Fonds Schöner anlegen

Wer Geld anlegt, will Rendite sehen. Immer häufiger werden Investments aber auch als Machtmittel eingesetzt - im Interesse des Anlegers, aber auch des Empfängers des Geldes. Doch nicht allen passt das. Ein Blick hinter die Kulissen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Nein, ein Gutmensch ist Claudia Kruse gewiss nicht. Eine bessere Welt strebt sie nicht an, sondern ganz profane Rendite. Denn dafür wird sie bezahlt. Kruse arbeitet bei der britischen Fondsgesellschaft F&C und soll das Geld ihrer Anleger mehren. Aber nicht nur das.

Sie soll auch dafür sorgen, dass das auf eine bestimmte Art und Weise geschieht. Dazu arbeitet sie in einem 14-köpfigen Team. "Wir wollen, dass die CRI eingehalten wird, darauf achten unsere Anleger wie TME oder PGGM, holländische Pensionsfonds." CRI ist momentan ein Modewort und steht für die Einhaltung bestimmter Standards des Unternehmertums. Corporate Responsible Investing, damit steht Kruse nicht allein da.

Denn eine ganze Reihe von Profiinvestoren haben sich die CRI oder ähnlich klingenden Programme auf die Fahnen geschrieben. Vielleicht auch, um sich ein wenig von der Konkurrenz abzusetzen. Dem Gros der Geldverwalter gelingt es nämlich regelmäßig nicht, deutlich besser zu sein als der Rest der Branche. Um auf sich aufmerksam zu machen, bleiben da oft nur Kunstgriffe wie das Dingen auf gewisse Standards. Die müssen keinesfalls gedankenschwerer Ethik entspringen.

"Es fängt bei ganz banalen Dingen an wie dem Papierverbrauch. Ein papierloses Büro wird man sicherlich nicht hinbekommen, aber es weist in die richtige Richtung. Denn es senkt auch die Kosten. Und ist damit gut für die eigene Bilanz", erklärt Gareth Hoskins von der britischen Versicherung Legal & General, die sich CRI auf die Fahnen schreibt. Die Umwelt als Investmentfaktor, das rückt Firmen wie Legal & General oder F&C in die Nähe nachhaltiger Investmentmanager. Aber nicht wirklich, winkt Kruse ab.

Wie ein Unternehmensberater

"Es dreht sich eher darum, der Firma wie ein Frühwarnsystem zur Seite zu stehen und sie auf bestimmte Missstände und zukünftige Risiken hinzuweisen", sagt Kruse. "Die Unternehmen nehmen das in der Regel gerne an." Freilich, es soll damit schon auf jene Ziele hingearbeitet werden, die auch für nachhaltige Investments gelten. "Eine bessere Performance in den Bereichen Ethik, Umwelt und soziales sowie Corporate Governance eben", so Kruse.

Doch anders als bei nachhaltigen Produkten, bei denen Unternehmen oft wegen entsprechender Kriterien gar nicht erst in einen Fonds oder einen Index wie den Naturaktienindex aufgenommen werden, können Manager wie Kruse das Geld ihrer Anleger sehr wohl in solche Firmen investieren. Aktien von BP werden also durchaus gekauft - "denn wir betreiben Engagement zu allen Bereichen "Beyond Petroleum"", so Kruse. Auf Besserung zum Beispiel der Produktionsbedingungen lässt sich auch nach dem Kauf noch pochen.

Kultivierter Protest

Kultivierter Protest

Das kann im stillen Kämmerlein erfolgen, aber auch auf der großen Bühne der Hauptversammlung. "Wir machen beides", so Kruse. "Der Dialog ist sicherlich der bessere Weg, weil das Gespräch mit den Firmenlenkern intensiver ist."

Offenbar so intensiv, dass die Presse bei solchen Anlässen draußen bleiben muss. Viel öffentlicher ist der Weg über die Hauptversammlung. Und auch viel praktikabler für die Großinvestoren. "Wir geben pro Jahr 3500 Stimmen ab, das ließe sich nicht alles im Zwiegespräch lösen." Im Internet oder den so genannten Voting-Reports sind die Abstimmungen übrigens jederzeit komplett einsehbar; eine Leistung, auf die Kruse ein bisschen stolz zu sein scheint.

