Dienstag, 23. Juli 2019

Forderungshandel Lukrativer Buchstabensalat

Deutschlands Anleger haben mit bestimmten Fonds die Möglichkeit, dauerhaft an den Erträgen aus langfristigen Finanzgeschäften zu verdienen. Nichts scheint solchen Fondsmanagern zu weit hergeholt: Die Einnahmen aus Kreditgeschäften sind ihnen genauso recht wie die Welttournee-Erträge eines Pop-Stars. Entdecke die Möglichkeiten.

Mit Krediten Geld verdienen, das können nur Banken. Immerhin sind sie es, die die Kreditzinsen einstreichen. Könnte man meinen und läge dennoch daneben. Denn Kredite lassen sich auch kaufen und verkaufen. Und damit auch Wertzuwächse schaffen. Freilich, das ist ein komplexes Verfahren für Spezialisten wie einige Banken oder Fondsmanager. Christian Friedrich ist so einer.

ABS & Co.: Fondsanleger haben die Möglichkeit an Kreditgeschäften zu verdienen
Er kauft für seinen FT ABS Plus Forderungsbündel und verkauft sie gegebenenfalls wieder. Diese Bündel werden von spezialisierten Unternehmen geschnürt und verbrieft. Sie setzen sich aus verschiedenen Forderungen zum Beispiel von Banken gegen ihre Kunden zusammen, können aber auch schon einmal die Erlöse für den Verkauf von 60 Millionen Flaschen Champagner verbriefen oder die Konzerteinnahmen einer Tournee von David Bowie, erklärt Friedrich.

Das ganze ist also nichts anderes als eine Art Anleihenfonds mit sehr speziellen Rentenpapieren. Denn genau wie die sicheren Staatsanleihen ist diese Anlageform nichts anderes als Inhaberschuldverschreibungen. Allerdings sind sie regelmäßig gesichert. Das kann durch eine Immobilie geschehen, wie bei den Mortgage backed Securities (MBS). Oder durch Hinterlegung anderer Wertgegenstände, wie bei den Asset Backed Securities (ABS). Dafür wird oft der Begriff Collateralized Debt Obligation (CDO) genutzt.

Deutsche Anleger tun sich damit noch etwas schwer, berichtet Josef Pfannenstil von Fortis Investments. Das Unternehmen bietet solche Produkte an - "in Österreich oder der Schweiz werden sie schnell verkauft, in Deutschland dauert das - einfach weil der Entscheidungsprozess in Deutschland länger dauert." Inzwischen gibt es aber auch hierzulande einige Fonds, die das Spiel mit den Krediten im großen Stil betreiben.

Noch vor wenigen Jahren waren sie über Produkte wie den HSBC Trinkaus ABS nur den institutionellen Anlegern zugänglich - immerhin liegt die Mindestanlagesumme bei einer halben Million Euro. Doch langsam kommen auch Angebote für den Normalanleger auf den Markt. Sei es mit spezialisierten Fonds wie dem ABS-Invest oder eben dem FT ABS Plus von Christian Friedrich, sei es mit herkömmlichen Anleihenfonds, die diese Papiere beimischen.

Der Vorteil dieser Anleihenform: Zum einen erhalten die Anleger damit mehr Rendite als mit vergleichbaren Produkten. Damit wird das Risiko abgegolten, dass die zugrunde liegenden Kredite ausfallen. Zum anderen ist die Korrelation der MBS im Vergleich zu den traditionellen Anlageklassen gering. Das Portfolio kann damit also unempfindlicher gegenüber Börsenschwankungen gemacht werden. Vor allem werden die Kreditpapiere regelmäßig als so genannte Floater angeboten. Ihr Zinssatz passt sich also regelmäßig den Leitzinsen an.

Volkswirte dürften sich über den Kredithandel die Hände reiben: Denn er verbindet den Kredit- mit den übrigen Kapitalmärkten. Theoretisch dürfte das die Systeme stabilisieren, da die Kreditrisiken der Banken ja nun von vielen getragen werden. Gleichviel, der Markt wächst. Die Deutsche Bank schätzt das Universum der hierzulande erhältlichen Kreditpapiere auf rund 250 Milliarden Dollar - mehr als genug Auswahl also für die Fondsverwalter.

ABS-Fonds
Fonds Wertentwicklung über ein Jahr ... über drei Jahre (p.a.) ... über fünf Jahre (p.a.) ISIN
W&W Asset-backed Securities Fund I 4,44% k.A. k.A. IE00B00GCT06
ABS-Invest 3,65% 4,31% 3,74% LU0126019214
AXA IM FIIS US Libor Plus (Hedged) EUR A 3,59% k.A. k.A. LU0194338389
Euro ABS Income Fund 2,78% 2,22% k.A. AT0000664081
Oppenheim Asset Backed Securities Fonds 2,64% 2,91% k.A. AT0000648589
Marktschnitt 0,69% 1,84% 1,82%
Quelle: Feri Rating & Research, Stand: 31. Juli 2006, Vergleichsgruppe: ABS, Sortierung: Wertentwicklung über ein Jahr

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung