Donnerstag, 14. November 2019

Fondskosten Der Eiszeiteffekt

2. Teil: Spurensuche im Prospekt

Spurensuche im Prospekt

Und die sind auf den ersten Blick nicht so einfach zu erkennen. Die Gesellschaften müssen zum Beispiel die Fondsprospekte einzeln vom Wirtschaftsprüfer absegnen lassen. Das kostet Geld. Und zwar das des Anlegers. Denn die Kosten werden dem Fonds und damit dem Anleger angelastet. Auf 61.238,15 Euro beliefen sich die Prüfungs- und Veröffentlichungspflichten zum Beispiel bei dem europäischen Aktienfonds AriDeka im Jahr 2005, so der Jahresbericht. Beim First Private Euro Aktien Staufer lag die Summe bei 36.787,69 Euro, nur knapp der Hälfte. Ein Schnäppchen?

 Gefahr unter Wasser: Gebühren sind nicht immer offensichtlich
J.A. Dowdeswell
Gefahr unter Wasser: Gebühren sind nicht immer offensichtlich
Keineswegs - denn zwar ist die Gebühr um knapp die Hälfte niedriger, doch der Staufer-Fonds bündelt grob nur ein Fünfzigstel des Volumens des 4,9-Milliarden-Euro-Fonds AriDeka. Je kleiner also ein Fonds ist, umso schwerer fallen solche Gebühren ins Gewicht. Das ist auch der Grund, warum Investmentprofis vom Kauf eines zu kleinen Fonds abraten. Unterhalb eines Volumens von 20 Millionen Euro sind die Kosten gemeinhin zu drückend, lasten auf der Wertentwicklung.

Verteuernd hinzukommen zum Beispiel Positionen wie die Werbung. Jede dieser Positionen muss aus dem Rechenschaftsbericht herausgesucht werden - als absolute Zahl, die dem Anleger zumindest auf den ersten Blick wenig verrät. Einfacher macht es da die Total Expense Ratio (TER). Diese Kennzahl bündelt die Kosten als Gesamtausgaben in einem Prozentsatz; sie wird inzwischen von den meisten Fondsgesellschaften ausgewiesen.

Und auch die TER-Kennzahl steigt stetig, hat Lipper Fitzrovia ausgerechnet. 2001 bezahlte Investoren für einen global anlegenden und aktiv verwalteten Aktienfonds eine TER von 1,89 Prozent. 2006 lag die Kennzahl bei 2,06. Die Transaktionskosten sind dabei noch nicht einmal eingerechnet; jene Kosten also, die durch den An- und Verkauf von Aktien zum Beispiel anfallen. Allerdings scheinen die Gesellschaften davor zurückzuscheuen, bestimmte Grenzen zu überschreiten.

Immerhin sitzt der Fondsbranche die Zertifikateindustrie im Nacken. Und deren Produkte wirken auf den ersten Blick sehr viel günstiger. So viel Konkurrenzdruck sorgt für Sensibilität gegenüber Gebührenerhöhungen. Kein Wunder also, wenn, statt die Verwaltungsgebühren zu erhöhen, einfach neue Formen des Managerentgelts eingeführt werden. Wie die Performance-Gebühren. Das sind erfolgsabhängige Entgelte. Sie werden, wie der Name nahelegt, nur im Erfolgsfall fällig.

So weit, so klar. Doch den Erfolg definiert jede Gesellschaft anders. Bei der DWS zum Beispiel gibt es keine einheitliche Version, "das kommt auf den einzelnen Fonds an", heißt es. Immerhin bei gut jedem dritten Fonds fällt die Gebühr inzwischen an, sagt Sprecherin Anke Hallmann. Bei Union Investment bergen 62 der 304 Publikumsfonds eine solche Gebühr. Die Fondsboutique First Private ihrerseits kann für ihren Staufer-Fonds eine solche Gebühr verlangen, wie es im Factsheet heißt. Und zwar in Höhe von 15 Prozent jenes Wertzuwachses, um den das Management die Entwicklung des DJ EuroStoxx 50 übertrifft.

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