Medienfonds Fern-Voting

Die Münchener VIP-Fondsgruppe überrascht ihre Anleger. Eigentlich sollten sich einige Medienfonds-Investoren bald zur Gesellschafterversammlung treffen, jetzt aber plant VIP nur noch die schriftliche Befragung der Geldgeber. Die Anwälte der VIP-Anleger fühlen sich brüskiert.
Von Karsten Stumm

Hamburg - Bei den VIP-Medienfonds gibt es in diesem Jahr keine ordentliche Gesellschafterversammlung. Stattdessen will der ehemals führende deutsche Filmfinanzierer seine Anleger schriftlich über die Geschäfte mancher Fonds abstimmen lassen. Eine solche Möglichkeit sehen die Gesellschaftsverträge für den Fall vor, dass "dies der Komplementärin zweckdienlich erscheint."

Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen vermutet allerdings genau das Gegenteil. Seiner Meinung nach scheuen die Verantwortlichen der Münchner VIP-Gruppe eine offene Auseinandersetzung mit den Kommanditisten und ihren Anwälten: "Eine Beschlussfassung im Umlaufverfahren, also per Post, nimmt den Anlegern schließlich jede Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen"; Gieschen vertritt einige VIP-Anleger gegenüber der Gesellschaft. Das schriftliche Verfahren solle offensichtlich nur dazu dienen, die Geschäftsführung für das abgelaufene Jahr 2005 zu entlasten.

Im Frühjahr dieses Jahres sprachen sich nicht genügend VIP-Anleger für eine außerplanmäßige Gesellschafterversammlung aus, auf der die Lage der Fonds besprochen werden sollte. VIP hatte seine Anleger allerdings zuvor unter anderem darauf hingewiesen, dass die jetzt abgesagte Präsenzversammlung ohnehin für Spätsommer geplant sei.

VIP selbst weist die Vorwürfe der Anleger-Anwälte zurück. "Wir haben uns für eine schriftliche Befragung der Anleger entschieden, weil sie ihnen aus unserer Sicht entgegen kommt", sagte ein VIP-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Aufgrund der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, unter anderem gegen den ehemaligen VIP-Chef und Unternehmensgründer Andreas Schmid, sei die Münchener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Schaal & Partner nicht in der Lage, dem Abschlussbericht der Fonds das nötige Prüfsiegel zu verleihen.

Darüber hinaus könne der Vorstand der Gesellschaft auf dem Treffen ohnehin nicht entlastet werden, weil er gar nicht zur Entlastung gestellt worden wäre. Damit sicherten sich die Investoren auch ohne Präsenz-Gesellschafterversammlung mögliche Haftungsansprüche, unter anderem gegen VIP-Gründer Schmid.

Die Münchener VIP-Medienfondsanbieter war vor Monaten ins Gerede gekommen, nachdem die Staatsanwaltschaft München I gegen die Filmfinanzierungsfirma um Schmid wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu ermitteln begann. Der Vorwurf der Ermittler: VIP München habe das Geld seiner Anleger aus den Filmfonds VIP-III und VIP-IV gar nicht für Filmproduktionen eingesetzt. Die dafür gewährten Steuervorteile müssten von den Anlegern deshalb unter Umständen teils zurückgezahlt werden.

Seitdem wehren sich die Anwälte der Filmfinanzierungsfirma gegen die Vorwürfe - bisher allerdings mit bescheidenem Erfolg. Unternehmensgründer Schmid befindet sich noch immer in Untersuchungshaft, auch beim jüngsten Haftprüfungstermin konnten die Anwälte Schmidts Untersuchungshaftzeit nicht beenden. Die Staatsanwaltschaft geht weiterhin davon aus, dass sich Schmid vor Gericht verantworten muss.