Vorsorge und Vermögensaufbau Allzweckmittel Aktie

Angesichts absehbarer Lücken bei der gesetzlichen Rente hat das Deutsche Aktieninstitut eine deutliche Stärkung von Aktien bei der Altersvorsorge gefordert. Dazu bedürfe es jedoch einer Politik aus einem Guss, so das DAI.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Achteinhalb Seiten mit Vorschlägen hat Max Dietrich Kley, Präsident des Deutschen Aktieninstituts (DAI), aus seinem persönlichen Erfahrungsbereich nach Berlin geschickt. Kley will damit den von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag festgezurrten Abbau der Bürokratie ganz praktisch unterstützen. Denn weniger Bürokratie sei dringend notwendig zur Freisetzung von Wachstumskräften. "Und eine effiziente Regulierung ist gerade am Kapitalmarkt unverzichtbar", meint der Vormann des DAI, das die Interessen der Emittenten vertritt.

Kley nutzt die DAI-Jahrespressekonferenz in Frankfurt, um einen Forderungskatalog der Emittenten an Berlin zu adressieren. Schließlich komme dem Kapitalmarkt eine zentrale Bedeutung für die Zukunft Deutschlands zu. Im Mittelpunkt steht dabei die politische Wegbereitung für die Stärkung von Aktienanlagen bei der Altersvorsorge.

"Die Riesterrente soll in den nächsten Jahren zu einer allgemein kapitalgedeckten Altersvorsorge weiterentwickelt werden", sagt Kley. Dazu gehören seiner Ansicht nach die quantitative Ausweitung der Riesterrente und eine deutlich stärkere Lenkung hin zu einem substantiellen Aktienanteil in allen Versichertenkonten und betrieblichen Pensionseinrichtungen. "Damit können die künftigen Rentner an der Wertentwicklung der Aktie partizipieren", sagt Kley.

An dem Auf und Ab der Aktienkurse sollen nach DAI-Sicht auch die Besitzer von Lebensversicherungen stärker teilnehmen können. "Eine behutsame Steigerung des Aktienanteils erscheint mir langfristig ohne Alternative - für die Versicherer wie auch für die Versicherten", ist sich Kley sicher.

Kley spielt dabei auf die Tatsache an, dass viele Versicherungen nach dem Kurssturz in den Jahren 2000 bis 2003 ihren Aktienanteil stark abgebaut haben und seitdem vornehmlich auf festverzinsliche Papiere setzen. Diese sind zwar weniger schwankungsanfällig, verzichten dafür aber auf kräftige Kurssteigerungen, wie sie der Aktienmarkt in den vergangenen Jahren wieder erlebt hat.

"Aktienanteil könnte auf 20 Prozent steigen

Es gehe nicht um eine "ausschließliche Anlage des Altervorsorgevermögens in Aktien", stellt Kley klar. Der Aktienanteil könne aber bis auf 20 Prozent steigen. Diese Botschaft sei jedoch anscheinend noch nicht klar genug in Berlin angekommen.

Es sehe ganz danach aus, dass die Bundesregierung durch das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG) die Lebensversicherungen aus der Aktienanlage hinaustreiben wolle. Der DAI-Präsident appelliert deshalb an die Regierung, die Behandlung der stillen Reserven von Aktienbeständen der Versicherer noch einmal grundlegend zu überdenken.

Laut Kley könnte die Aktie zugleich eine "zentrale Rolle bei der Neubelebung der Vermögenspolitik und der Mitarbeiterbeteiligung" spielen. Die Zahl der Belegschaftsaktionäre ist nach einer Infratest-Umfrage des DAI seit Anfang der 90er Jahre von 1,5 Millionen auf 1,3 Millionen im Jahr 2005 gesunken.

"Ich halte es für eine wichtige Aufgabe der neuen Bundesregierung, diesen Trend zu stoppen und ins Positive zu drehen", sagt Kley. Dazu müsse die Trennung in der allgemeinen Vermögenspolitik und der Förderung der Mitarbeiterbeteiligung zugunsten "einer Vermögenspolitik aus einem Guss" aufgehoben werden.

Politik aus einem Guss, dazu gehöre auch die Steuerpolitik. Der Finanzbedarf des Staates dürfe nicht zum Abwürgen des Kapitalmarktes führen, warnt das Aktieninstitut. So beunruhigt Kley die Kürzung des Sparerfreibetrages und die geplante Besteuerung von Kursgewinnen außerhalb der Spekulationsfrist. Eine Verschärfung der Erbschaftssteuer und eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer wären für den Kapitalmarkt kontraproduktiv.

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