Politische Börsen "Just ignore it"

Deutsche Aktien scheinen richtungslos vor sich hinzudümpeln. Was schlussfolgern Geldprofis aus dieser Situation? So gesehen erst einmal nichts. Martin Wirth und Markus Dahlheimer erklären in launigen Worten, warum. Wirth verwaltet bei FPM drei Deutschlandfonds, Dahlheimer ist Vorstand des Unternehmens.
Von Arne Gottschalck

mm.de: Die wichtigen Konjunkturdaten wie der Ifo- sowie der GfK-Index sind veröffentlicht - ist das der Befreiungsschlag für die deutschen Wirtschaft und die Börsen?

Wirth: Wir schauen da gar nicht drauf. Es hilft uns nicht bei der Aktienauswahl und der Bewertung der Titel.

mm.de: Wo geht es an der Börse die nächsten Monate lang - kann sich der Dax von den anscheinend ewig währenden 5800 Punkten lösen?

Dahlheimer: Der deutsche Aktienmarkt ist niedrig bewertet, das wird sich irgendwann in den Kursen niederschlagen. Wann, das können wir nicht prognostizieren. Das müssen wir aber auch nicht, es wäre reine Spekulation. Wir analysieren und investieren, aber wir raten nicht. Wir sind davon überzeugt, dass die Kurse deutscher Aktien weiter steigen werden.

mm.de: Das klingt nach der Deutschland-Geschichte also - Die Unternehmen hätten restrukturiert, seien günstig. Ist die Geschichte nicht schon tot?

Wirth: Das kommt auf die Unternehmen an. Unternehmen, die einfach vom deutschen Konsum abhängen, werden es wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht leicht haben. Aber günstige Aktien sind nie eine "tote Geschichte", Umstrukturierungen sind ein nie endender Prozess.

mm.de: Haben sich die deutschen Strukturprobleme wie die hohe Arbeitslosigkeit bereits in den, wie Sie sagen, günstigen Kursen niedergeschlagen?

Dahlheimer: Wir kaufen keine Arbeitslosenquoten, wir beteiligen uns an Unternehmen. Der Großteil der deutschen Unternehmen erwirtschaftet einen erheblichen Teil seines Umsatzes im Ausland. Gegenfrage: Ist der Aufwärtsschwung in Osteuropa, Asien, Lateinamerika eingepreist?

mm.de: Wie politisch sind die Börsen aktuell?

Wirth: Für die Medien sind sie vielleicht politisch, für die Stimmung unter den Tradern auch - wir wissen nur nicht, ob zurzeit positiv oder negativ.

Zumindest gilt wohl auch in Zukunft: Politische Börsen haben kurze Beine. Wir machen uns die Mühe und analysieren die einzelnen Unternehmen, um zu einer fundierten Investmententscheidung zu kommen.

mm.de: Die Krisen der Welt sind also für Sie als Fondsmanager egal?

Wirth: Just ignore it. Frau Merkel fährt auch nur einen einzigen Mercedes. Es geht also darum, ob Mercedes in der Welt zwei Millionen andere Leute findet, die ihnen so ein Auto abkaufen. Der Einfluss der Politik auf die Kursentwicklung wird maßlos überschätzt. Nehmen wir ein Beispiel: Die US-Wirtschaft wächst seit 25 Jahren stark, vor allem im Konsum. Eigentlich müssten GM  und Ford  ein exzellentes Investment gewesen sein. Deutschland dagegen murkst so vor sich hin, daher wäre nach dieser Logik SAP  ja wahrscheinlich ein Underperformer.

mm.de: Haben die Daten aus den USA wie zum Beispiel die Arbeitsmarktzahlen vom Freitag noch die gleiche Bedeutung für die Wirtschaft der Welt wie noch vor zehn Jahren?

Dahlheimer: Auf jeden Fall. Drei Jahre US-Wachstum schlagen sich auch im chinesischen Bruttoinlandsprodukt nieder.

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