bei 0,5 bis 1,5 Prozent, je nach Art des Fonds. Aktienfonds sind etwas teurer, Rentenfonds etwas billiger. Halb so schlimm, möchte man meinen - und läge völlig falsch. Denn Fonds sind grundsätzlich ein langfristig orientiertes Investment. Zehn Jahre sollte beispielsweise ein Aktienfonds schon im Depot ruhen. Zehn Jahre also, in denen stetig 1,5 Prozent an die Fondsgesellschaft fließen. In der Summe ist das eine ganze Menge. Der Ausgabeaufschlag wirkt da im Vergleich wie ein Schnäppchen.

Zumal die Verwaltungsgebühren tendenziell steigen. Das belegt eine aktuelle Berechnung von Lipper Fitzrovia, einer auf die Kostenberechnung spezialisierten Agentur auf England. Lagen sie 2001 für einen global anlegenden und aktiv verwalteten Aktienfonds noch bei 1,21 Prozent im Schnitt, waren es 2006 bereits 1,39 Prozent. Damit befindet sich diese Gebühr in guter Gesellschaft. Denn auch die sonstigen Kosten des Fondsinvestments steigen.

Spurensuche im Prospekt

Spurensuche im Prospekt

Und die sind auf den ersten Blick nicht so einfach zu erkennen. Die Gesellschaften müssen zum Beispiel die Fondsprospekte einzeln vom Wirtschaftsprüfer absegnen lassen. Das kostet Geld. Und zwar das des Anlegers. Denn die Kosten werden dem Fonds und damit dem Anleger angelastet. Auf 61.238,15 Euro beliefen sich die Prüfungs- und Veröffentlichungspflichten zum Beispiel bei dem europäischen Aktienfonds AriDeka im Jahr 2005, so der Jahresbericht. Beim First Private Euro Aktien Staufer lag die Summe bei 36.787,69 Euro, nur knapp der Hälfte. Ein Schnäppchen?

Keineswegs - denn zwar ist die Gebühr um knapp die Hälfte niedriger, doch der Staufer-Fonds bündelt grob nur ein Fünfzigstel des Volumens des 4,9-Milliarden-Euro-Fonds AriDeka. Je kleiner also ein Fonds ist, umso schwerer fallen solche Gebühren ins Gewicht. Das ist auch der Grund, warum Investmentprofis vom Kauf eines zu kleinen Fonds abraten. Unterhalb eines Volumens von 20 Millionen Euro sind die Kosten gemeinhin zu drückend, lasten auf der Wertentwicklung.

Verteuernd hinzukommen zum Beispiel Positionen wie die Werbung. Jede dieser Positionen muss aus dem Rechenschaftsbericht herausgesucht werden - als absolute Zahl, die dem Anleger zumindest auf den ersten Blick wenig verrät. Einfacher macht es da die Total Expense Ratio (TER). Diese Kennzahl bündelt die Kosten als Gesamtausgaben in einem Prozentsatz; sie wird inzwischen von den meisten Fondsgesellschaften ausgewiesen.

Und auch die TER-Kennzahl steigt stetig, hat Lipper Fitzrovia ausgerechnet. 2001 bezahlte Investoren für einen global anlegenden und aktiv verwalteten Aktienfonds eine TER von 1,89 Prozent. 2006 lag die Kennzahl bei 2,06. Die Transaktionskosten sind dabei noch nicht einmal eingerechnet; jene Kosten also, die durch den An- und Verkauf von Aktien zum Beispiel anfallen. Allerdings scheinen die Gesellschaften davor zurückzuscheuen, bestimmte Grenzen zu überschreiten.

Immerhin sitzt der Fondsbranche die Zertifikateindustrie im Nacken. Und deren Produkte wirken auf den ersten Blick sehr viel günstiger. So viel Konkurrenzdruck sorgt für Sensibilität gegenüber Gebührenerhöhungen. Kein Wunder also, wenn, statt die Verwaltungsgebühren zu erhöhen, einfach neue Formen des Managerentgelts eingeführt werden. Wie die Performance-Gebühren. Das sind erfolgsabhängige Entgelte. Sie werden, wie der Name nahelegt, nur im Erfolgsfall fällig.

So weit, so klar. Doch den Erfolg definiert jede Gesellschaft anders. Bei der DWS zum Beispiel gibt es keine einheitliche Version, "das kommt auf den einzelnen Fonds an", heißt es. Immerhin bei gut jedem dritten Fonds fällt die Gebühr inzwischen an, sagt Sprecherin Anke Hallmann. Bei Union Investment bergen 62 der 304 Publikumsfonds eine solche Gebühr. Die Fondsboutique First Private ihrerseits kann für ihren Staufer-Fonds eine solche Gebühr verlangen, wie es im Factsheet heißt. Und zwar in Höhe von 15 Prozent jenes Wertzuwachses, um den das Management die Entwicklung des DJ EuroStoxx 50 übertrifft.

