Geldanlage Die Aufschwung-Profiteure

Anleger verdienten zuletzt gut mit Aktien jener Firmen, die von Eigentümern geführt werden. manager-magazin.de sprach deshalb mit Frankfurt-Trust-Manager Friedrich Diel. Denn er setzt vor allem auf Aktiengesellschaften, die um angestellte Manager einen Bogen machen - und fühlt sich von höchster Stelle bestätigt.
Von Karsten Stumm

mm.de: Herr Diel, Sie sind der einzige Fondsmanager in Deutschland, der das Geld seiner Anleger nur in Aktien von Unternehmen investiert, die eigentümergeführt oder beeinflusst sind. Macht Sie das nachdenklich?

Diel: Ehrlich gesagt, wundert mich das tatsächlich.

mm.de: Uns auch, schließlich wurden schon die raffiniertesten Methoden angewendet, um Aktien mit besonders guten Kurschancen zu entdecken. Aber auf inhabergeführte Firmen ist niemand gekommen. Wie konnte die Heerschar von Experten ausgerechnet so eine Riesengruppe von Firmen übersehen - außer Ihnen?

Diel: Vielleicht wurde sie gar nicht übersehen. Nur die Datenbeschaffung über solche Gesellschaften ist aufwendig. Und vielleicht hat man den Aufwand bisher gescheut.

mm.de: Lohnt er denn? Deutschlands Vorzeigeindex für inhabergeführte Börsenunternehmen hat ja nur selten den Standardwerteindex Dax schlagen können, im vergangenen Jahr zum Beispiel …

Diel: … und auch im Jahr davor. Die Mühe lohnt auf jeden Fall. Wir haben die Anteilscheine von rund 100 Unternehmen in unseren Fonds aufgenommen, deren Kursentwicklung zum Beispiel die des Dow-Jones-Aktienindex Stoxx 600 bis zum Jahr 2000 zurück in den Schatten gestellt hätte - und das in jedem dieser sechs Jahre.

mm.de: Warum sind Sie bei Ihren Testläufen auf diesen europäischen Ansatz ausgewichen und nutzen nicht den deutschen Familienunternehmensindex Gex? Gerade hierzulande gibt es doch viele Firmen, die von Eigentümern geführt werden.

Diel: Wir kümmern uns nicht so sehr um den Gex, weil Privatanleger damit nichts anfangen können. Denn der Index lebt zum Beispiel nur von der Wertentwicklung weniger Unternehmen, und die stammen auch noch alle aus Deutschland. Wir wollen aber keine Klumpenrisiken im Fonds auftürmen und investieren europaweit.

Vorteile in Aufschwungphasen

mm.de: Gelingt Ihnen das denn? Familienunternehmen sind doch vor allem in den Branchen Handel, Bau und der Industrie tätig, also in einem Ausschnitt des Wirtschaftslebens. Selbst wenn Sie das Klumpenrisiko vermieden haben, nur auf deutsche Firmen angewiesen zu sein, bleibt doch zum Beispiel der aufgezwungene Branchenfokus.

Diel: Die Branchenauswahl ist bei uns sicher kleiner als bei anderen Fonds, da haben Sie recht. Aber sie ist nicht bedenklich gering, deshalb würde ich nicht von einem Klumpenrisiko sprechen. Von den 22 Branchen, in denen die Stoxx-600-Unternehmen tätig sind, haben wir immerhin in 13 eine besonders breite Aktienauswahl.

mm.de: Bei Titeln der Banken, Versicherungsunternehmen sowie den Öl- und Energieversorgern ist sie allerdings besonders klein. Das aber sind allesamt Branchen, deren Unternehmen oft noch in schwachen wirtschaftlichen Situationen ansehnliche Gewinne liefern. Ist Ihr Fonds also vor allem in wirtschaftlichen Aufschwungphasen ein Investment wert, in Abschwungzeiten dafür eher nicht?

Diel: Unser Fonds hat bestimmt Vorteile, wenn es insgesamt wirtschaftlich gut läuft. Aber unsere Performance-Tests haben gezeigt, dass wir unabhängig vom Konjunkturzyklus stets besser als die Vergleichsindizes dastehen.

mm.de: Wie kriegen Sie das denn hin?

Diel: Familienunternehmer geben auch in wirtschaftlich guten Zeiten nicht einfach Geld für Firmenkäufe aus, wie es vielleicht angestellte Manager tun. Sie bleiben vielmehr langfristig bei dem, was sie können. Und diese Konzentration auf das Kerngeschäft der Unternehmen hilft, auch in Abwärtsphasen solide dazustehen.

mm.de: Aber Familienunternehmer gehen nicht nur vorsichtig mit ihrem eigenen Geld um, sondern auch mit Informationen über den Geschäftsverlauf ihrer Firmen. Ist es kein Wagnis, in solch undurchsichtige Unternehmen das Geld Ihrer Anleger zu stecken?

Diel: Das ist kein Problem. Wer nicht mitspielen will, muss damit leben, dass wir seine Aktien gar nicht erst in unseren Fonds aufnehmen. Zudem konzentrieren wir uns sowieso auf Aktiengesellschaften, deren Papiere unseren Qualitäts- und Liquididtätsanforderungen genügen, wie etwa H&M, Porsche, Fielmann oder Benetton. Das sind Gesellschaften mit Milliardenumsätzen, die den Umgang mit Kapitalmarktteilnehmern gewöhnt sind.

mm.de: Was stimmt Sie für die Zukunft Ihres Fonds besonders zuversichtlich?

Diel: Dass die Eigentümer vieler Unternehmen gerade in dieses Konzept investieren. Denn sie selbst machen täglich nichts anderes. So viel Vertrauen in die eigene Zukunft finden Sie nur selten.

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