So ganz unumstritten ist die Einflussnahme der Anleger auf die Aktiengesellschaften allerdings nicht. "Ich glaube nicht, dass eine kleine Beteiligungen an der Deutschen Bank die DWS, Union Investment oder irgendeine Fondsgesellschaft in die Lage versetzt, den Vorstand der Bank zu lenken", sagt Michael Fraikin, Geschäftsführer der angloamerikanischen Fondsgesellschaft Invesco. "Nur wenn Sie viel Geld gesammelt haben und an einem deutschen Small-Cap beteiligt sind, dann kann das klappen." Und rechnet vor: "Wenn Sie an 800 Unternehmen beteiligt sind, hätten Sie viel zu tun, all deren Hauptversammlungen zu besuchen."

Ganz davon lassen will Fraikin aber dennoch nicht: "Wir haben so etwas ausgelagert, arbeiten mit ISS zusammen. Diese Firma bündelt die Stimmrechte vieler Aktionäre. Wenn man sich vorher hinsetzt und seinen Standpunkt genau definiert, lässt sich so sehr effizient arbeiten."

Als zusätzliches Analyseinstrument will das keiner verstanden wissen. Aber "als Ihr Repräsentant haben wir Ihnen gegenüber wichtige Verpflichtungen", erklärt zum Beispiel F&C in einem Report. Nämlich die Firmen zu überwachen und Risiken zu minimieren. "Es ist eine Form des Risikomanagements", so noch einmal Kruse. "Zeitbomben wie drohende Naturkatastrophen oder auch Korruption sollen so vermieden werden." Die Frage nach etwaigen Siemens-Investments bleibt unbeantwortet. Überhaupt, etwas diffus ist der Begriff schon.

So will auch die Schweizer Finanzgruppe UBS "social responsible" investieren - allerdings nur auf bestimmte Produkte bezogen. Nämlich bei den nachhaltigen Fonds des Hauses. Deutsche Gesellschaften wie DWS oder Union Investment begreifen das Thema wiederum breiter und gehören zu den wenigen im Lande, die auf der Hauptversammlung schon einmal deutliche Kritik am Management eines Unternehmens äußern. Christian Strenger beispielsweise, der frühere Chef der Fondsgesellschaft DWS, rügte auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Altana-Aktionäre den Preis, den Nycomed für die Pharmasparte bei der Aufspaltung an die Anteilseigner zahlte.

England ist führend

England ist führend

Tatsächlich scheint England in diesem Zusammenspiel von Investor und Geldempfänger eine führende Rolle zu spielen. "Vor wenigen Jahren waren wir die einzigen - nun folgen uns gut elf andere Firmen", so Kruse über F&C. Und mutmaßt: "In Großbritannien sind die Unternehmenslenker den Dialog mit Investoren gewohnt. In den USA ist das System noch nicht so ausgeprägt, dort scheint man eher die juristischen Auseinandersetzungen mit den Aktionären zu fürchten."

So ganz klar ist allerdings nicht immer, welche Gesellschaft sich dieser Entwicklung bereits verschrieben hat. "Es bliebt nichts anders übrig, als genau hinzuschauen", sagt Werner Hedrich von der Ratingagentur Morningstar, der sich von Amts wegen mit allen möglichen Fonds befasst.

Geld investieren und damit etwas Gutes tun - das verkauft sich gut und entspricht auch dem Investmentgesetz, das die Fondsgesellschaft als Sachwalter der Interessen des Anlegers betrachtet. Nur mit dem irdischen Lohn für solche Investments sieht es etwas dürr aus. Zwar wird in der Branche gerne das Beispiel des kalifornischen Pensionsfonds Calpers erzählt. Der soll regelmäßig Kritik an seinen Beteiligungen üben. Und sich nach dem Tadel über bessere Erträge der Gescholtenen freuen. Doch das scheinen nur Gerüchte zu sein. "Es gibt keinen Nachweis, dass CRI die Performance eines Fonds steigert - allerdings auch keinen, dass das nicht der Fall ist", so Hedrich.

Aber immerhin; investiert ist das Geld dann tatsächlich mit einem gewissen Anspruch. Auch ohne ein Gutmensch zu sein.

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