Geldanlage Wetten für Rendite

Banken und Sparkassen locken ihre Kunden mit Sonderangeboten zur Fußballweltmeisterschaft, jetzt steigen selbst die feinen Investmentbanken in das Rennen ein. Attraktiver werden die Angebote dadurch aber nicht.

Hamburg - Deutschlands Banken geben sich Mühe. Mit viel Kreativität versuchen sie, von der Fußballbegeisterung vor der Weltmeisterschaft hier zu Lande zu profitieren. Doch Anleger- und Verbraucherschützer zeigen den meisten "WM-Fonds", "Weltmeister-Zertifikaten" oder "Bonus-Zinsen" die gelbe oder gar rote Karte. Die Stiftung Warentest hat jetzt die vier neuesten Anlageofferten zur Fußballweltmeisterschaft unter die Lupe genommen, und wieder ist das Ergebnis ernüchternd: Nur ein Finanzangebot überzeugte die Tester.

Das Festgeldangebot der Vereinigten Volksbank Böblingen/Sindelfingen habe das Zeug für eine lohnende Anlage und "hat den Sonderpreis für die originellste Idee allemal verdient", urteilten die Tester. Sparer, die sich für den "VR-Zinskick" entscheiden, erhalten bis zum 1. Februar 2008 einen jährlichen Basiszins in Höhe von 2,65 Prozent. Darüber hinaus ist aber noch ein ansehnlicher Bonus drin, abhängig vom Ausgang der Fußballweltmeisterschaft.

Die Volksbanker haben die teilnehmenden Fußballteams in Favoriten-, Mittelfeld- und Außenseitermannschaften eingeteilt. Anleger müssen beim Abschluss ihrer nun tippen, welche Elf schließlich Fußballweltmeister wird. Je nachdem, wie weit Ihre Mannschaft dann kommt, zahlt das Geldhaus seinen Kunden einen gestaffelten Zinsbonus. Und der fällt für Tipper am höchsten aus, die auf Außenseiter setzen.

Bis zu 3 Prozent Zinsen kassieren etwa Anleger zusätzlich die auf die Elf Costa Ricas oder Togos setzen. Unter dem Strich kassierten sie dann 5,85 Prozent Zinsen im Jahr. Immerhin einen Bonusprozentpunkt gibt es noch für die Weltmeisterwette auf das brasilianische Team aus der Gruppe der Favoritenmannschaften.

Nach Meinung der Stiftung Warentest können die meisten Anleger im Schnitt 3,5 Prozent Zinsen einstreichen. Das Angebot der Bank ist bis zum 31.05.2006 begrenzt, pro Kunde dürfen nur zwei Sparverträge mit einer Mindestanlage in Höhe von 5000 Euro abgeschlossen werden.

Die Dresdner Bank dagegen verspricht Neukunden bei einer Geldanlage von höchstens 20.000 Euro bis zum 31. August drei Prozent Zinsen auf das Geldmarktkonto. Sollte Deutschland Weltmeister werden, gibt es einen Extrabonus in Höhe von 0,75 Prozent - allerdings auch nur bis Ende August. Danach gibt es für die Kunden wieder magere Standardzinsen zwischen 0,5 und 1,1 Prozent. "Das Angebot ist nur für Kurzpassspieler attraktiv, die Zinsschnäppchen hinterher jagen", urteilten die Tester.

Gewinne unter Vorbehalt

Gewinne unter Vorbehalt

Richtig verlockend klingt das Angebot der Postbank . Sie bietet ihren Anlegern 6 Prozent Zinsen im ersten Jahr, wenn sich für ein Investment in ihr Weltmeister-Zertifikat (Isin: DE0001396869> entscheiden. Zudem besteht die Chance auf einen Bonusprozentpunkt, sofern das deutsche Team ins Weltmeisterschaftsfinale kommt. Und zum Ende der Laufzeit des Wertpapieres am 5. Mai 2012 bietet das Geldhaus sogar eine Kapitalgarantie. Allerdings hat das Investment mehrere Haken.

Nach der Meisterschaft hängt die Verzinsung des Zertifikates von der Entwicklung 20 ausgewählter Aktien ab, zu denen etwa die Titel von Adidas  zählen können, die der Deutschen Telekom  oder von Yahoo . Und dann gelten folgende Zinsbedingungen:

Anleger erhalten so lange 6 Prozent Zinsen für ihr Zertifikat-Investment, wie der Aktienkurs von höchstens drei der ausgewählten Titel unter 90 Prozent des Einstandspreises sinkt. Läuft es für die Anleger noch deutlich schlechter, greift stattdessen eine andere Einschränkung der Postbanker: Die Investoren erhalten nur noch 2 Prozent Zinsen, falls der Kurs von drei der ausgewählten Aktien unter 70 Prozent ihres Einstandskurses sinken sollte. Zudem drückt noch ein Ausgabeaufschlag in Höhe von 3 Prozent auf die Rendite.

Fazit der Tester: Das Zertifikat nützt nur in guten Börsenzeiten, und dann seien Anteile an einem guter Aktienfonds lohnender. Anteile28.04.2006 an dem Zertifikat gibt es ab einer Mindestanlage von 500 Euro bis zum

Wenig überzeugte die Tester auch die Go-getter-Anleihe (Isin: DE000JPM0ZJ4) der amerikanischen Investmentbank JP Morgan . Bis zum 17. März 2008 orientiert sich die Verzinsung ihrer Weltmeisterschaftsanleihe an der Kursentwicklung von acht WM-Sponsorenaktien, wie beispielsweise den Coca-Cola- , Continental-  oder Adidas-Anteilsscheinen .

Anleger haben mit diesem Bond die Chance auf eine Rendite in Höhe von 10 Prozent im ersten Jahr der zweijährigen Anleihelaufzeit und auf 20 Prozent im Folgejahr. Auch JP Morgan bietet den Käufern der Anleihe, die beispielsweise die Frankfurter Bank 1822 direkt vertreibt, eine Kapitalgarantie zum Laufzeitende.

Sparer können sich über die üppige Ausschüttung allerdings nur dann freuen, sofern sich die Kurse der ausgewählten Aktien bis zum Laufzeitende am 17.03.2008 besser entwickeln als die direkter Konkurrenten der acht Firmen. Im Falle des deutschen Sportartikelherstellers Adidas ist das beispielsweise der US-Konkurrent Nike .

Abgesehen davon, dass mögliche positive Effekte durch die Fußball-WM bereits in den Aktien enthalten sind, bewertete die Stiftung Warentest das Angebot als zu schwer durchschaubar. Andere Finanzexperten bemängeln darüber hinaus die Wahl der Aktien, deren Kursentwicklung die Wertpapierexperten von JP Morgan einander gegenüber stellen.

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