Börse Japan Comeback der Kleinanleger

Japans Börse schwächelt. Anlageexperten suchen nach neuen Kurstreibern. Adam Matthews, Asien-Experte von J.P. Morgan Asset Management, setzt auf die Rückkehr japanischer Kleinanleger, die den Kursen wieder Auftrieb verschaffen sollen.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Alltägliche Dinge sind es, auf die Adam Matthews achtet. Dinge wie Modernisierungen von Restaurants oder Hotels zum Beispiel. Das wäre nichts Besonderes - aber Matthews ist Fondsmanager und macht Anlageentscheidungen auch von eben diesen Kleinigkeiten abhängig.

Für Matthews sind solche Modernisierungen eines von vielen Zeichen dafür, dass die japanische Binnenkonjunktur an Zugkraft gewinnen wird. "Der Einzelhändler Honeys war fast schon ein hoffnungsloser Fall", berichtet er. Nun aber investiert Honeys verstärkt in das sogenannte Trendy Retailing.

Für Matthews zeigt sich damit, dass sich die Unternehmen auf einen kräftiger wachsenden Konsum der Japaner vorbereiten. Denn ihr verfügbares Einkommen wird weiterhin steigen. Die starke Belebung des Arbeitsmarkts macht es möglich - oder der steigende "Spot-Preis für Arbeit", wie es Matthews nennt.

"In den vergangenen schwierigen Jahren wurden immer mehr Japaner, wenn überhaupt, nur noch mit befristetem Arbeitsvertrag eingestellt", erläutert er. Jetzt aber müssten zunehmend Vollzeitjobs angeboten werden. Das ist nicht nur Folge der Konjunkturbelebung, sondern auch ein aus Deutschland bekanntes Phänomen, das der alternden Bevölkerung. Drei Millionen Japaner gehen allein in den nächsten drei Jahren in Rente, während nur 1,5 Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen. Als Folge werden die Löhne und Gehälter steigen, erwartet Matthews.

Die Kaufkraft der Japaner werde noch aus einem weiteren Grund steigen. Denn Konkurrenz von außen müssten die Angestellten nicht fürchten, so Matthews, da die japanische Regierung den Arbeitsmarkt für Ausländer kaum öffnen werde. Also bliebe ihr nur das Heraufsetzen des Rentenalters, aber auch das würde den Anstieg der Löhne und Gehälter nicht verhindern.

Beispiel: In den mittelgroßen japanischen Unternehmen würden die Beschäftigten gerade erst in den Genuss steigender Löhne und Gehälter kommen. Also hätten die Japaner künftig mehr Geld im Portemonnaie für den privaten Konsum. Für eine zusätzlich gehobene Konsumlaune sorgten zudem die wieder steigenden Immobilienpreise. Sie waren in den vergangenen Jahren teilweise um 50 Prozent gefallen.

Kein zyklischer Abschwung

Kein zyklischer Abschwung

Für den Japan-Experten von J.P. Morgan sind das die Gründe, warum er trotz der schwächeren makroökonomischen Zahlen nicht vom Beginn eines zyklischen Abschwungs der japanischen Wirtschaft ausgeht.

Die Performance des japanischen Aktienmarkts ist allerdings vergleichsweise enttäuschend. "Die japanischen Unternehmen haben ihre Bilanzen aufgeräumt und die notwendigen Restrukturierungen durchgeführt", sagt Matthews. Umbaumaßnahmen könnten die Aktienkurse also nicht mehr stützen. Japans Aktienmarkt sei kein Restrukturierungsgeschichte mehr.

Der Tokioter Börse mangelt es nicht nur an einer griffigen Story. Auch die Fundamentaldaten stimmen nachdenklich, denn japanische Aktien sind teuer. Ihre Bewertung ist mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,6 und 16,8 auf der Basis der für 2007 und 2008 geschätzten Gewinne im Vergleich zu den Bewertungen amerikanischer und europäischer Dividendenpapiere hoch.

Hinzu kommt, dass die für 2007 erwartete Rendite auf das eingesetzte Kapital mit 11,9 hinter europäischen (20,0) und US-amerikanischen (20,1) deutlich zurückfällt. "Japanische Aktien sind nicht billig", räumt Matthews ein. Vor allem niedriger börsenkapitalisierte Aktien, die sogenannten Small Caps, hätten in der letzten Zeit eine schlechte Performance hingelegt.

Woher soll also die Fantasie kommen? Der Japan-Experte setzt ganz auf die japanischen Kleinanleger. Noch seien sie nicht stark investiert, aber sie müssten aufgrund des steigenden Einkommens früher oder später wieder Lust auf Aktien bekommen. Bislang hätten die japanischen Haushalte nur 11,4 Prozent ihres Geldes in Dividendenpapiere angelegt. Wann die Kleinanleger Japans allerdings wieder stärker an den Markt zurückkehren, mag der Asien-Experte nicht vorhersagen. Aber drei bis sechs Monate werde es wohl noch bis zu deren Comeback dauern. So lange heißt es "wait and see" - abwarten und Tee trinken.