Internetaktien "Aufwärtspotenzial ist vorhanden"

Die Google-Aktie erklimmt neue Höchststände, Web 2.0 ist in aller Munde. Grassiert ein neues Internetfieber? Fondsmanager Volker Kuhnwaldt sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum diesmal alles anders sein soll und die zweite Internetwelle für ihn keine Blase ist.
Von Martin Hintze

mm.de: Anfang Oktober hat der Internetkonzern Google  das Videoportal YouTube für 1,3 Milliarden Euro geschluckt. Ist eine neue Interneteuphorie ausgebrochen?

Kuhnwaldt: Von einer Euphorie sollte man nicht sprechen, denn es stecken schon dezidierte Überlegungen hinter dem Kauf. Ich würde eher sagen, die zweite Welle des Internet läuft gerade an.

mm.de: Ist es tatsächlich eine Welle - oder eine neue Internetblase?

Kuhnwaldt: Ich bin fest davon überzeugt, dass es sich um eine Welle und keine Blase handelt. Die Unternehmen agieren allerdings in einem sehr darwinistischen Umfeld. Die Geschäftsergebnisse gerade bei jungen Unternehmen schwanken stark.

Zudem ist die Marktkapitalisierung, beispielsweise im Vergleich zu US-Bluechips, deutlich geringer und somit der Einfluss großer Fonds auf die Aktien viel höher. Aus diesen Faktoren resultieren Schwankungen. Man sollte allerdings nicht vergessen: Wir sprechen über eines der wachstumsstärksten Felder.

mm.de: Wie sind Internetaktien aktuell bewertet?

Kuhnwaldt: Das ist ein schwieriges Feld. Die meisten Aktien wie beispielsweise Ebay  sind historisch betrachtet relativ niedrig bewertet. Die Ampeln stehen daher auf Grün, Aufwärtspotenzial ist vorhanden.

mm.de: Wenn Internetunternehmen so beliebt sein sollen, gab es dann große Mittelzuflüsse?

Kuhnwaldt: Nein, es gab eher Mittelabflüsse zu verzeichnen.

mm.de: Woran liegt das?

Kuhnwaldt: Die Anleger sind in diesem Jahr risikoaverser geworden. Dabei spielen vor allem externe Faktoren eine Rolle, die nicht sonderlich positiv waren.

"Sie schreiben schwarze Zahlen"

mm.de: Welche Faktoren meinen Sie?

Kuhnwaldt: Vor allem geopolitische wie etwa die Nahost-Konflikte. Hinzu kamen steigende Rohölpreise, die Zinserhöhungen der Fed sowie Befürchtungen über eine deutliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den USA.

mm.de: Was hat sich bei den Unternehmen seit dem ersten Internetboom 1999 und dem Folge-Crash geändert?

Kuhnwaldt: Der Hauptunterschied ist: Sie schreiben schwarze Zahlen. Zwischen 85 und 90 Prozent der Unternehmen in unserem Portfolio machen Gewinne und verfügen über eine gesunde Bilanzstruktur sowie außerordentliche Wachstumsraten. Heute funktionieren Geschäftsideen, über die vor sieben Jahren nur theorisiert wurde.

Ein sehr gutes Beispiel ist das Unternehmen Overture, das 1999 an die Börse ging. Sie haben den Paid Search entwickelt: ein Verfahren, bei dem Werbetreibende dafür bezahlen, bei Suchmaschinenanfragen möglichst weit oben in der Liste zu landen. Das wirkte damals ziemlich abstrakt, hat sich jedoch als höchst erfolgreich erwiesen. Heute finanzieren sich Suchmaschinen zu einem großen Teil über Paid Search.

mm.de: Rein theoretisch - kann es einen Technologiefonds geben, der nicht stark schwankt?

Kuhnwaldt: Das ist wohl kaum möglich. Um Schwankungen zu reduzieren, müsste ein Fonds schon so gestrickt sein, dass nur in alte Unternehmen mit konstanten, vorhersehbaren Erträgen investiert wird.

mm.de: Was sind aus Ihrer Sicht die kommenden Trends im Internet?

Kuhnwaldt: Hier sehe ich drei Dinge. Dazu gehört das sogenannte Web 2.0. Des Weiteren wird die Mobilisierung des Internets zunehmen, also dass umfangreiche Aktivitäten und Dienstleistungen auch über das Mobiltelefon abrufbar werden. Und schließlich wird die Konvergenz zwischen Fernsehen, Internet und Telefonie voranschreiten.

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