Geschlossene Fonds Zweitmarkt als Zukunftssicherung

Die Beteiligungsbranche ist im Umbruch. Nach dem Wegfall der Steuerprivilegien zählt auch für geschlossene Fonds nur noch die Rendite. Eine wachsende Rolle spielen dabei Zweitmärkte wie die Hamburger Fondsbörse Deutschland. Sie verzeichnet deutlich steigende Umsätze - und hofft ihre Rolle als "Notausstieg" abzulegen.
Von Lutz Knappmann

Hamburg - Ein Wechselbad der Gefühle erlebten Anbieter und Käufer geschlossener Fonds im vergangenen Jahr. Das Hickhack um die steuerliche Behandlung der Beteiligungsmodelle verunsicherte viele Anleger - sorgte aber auch für eine Schlussverkaufsstimmung, die der Branche das beste Ergebnis seit 1998 bescherte. 10,52 Milliarden Euro flossen 2005 in die Beteiligungsmodelle, nach 10,33 Milliarden Euro im Vorjahr. Der größte Teil des Geldes entfiel - wie gewohnt - auf Immobilienfonds (32,4 Prozent) und Schiffsfonds (26,3 Prozent).

Seit dem 11. November 2005 sind die Steuervorteile der Fonds weitgehend Geschichte. Verlustzuweisungen aus Beteiligungen, die nach diesem Stichtag gezeichnet wurden, dürfen de facto nur noch mit Gewinnen aus demselben Fonds verrechnet werden. So sieht es der neue Paragraf 15 b des Einkommensteuergesetzes vor.

Mit dem Wegfall der Steuerprivilegien steht die Branche 2006 vor vollkommen neuen Herausforderungen, denn für die Anleger zählt letztlich nur noch die Rendite. "Die Frage der Existenzberechtigung steht damit im Raum", so Florian Schoeller von der Fondsratingagentur Scope. "Verbleiben genug Vorteile, um die Nachteile aufzuwiegen?"

Die Nachteile geschlossener Fonds als Renditemodelle sind schwerwiegend. Denn aufgrund ihrer Konstruktion sind sie höchst illiquide. "Sie sind nicht börsentäglich verfügbar und können nicht jederzeit abgestoßen werden", schreibt Schoeller in einer Studie. "Weder Anbieter noch Makler stellen einen fairen und nachhaltigen Rückkaufkurs." Das einmal investierte Geld bleibe zum Teil über Jahrzehnte gebunden.

Zudem seien die Fonds wenig transparent. Nach der Platzierung "reduziert sich der Informationsfluss auf ein Minimum", kritisiert der Fondsexperte. "In Folge ist der offene und direkte Handel beinahe unmöglich." Gerade dieser Aspekt ist allerdings für die Akzeptanz der Beteiligungsmodelle als Renditebringer entscheidend. "Da muss die Branche etwas tun", so der Experte.

Zweitmarktkunden finanziell unter Druck

Handelsplattformen wie die Hamburger Fondsbörse Deutschland wittern daher Morgenluft. Dort ist mittlerweile beispielsweise der Handel mit Anteilen von rund 2000 geschlossenen Fonds möglich. "Bei rund 90 Prozent unserer Kunden ist dabei der Renditeaspekt ausschlaggebend. Steuerliche Vorteile spielen keine entscheidende Rolle", sagt Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG, im Gespräch mit manager-magazin.de. "Deshalb freuen wir uns, dass die geschlossenen Fonds nun stärker renditeorientiert arbeiten."
Der Wandel des Marktes lässt sich an der Geschäftsentwicklung der Hamburger Makler ablesen. "2005 haben wir nominal rund 42,4 Millionen Euro umgesetzt, 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Und seit Jahresbeginn 2006 liegen wir bereits bei rund 19 Millionen", so Gadeberg. Mehr als ein Fünftel des Umsatzes entfiel dabei auf das so genannte Premium-Segment, das Fonds von mittlerweile neun ausgewählten Initiatoren umfasst. Die Fallzahlen sind freilich nach wie vor klein. Insgesamt rund 1000 Deals wurden im vergangenen Jahr über die Börsenplattform abgewickelt.

Noch hat sich der Zweitmarkt nicht vollkommen als alltägliche Handelsplattform für geschlossene Fonds etabliert, sondern dient häufig als Notausstieg. "Wir gehen davon aus, dass ein relativ großer Teil der Verkäufer finanziell unter Druck steht", so Gadeberg. Auch bei Krisenfällen wie der Pleite verschiedener Falk-Fonds klingelt bei den Hamburgern häufig das Telefon. Doch ob die besorgten Anleger, die ihre absturzbedrohten Anteile losschlagen wollen, tatsächlich einen Käufer finden, ist nicht unbedingt sicher.

Die Liquidität der Fonds auf dem Zweitmarkt ist qualitätsabhängig. "Die gut laufenden Fonds sind sehr liquide", berichtet Gadeberg. "Bei einem guten Schiffsfonds ist es nicht ungewöhnlich, dass auf einen Anteil sechs Kaufinteressenten kommen." In Krisenfällen sieht das Verhältnis häufig etwas anders aus.

Doch die Makler sind optimistisch, ihr Geschäft in den kommenden Jahren kräftig auszubauen. Mittlerweile kooperiert die Fondsbörse deshalb auch direkt mit einer Reihe von Fonds-Vertriebsgesellschaften, um damit mehr Kunden an den Zweitmarkt zu locken.

Konkurrenz bekommen die Hamburger mittlerweile auch aus dem Internet: Die Fondsplattform Efonds24 ermöglicht ihren Kunden in Zusammenarbeit mit der US-Bank Lehman Brothers  und der Meridian10 GmbH den Handel mit rund 100 Schiffsfonds. Hinzu kommen eine reihe von Zweitmarktfonds und emittenteneigenen Handelsplattformen.

Für die Zukunft der Beteiligungsbranche dürfte der Erfolg dieser Zweitmärkte eine zentrale Rolle spielen. "Die Zeiten der einfachen Erfolge sind vorbei", konstatiert Scope-Experte Schoeller. "Der Mut zu mehr Transparenz ist eine Grundvoraussetzung für die Weiterentwicklung der Geschlossenen Fonds zu einer Anlageklasse, die auf gleicher Augenhöhe mit den Etablierten agieren kann."

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