Montag, 22. Juli 2019

Fondskosten Der Eiszeiteffekt

3. Teil: Blackbox Performancefee

Blackbox Performancefee

Die Betonung liegt auf dem Wörtchen kann - auf dem Factsheet selbst findet sich nur der dürre Hinweis darauf, dass neben der Verwaltungsgebühr weitere Kosten anfallen können. Seit Frühjahr vergangenen Jahres wird die Gebühr allerdings tatsächlich erhoben. Ärgerlich nur, dass das Management eine Minderperformance des Vorjahres nicht wieder aufholen muss. Arbeitete das Management 2005 also so schlecht, dass der Fonds hinter dem Index herhinkte, vielleicht sogar Geld verlöre, 2006 aber ein glücklicheres Händchen bewiese - die Gebühr würde fällig werden.

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NASA Wallops/Sonntag
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Das zeigt das Kernproblem der Performance-Gebühr. Grundsätzlich ist es sicherlich berechtigt, dass das Management für eine besondere Leistung besonders entlohnt wird. Doch eine Durchschnittsleistung besonders zu entlohnen, das passt nicht zum Gedanken des Leistungsentgelts. "Ist es ein ganz normaler Fonds, der mir zum Beispiel den Dax abdeckt, ist das Thema Performancefee vollkommen deplaziert. Zumal es keinen gibt, der darauf direkt hinweist", meint auch der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber von VMZ. "Habe ich aber einen ausgezeichneten Fondsmanager oder auch ein hochinteressantes Marktsegment, dann bin ich gern bereit und sollte auch der Anleger bereit sein, dafür mehr zu entrichten, als in klassisch oder auch langweilig investierende Fonds."

Gleichviel, hilfreich ist es da nicht, wenn die Gesellschaften einen eigenen Jargon entwickeln. Bei der UBS hat sich zum Beispiel der Begriff "All-in-fee" durchgesetzt. Bei der DWS spricht man von der "Gesamtkostenpauschale". Doch die muss nicht deckungsgleich mit der TER sein. Denn darin stecken eben noch eventuelle Performancegebühren. In solchen Fällen ist die TER dann höher. Oder die TER ist niedriger - obwohl das rechnerisch ja eigentlich kaum möglich ist. Auf Nachfrage heißt es dann, das könne bei Dachfonds vorkommen, wenn dessen Management mehr Fonds aus den eigenen Reihen kauft. Und deren Gebühren darf es dem Kunden nicht in Rechnung stellen, so will es das Gesetz. Eventuell zu viel gezahlte Gebühren fließen dann wieder dem Fondsvermögen zu.

Freilich, gute Gründe lassen sich für die auf breiter Front steigenden Gebühren schon finden. Da ist der stetig steigende Wettbewerb. Immer wieder kommen neue Gesellschaften nach Deutschland, was wiederum die alteingesessenen dazu zwingt, stärker Flagge zu zeigen, zum Beispiel durch Werbung. Auch der Vertrieb will einen immer größeren Teil des Kuchens.

Der Ausgabeaufschlag zum Beispiel landet fast schon traditionell in den Taschen der Vertriebler und auch von der Verwaltungsgebühr sind es inzwischen oft schon 90 Prozent, die der Vertrieb erhält. Der Fondsgesellschaft selbst bleibt da nicht mehr viel, um ihre Kosten zu decken und Geld zu verdienen. Der zerklüftete Markt in Europa macht die Position der Unternehmen nicht einfacher. Denn während die USA ein einheitliches Rechtssystem haben, gibt es allen EU-Bemühungen zum Trotz unterschiedliche Regelungen, die die Gesellschaften dazu zwingen, ein Produkt in den EU-Ländern jeweils in verschiedenen Versionen aufzulegen.

Entsprechend bündeln die europäischen Fonds weitaus weniger Anlegergelder als ihre US-Konkurrenten. Nur ein Fünftel so groß sind die hiesigen Produkte im Überseevergleich. Nicht nur eventuell ein Problem für das Ego der Manager - europäische Fonds leiden damit weitaus mehr unter den Kosten. Während allein die Verwaltungsgebühren in Deutschland zwischen 1,3 und 1,7 Prozent liegen, sind es in den USA zwischen 1,2 und 1,4 Prozent. Dass die Gesellschaften sich damit dennoch selbst schaden, liegt auf der Hand. Fidelity zum Beispiel hatte im September 2005 die Verwaltungsgebühren für ihren UK Moneybuilder von 0,7 auf 0,3 Prozent gesenkt. Mit der Folge, dass statt einer Million Euro pro Monat nun zehn Millionen Euro einflossen.

Solange die EU also den Markt nicht eindeutig vereinheitlicht, dürften keine Kostensenkungen zu erwarten sein. Zwar gibt es Bemühungen, mehr Transparenz zu schaffen und mittelfristig auch einen einheitlichen europäischen Fondsmarkt, doch bis dahin werden sich Anleger mit den Gebühren anfreunden müssen. Und einige Geduld mitbringen müssen - denn auch die EU bewegt sich langsam wie ein Gletscher.

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