Lebensversicherer Wer am meisten zahlt

Schon oft wurde die Lebensversicherung für tot erklärt. Doch die deutschen Anbieter verwöhnen ihre Kunden auf lange Sicht nach wie vor mit attraktiven Renditen. Dabei lassen Versicherungsvereine die Töchter großer Finanzkonzerne erneut weit hinter sich, wie eine Studie jetzt zeigt.

Hamburg - Immer wieder werben Lebensversicherer mit mehr oder weniger transparenten Deklarationssätzen und nicht minder zweifelhaften Hochrechnungen. Doch was der Kunde nach 20 oder 30 Jahren Laufzeit seines Vertrages tatsächlich erhält, kann mitunter deutlich von den Prognosen abweichen. Orientierung bietet hier die jährlich veröffentlichte Ablaufanalyse des Branchendienstes Map-Report.

Ein Ergebnis des jetzt erschienenen Doppelheftes sei bereits vorweggenommen: Die oft totgesagte herkömmliche Kapitallebensversicherung (KLV) ist nach wie vor attraktiv. Trotz zurückliegender Börsenkrise wirft sie vor allem auf lange Sicht noch "stolze Renditen" ab. Der Fokus auf die lang laufenden Verträge ist wichtig und richtig. Denn sie kommen dem Charakter von Altersvorsorge - einer lebenslangen Sparphase - am nächsten. Die meisten Bürger begreifen ihre Police ohnehin als langfristiges Investment. Wer sie nicht vorzeitig kündigt, hält sie im Schnitt 27 Jahre.

Ein weiteres Ergebnis: Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, Unternehmen mit einem klaren Vereinscharakter und öffentlich-rechtliche Anbieter nehmen gegenüber den Lebensversicherungstöchtern großer Finanzkonzerne erneut die Spitzenposition ein. Sie hängen diese bei den Ablaufleistungen und der Rendite auf den gezahlten Versichertenbeitrag mitunter um Längen ab.

Gegenseitigkeitsverein Debeka wieder ganz vorn

Wer in dem der Studie zu Grunde liegenden Musterfall als Mann vor 30 Jahren eine KLV mit 100 Euro Monatsbeitrag und vollem Todesfallschutz bei dem "Qualitätsmarktführer" Debeka abgeschlossen hat, kann sich zum Endes dieses Jahres über eine Auszahlung von knapp 119.000 Euro freuen. Das entspricht laut Map-Report einer Rendite von 6,90 Prozent auf den Versichertenbeitrag. Der Marktschnitt aller untersuchten Anbieter liegt bei 94.945 Euro oder 5,69 Prozent. Zu Zeiten des Börsenbooms im Jahr 2001 waren es durchschnittlich 6,21 Prozent. Die Rendite ist also noch vergleichsweise stabil geblieben.

Bereinigt um den Todesfallschutz, für den ein Teil des Versichertenbeitrags ja aufgewendet wird, betrage die Rendite auf den Sparanteil der Versichertenprämie bei der Debeka sogar 7,76 Prozent. Der Marktschnitt liegt hier bei 6,57 Prozent. Im Jahr 2001 schlugen hier noch 7,17 Prozent zu Buche.

Annähernd das Wasser reichen können dem Koblenzer Gegenseitigkeitsverein nur noch die Huk-Coburg (Ablaufleistung 111.625 Euro), die "Neue Leben" (108.898 Euro) und die "Karlsruher Hinterbliebenenkasse" (106.153 Euro). Die auf den Sparanteil bezogene Ablaufrendite beziffert Map-Report mit 7,42 Prozent (Huk Coburg), 7,29 Prozent (Neue Leben) und 7,16 Prozent (Karlsruher).

"Big Player" haben zumeist das Nachsehen

Allianz Leben liegt unter den Top 30 im Mittelfeld

Schlechter stelle sich das Bild dagegen bei den Lebensversicherungstöchtern großer Finanzkonzerne dar. Leider bleibt Versicherungsexperte und Map-Report-Chef Manfred Poweleit in seiner Studie bei diesen Unternehmen Renditeangaben auf den Sparanteil der Prämie schuldig.

Gleichwohl: Bei den Ablaufrenditen 30 Jahre laufender Verträge schafft es die Allianz Leben  lediglich auf Platz 18. Eine Police des Unternehmens bringt ihrem Besitzer zum Ende dieses Jahres rund 96.300 Euro ein, was einer Rendite von 5,76 Prozent auf den gesamten Versichertenbeitrag entspricht.

Versicherungsvereine in Reinkultur wie Debeka, Süddeutsche, Stuttgarter und Continentale oder Anbieter mit einem klaren Vereinscharakter wie Huk-Coburg, DEVK und VGH bieten ihren Kunden mehr.

Cosmos Direkt, der zum italienischen Generali-Konzern  gehörende Direktversicherer, würde seinen Kunden zum Jahresende laut Map-Report rund 93.100 Euro überweisen und landete bei einer Rendite von 5,58 Prozent damit auf Rang 23. Bei der Hamburg-Mannheimer (Münchener Rück ) käme der Kunde auf rund 91.963 Euro oder 5,52 Prozent Rendite (Platz 26), beim Deutschen Herold (Zürich Gruppe) auf 91.600 Euro oder 5,49 Prozent Rendite auf den gesamten Versichertenbeitrag (Platz 28).

Die Lebensversicherungstöchter Aachen-Münchener (Generali) und Victoria (Münchener Rück) haben es der Studie zufolge nicht unter die Top 30 geschafft. Die Axa und die Nürnberger Versicherung hätten erst gar keine Zahlen gemeldet.

Gegenseitigkeit kein Freibrief für Qualität

Die erneut guten Ergebnisse der Versicherungsvereine, öffentlich-rechtlicher Anbieter und jener Unternehmen, die dem genossenschaftsrechlichen Gedanken der Vereine sehr nahe stehen, könnten beim Verbraucher den Eindruck erwecken, sie seien dort in jedem Fall besser aufgehoben als bei den Lebensversicherungstöchtern großer Finanzkonzerne. Dem ist aber nicht so.

"Die Rechstform Gegenseitigkeit ist kein Automatismus für Qualität. Es gibt selbstverständlich auch schlecht geführte Gegenseitigkeitsvereine unter den Lebensversicherern", sagt Map-Report-Chef Poweleit im Gespräch mit manager-magazin.de.

Die Chancen des Versicherten bei einem Verein oder dem Vereinscharkter sehr nahe stehenden Anbieter auf eine gute Rendite seien aber oftmals größer. Denn die Vorstände von Versicherungsvereinen seien weder Aktionärs- noch anderen Kapitalmarktinteressen ausgesetzt, was erheblich mehr Ruhe in das Geschäft bringe und es ihnen erleichtere, eine "langfristig konsistente Strategie" mit einem überschaubaren Produktangebot zu betreiben.

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