Investmentfonds Schneller schließen

Richard Wohanka ist Vorstand der Fortis Investments und hat vom Fondsmanagement seine ganz eigenen Vorstellungen. Große Fonds seien zum Beispiel nicht im Interesse des Anlegers - die Branche scheint das anders zu sehen.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Ein echte Verlockung, vor der Fondsmanager regelmäßig stehen. Denn sie werden nicht nur per Festgehalt bezahlt, sondern auch "nach dem Volumen ihres Fonds", erklärt Richard Wohanka, Vorstand von Fortis Investments. Die meisten haben also einiges Interesse daran, das Volumen der ihnen anvertrauten Fonds hochzuschrauben.

Das allerdings kann die Performance des Fonds belasten. "Wie soll ein Fondsmanager zum Beispiel im SDax  oder MDax  mit einer Milliarde Euro zurechtkommen", provoziert Markus Zschaber, Geschäftsführer der VMZ Vermögensberatung. "Das gleiche Problem hatte man in den 90er Jahren mit Osteuropafonds von Flemming und Merrill Lynch. Der Markt in Russland war sehr klein und die verwalteten Gelder der Fondsgesellschaften wurden immer höher. Alleine der Flemming Eastern European Fund verwaltete 1998 zur Spitzenzeit gut 980 Millionen Mark, ein totaler Wahnsinn", so Zschaber weiter. Und tatsächlich: Steigt ein Manager mit zu großen Summen in einen illiquiden Markt ein, treibt er die Aktienkurse nach oben. Steigt er aus, bekommen die Börsianer davon gleichfalls Wind und steigen aus - der Kurs des entsprechenden Titels sinkt.

Manche Gesellschaften scheinen die Erkenntnis Wohankas und Zschabers zu teilen, nicht aber deren Schlussfolgerung. Pioneers Europafonds Top European Player zum Beispiel wuchs im Laufe der Jahre auf ein Volumen von fünf Milliarden Euro an. In den Augen der US-stämmigen Gesellschaft offenbar zu viel für den Markt der europäischen Midcap-Aktien. Heute legt Manager Andrew Arbuthnott schwerpunktmäßig in Large Caps an - weil er diese Summe im Segment der Midcaps nicht mehr platzieren kann.

Notbremse Verkaufsstop

Der Fonds wird allerdings weiterhin aktiv verkauft. Allerdings bietet das Unternehmen einen Fonds an, der sich am Ur-Pioneerfonds orientiert. Auch bei Franklin Templeton und Fidelity ist man sich der Probleme, die mit großvolumigen Fonds einhergehen, sehr wohl bewusst. Fidelity versucht inzwischen, Interessenten statt in den 22 Milliarden Euro schweren European Growth in den European Fund zu locken, "der unter anderem auch die Anlageideen des European Growth nutzt", erklärt Sprecher Sinan Temelli. "Das heißt nicht, dass der European Growth schlecht wäre; wir wollen nur nicht, dass zu viele neue Investoren die Wertentwicklung des Fonds verwässern und damit den Altanlegern schaden", so Temelli weiter. Über ein Soft Closing, einen Stop der Ausgabe neuer Anteile also, denke man aber nicht nach. "Je höher das Fondsvolumen, je besser auch der Verdienst für die Gesellschaft, so ist es nun einmal", begründet Vermögensverwalter Zschaber die Haltung der Gesellschaften. "So läuft das Geschäft halt", assistiert Wohanka gegenüber manager-magazin.de; "ein Soft Closing wird in meinen Augen viel zu selten genutzt."

Kleine Fondsanbieter, die so genannten Boutiquen, greifen öfter zu diesem Kunstgriff. So wurde der Griffin European Opportunities für Neuanleger geschlossen, genauso wie zwei der drei Fonds der FPM sowie der Morgen Portfolio Universal Fonds. Der war mit 70 Millionen Euro zwar vergleichsweise klein, aber "in Mid- and Smallcaps investiert. Und mit unserem technischen Ansatz sind wir darauf angewiesen, schnell aus Aktien aussteigen zu können", so heißt es vom Unternehmen.

Ganz ohne Eigennutz sind die Erklärungen Wohankas nicht. Denn Fortis stellt demnächst einen Chinafonds vor. China ist einer jener Märkte, die in Wohankas Augen für ein Soft Closing prädestiniert sind - er ist illiquide. Und an dem aktive Manager viel Geld verdienen können. Auch Fortis setzt mit seinem geplanten Fonds auf die China-Geschichte, "vor allem auf die Angleichung der Währung Renminbi an den Dollar. Geschieht das in wenigen Jahren, dann ist die Unterbewertung der chinesischen Aktien auf einen Schlag verschwunden", erklärt Wohanka. Konsequent soll der Fonds aber geschlossen werden, sobald das Volumen 150 Millionen Euro erreicht. China ist ein Modethema an der Börse, so dass die Grenze schnell erreicht werden dürfte. Ausflüchte will Wohanka bereits jetzt nicht gelten lassen: "Wir stehen zu unserem Wort." Die Anleger werden sich daran erinnern.

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