DaimlerChrysler Durchstarten mit Mercedes

Es ist vor allem die Restrukturierungsstory der Mercedes Car Group, die Analysten in großer Mehrheit positiv für die Aktie stimmt. Zwar habe Konzernchef Dieter Zetsche noch viel Arbeit vor sich. Doch der Chrysler-Sanierer dürfte auch diese Aufgabe packen.

Hamburg - Krise bei Smart, Vertriebsaffäre, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Qualitätsoffensive der Mercedes Car Group (MCG), Schrempp-Rücktritt. DaimlerChrysler  hat ein turbulentes Jahr hinter sich - und Dieter Zetsche noch viel vor sich. Die Hauptaufgabe des neuen Vorstandschefs dürfte vor allem darin bestehen, MCG wieder auf die Erfolgsspur zu führen und den geplanten Personalabbau in ruhige Bahnen zu lenken.

Viele Experten trauen das dem Ingenieur und neuen Hoffnungsträger an der Konzerspitze offenbar zu. 60 Prozent der von Bloomberg befragten 40 Analysten (Stand: 12. Januar 2006) empfehlen die Aktie zum Kauf. Lediglich 13 Prozent stufen den Titel auf "verkaufen".

Es ist vor allem die Restrukturierungsstory der Mercedes Car Group, auf die die Experten setzen und die sie in der überwiegenden Mehrzahl zu einer positiven Gesamteinschätzung des Konzerns veranlasst.

So zeigt sich auch LRP-Analyst Punzet für MCG optimistisch. Zwar rechnet der Experte in dieser Sparte mit einem operativen Verlust von 274 Millionen Euro im Jahr 2005 (2004: 1,666 Milliarden Euro Gewinn). Den Ergebnisrückgang führt er aber in erster Linie auf die Restrukturierungskosten bei Smart (1,2 Milliarden Euro) sowie Aufwendungen für die Qualitätsoffensive (600 Millionen Euro) zurück. Die Kosten für den geplanten Abbau von 8500 Stellen schätzt Punzet auf 500 Millionen Euro im Jahr 2005 und weitere 450 Millionen Euro im Jahr 2006.

Gleichwohl rechnet LRP mit einer deutlichen Ergebnisverbesserung der Mercedes Car Group, die in diesem Jahr einen operativen Gewinn von rund 2,666 Milliarden Euro zum Konzernergebnis beitragen dürfte. Das operative Ergebnis des Gesamtkonzerns taxiert Punzet in diesem Jahr auf 8,474 Milliarden Euro nach 5,365 Milliarden Euro im Jahr 2005. Das wäre ein sattes Plus von knapp 58 Prozent.

Das Ergebnis je Aktie (EPS) dürfte von 2,86 Euro (2005) auf 4,30 Euro steigen, schreibt der Analyst. Auch andere Experten erwarten einen kräftigen wenn auch nicht ganz so stark ausfallenden Gewinnanstieg. Stephan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg etwa rechnet mit einem operativen Gewinn von 7,2 Milliarden Euro in 2006.

"Smart-Verkauf teuer - aber sinnvoll"

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Die Zukunft von Smart ist weiter unklar. Zetsche, der zugleich die Mercedes Car Group und damit auch Smart leitet, denkt laut über mögliche Kooperationen aber ebenso einen Verkauf der Marke nach. Analyst Punzet hält eine Trennung des Konzerns von der Kleinwagenschmiede für sinnvoll. Dies wäre einerseits mit erheblichen Einmalkosten von bis zu drei Milliarden Euro verbunden, dürfte aber andererseits langfristig die Rentabilität der MCG-Sparte verbessern.

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Da die Landesbank Rheinland-Pfalz weder bei Chrysler noch bei der Nutzfahrzeugsparte mit einer spürbaren Verschlechterung rechnet, dürfte vor allem der erwartete Aufwärtstrend bei MCG die Aktie von DaimlerChrysler  beflügeln. Punzet bewertet den Titel als "Outperformer" und sieht das Kursziel zum Jahresende bei 55 Euro.

Citigroup: MCG-Faktor wird überschätzt

Das Researchteam von Deutschlands größter Sparkasse, der Hamburger Sparkasse, empfiehlt die Aktie weiter zum Kauf. "DaimlerChrysler hat die entscheidende Kurve genommen", sind die Analysten überzeugt. Die Modellpalette sei viel versprechend. Die Restrukturierung der Mercedes Car Group koste zwar viel Geld, eröffne in der Summe aber ein deutliches Ertragspotenzial, das die Aktie auf Touren bringen sollte, schreiben die Analysten.

Die wenigen negativen Stimmen sollen gleichwohl nicht verschwiegen werden. So haben Mitte Januar die Analysten der Citigroup ihre Verkaufsempfehlung für DaimlerChrysler erneuert. Sie trauen dem Konzern durchaus eine zügige Erholung bei der Mercedes Car Group zu, messen ihr aber einen niedrigeren Stellenwert bei. Wäre die Entscheidung für ein Investment in DaimlerChrysler lediglich von MCG abhängig, wäre man zweifelsohne "bullish" für die Aktie gestimmt.

Der Konzern bestehe aber aus mehreren Sparten. So befinde sich die Nutzfahrzeugsparte am zyklischen Höhepunkt, die Finanzdienstleistungen seien am Abrutschen und Chryslers Erfolg auf dem hart umkämpften US-Markt sei der Gefahr von Schwankungen ausgesetzt, meinen die Citigroup-Analysten.

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