Blackbox Performancefee

Blackbox Performancefee

Die Betonung liegt auf dem Wörtchen kann - auf dem Factsheet selbst findet sich nur der dürre Hinweis darauf, dass neben der Verwaltungsgebühr weitere Kosten anfallen können. Seit Frühjahr vergangenen Jahres wird die Gebühr allerdings tatsächlich erhoben. Ärgerlich nur, dass das Management eine Minderperformance des Vorjahres nicht wieder aufholen muss. Arbeitete das Management 2005 also so schlecht, dass der Fonds hinter dem Index herhinkte, vielleicht sogar Geld verlöre, 2006 aber ein glücklicheres Händchen bewiese - die Gebühr würde fällig werden.

Das zeigt das Kernproblem der Performance-Gebühr. Grundsätzlich ist es sicherlich berechtigt, dass das Management für eine besondere Leistung besonders entlohnt wird. Doch eine Durchschnittsleistung besonders zu entlohnen, das passt nicht zum Gedanken des Leistungsentgelts. "Ist es ein ganz normaler Fonds, der mir zum Beispiel den Dax abdeckt, ist das Thema Performancefee vollkommen deplaziert. Zumal es keinen gibt, der darauf direkt hinweist", meint auch der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber von VMZ. "Habe ich aber einen ausgezeichneten Fondsmanager oder auch ein hochinteressantes Marktsegment, dann bin ich gern bereit und sollte auch der Anleger bereit sein, dafür mehr zu entrichten, als in klassisch oder auch langweilig investierende Fonds."

Gleichviel, hilfreich ist es da nicht, wenn die Gesellschaften einen eigenen Jargon entwickeln. Bei der UBS hat sich zum Beispiel der Begriff "All-in-fee" durchgesetzt. Bei der DWS spricht man von der "Gesamtkostenpauschale". Doch die muss nicht deckungsgleich mit der TER sein. Denn darin stecken eben noch eventuelle Performancegebühren. In solchen Fällen ist die TER dann höher. Oder die TER ist niedriger - obwohl das rechnerisch ja eigentlich kaum möglich ist. Auf Nachfrage heißt es dann, das könne bei Dachfonds vorkommen, wenn dessen Management mehr Fonds aus den eigenen Reihen kauft. Und deren Gebühren darf es dem Kunden nicht in Rechnung stellen, so will es das Gesetz. Eventuell zu viel gezahlte Gebühren fließen dann wieder dem Fondsvermögen zu.

Freilich, gute Gründe lassen sich für die auf breiter Front steigenden Gebühren schon finden. Da ist der stetig steigende Wettbewerb. Immer wieder kommen neue Gesellschaften nach Deutschland, was wiederum die alteingesessenen dazu zwingt, stärker Flagge zu zeigen, zum Beispiel durch Werbung. Auch der Vertrieb will einen immer größeren Teil des Kuchens.

Der Ausgabeaufschlag zum Beispiel landet fast schon traditionell in den Taschen der Vertriebler und auch von der Verwaltungsgebühr sind es inzwischen oft schon 90 Prozent, die der Vertrieb erhält. Der Fondsgesellschaft selbst bleibt da nicht mehr viel, um ihre Kosten zu decken und Geld zu verdienen. Der zerklüftete Markt in Europa macht die Position der Unternehmen nicht einfacher. Denn während die USA ein einheitliches Rechtssystem haben, gibt es allen EU-Bemühungen zum Trotz unterschiedliche Regelungen, die die Gesellschaften dazu zwingen, ein Produkt in den EU-Ländern jeweils in verschiedenen Versionen aufzulegen.

Entsprechend bündeln die europäischen Fonds weitaus weniger Anlegergelder als ihre US-Konkurrenten. Nur ein Fünftel so groß sind die hiesigen Produkte im Überseevergleich. Nicht nur eventuell ein Problem für das Ego der Manager - europäische Fonds leiden damit weitaus mehr unter den Kosten. Während allein die Verwaltungsgebühren in Deutschland zwischen 1,3 und 1,7 Prozent liegen, sind es in den USA zwischen 1,2 und 1,4 Prozent. Dass die Gesellschaften sich damit dennoch selbst schaden, liegt auf der Hand. Fidelity zum Beispiel hatte im September 2005 die Verwaltungsgebühren für ihren UK Moneybuilder von 0,7 auf 0,3 Prozent gesenkt. Mit der Folge, dass statt einer Million Euro pro Monat nun zehn Millionen Euro einflossen.

Solange die EU also den Markt nicht eindeutig vereinheitlicht, dürften keine Kostensenkungen zu erwarten sein. Zwar gibt es Bemühungen, mehr Transparenz zu schaffen und mittelfristig auch einen einheitlichen europäischen Fondsmarkt, doch bis dahin werden sich Anleger mit den Gebühren anfreunden müssen. Und einige Geduld mitbringen müssen - denn auch die EU bewegt sich langsam wie ein Gletscher.

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