Rente Nachschlag mit Beigeschmack

Deutschlands Rentner dürfen hoffen. In der nächsten Woche beraten Experten über die Höhe ihrer gesetzlichen Altersbezüge. Bereits jetzt zeichnet sich ab: Etwas mehr ist drin. Davon allerdings dürften jüngere Bundesbürger alles andere als begeistert sein.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Wenn die Rentenexperten der CDU und SPD in der kommenden Woche in Berlin tagen, werden Millionen deutscher Rentner gespannt auf das Ergebnis ihrer Besprechung warten. Denn in den Sitzungssälen fällt die Vorentscheidung, ob ihre Rentenschecks künftig etwas höher ausfallen als derzeit. "Auch wenn man die Besprechungen abwarten muss, kann man jetzt schon sagen: Es sieht zumindest nicht schlecht aus", sagt Peter Weiß zu manager-magazin.de, der die CDU im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales mit vertritt.

Grund für den Optimismus des Rentenexperten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist die gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Im laufenden Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt hierzulande um rund 2 Prozent verglichen mit dem Vorjahr zulegen, erwarten Konjunkturfachleute. Das ist bei Weitem das beste Ergebnis seit Jahren, und es führt indirekt dazu, dass die Löhne und Gehälter in der Bundesrepublik ein wenig zulegen – nicht nur zur Freude der Beschäftigten. Denn die Entwicklung ihrer Einkommen beeinflusst unter anderem auch das Rentenniveau: Steigen die Bruttolöhne im Schnitt, können auch die Rentner einen Zuschlag erhalten. Genau das werden die Experten in der kommenden Woche voraussichtlich beschließen.

Dass die Rentner allerdings überhaupt auf die Aufstockung ihrer Bezüge spekulieren dürfen, liegt nicht allein an der guten Wirtschaftsentwicklung hierzulande. Die Große Koalition hat wichtige Rentenbeschlüsse einfach noch nicht in Kraft gesetzt – zum Glück für die Rentner. So ist zwischen CDU und SPD zwar abgesprochen, dass die Ruheständler in Zeiten sinkender Löhne selbst vor Rentenkürzungen verschont bleiben; daran haben sich die Abgeordneten auch stets gehalten. Als Ausgleich dafür sollen die Ruheständler aber eigentlich in Jahren mit steigenden Löhnen auf Rentenerhöhungen verzichten, und genau dieser Fall würde jetzt eintreten. Doch geltendes Recht ist das noch nicht, die entsprechenden Regeln werden erst am 22. November im Kabinett besprochen. Und prompt kommt die Kehrtwende.

Statt sich weiter an die sogenannte Nachholfaktor-Regel zu halten und nun auf Rentenerhöhungen zu verzichten, beraten die Politiker in der kommenden Woche genau darüber. "Offenbar gilt die Absprache nur, wenn sie zum Vorteil der Rentner ausfällt", sagt ein FDP-Bundestagsabgeordneter - so, wie beispielsweise im Vorjahr.

2005 hätten Deutschlands Rentner 1 Prozent niedrigere Renten hinnehmen müssen, weil die Bruttolöhne der Beschäftigten zeitgleich erheblich sanken. Doch die Parlamentarier verschonten die Ruheständler. Das Geldgeschenk sollte stattdessen mit Rentenerhöhungen in der Zukunft verrechnet werden, ganz so, wie es die abgesprochene Nachhol-Regel vorsieht. Doch daraus wird jetzt wohl nichts.

"Deutschlands Rentner erhalten deshalb voraussichtlich eine Rentenerhöhung, die ihnen nie zustehen würde, hätte die Große Koalition den Nachholfaktor wie geplant umgesetzt oder hielten sich die Parlamentarier auch nur daran" sagt Jochen Pimpertz, Sozialpolitikexperte des Institiuts der Deutschen Wirtschaft in Köln.

Mehr eingezahlt als herausbekommen

Junge Bundestagsabgeordnete wollen das deshalb so nicht mittragen. "Der Nachholfaktor muss möglichst bald im Gesetz festgeschrieben werden, um Planungssicherheit zu schaffen. Die Menschen müssen die Entwicklung des Rentenniveaus einschätzen können, sonst wirkt der Nachholfaktor wie eine Willkürmaßnahme", sagt Philipp Missfelder zu manager-magazin.de, Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands.

Die Forderung kommt nicht von ungefähr. Die Generation der jüngeren Bundesbürger hat schon heute erheblich weniger von der gesetzlichen Rente zu erwarten als heutige Ruheständler ausgezahlt bekommen, hat Hans-Jörg Naumer errechnet, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Dresdner-Bank-Fondstochter Dit. "Wer erst im Jahr 2050 in den Ruhestand geht und bis dahin 45 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlt, kann in heutiger Kaufkraft gemessen sowie nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mit einer monatlichen Rentenzahlung in Höhe von 915 Euro rechnen. Ein vergleichbarer Rentner erhält heute 1193 Euro." Das sind fast 30 Prozent mehr.

Noch schlechter fällt das Ergebnis für die jungen Deutschen aus, wenn ihre Renditen aus den Zahlungen an die Rentenkasse mit denen der heutigen Rentnergeneration verglichen werden. Ledige 66-jährige Rentner beispielsweise holten aus all ihren Rentenzahlungen schlechtestenfalls noch 3,4 Prozent Ertrag heraus. Heute 41 Jahre alte Männer können bis zu ihrem Renteneintritt im Jahr 2030 nominal nur noch mit 1,6 Prozent Rendite rechnen, hat das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWD) in Bonn errechnet. Das ist nicht mal die Hälfte dessen, was die jetzige Rentnergeneration herausbekommen hat.

"Für alle Männer, die nach 1965 geboren worden sind, sinken die Renditen noch weiter. Je nach angenommener Wirtschaftsentwicklung können ihre realen Renditen sogar schon ab dem Jahrgang 1980 leicht negativ werden", sagt IWD-Wissenschaftler Adrian Ottnad. Mit anderen Worten: Die junge Generation zahlt als Erste in der Geschichte der Bundesrepublik unter Umständen mehr Geld in die Rentenkasse ein als sie je zurückbekommen wird.

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