Apple Die Kraft der zwei Herzen

Noch während Apple-Chef Steve Jobs die neuen Computer mit Intel-Prozessoren vorstellte, markierte die Aktie des Elektronikherstellers ein Allzeithoch. Nicht nur die Mac-Afficionados haben ihre Skepsis gegenüber der Allianz mit dem Chipriesen inzwischen abgelegt – auch Aktienexperten prophezeien Apple weiteres Wachstum.

San Francisco/New York - Intel , ausgerechnet! Die Skepsis der Kunden war greifbar, als der Computerhersteller Apple  im vergangenen Sommer bekannt gab, die Prozessoren seiner Rechner künftig vom Branchenführer aus Santa Clara zu beziehen. Schließlich gehörte der Chipgigant in den Augen vieler Apple-Kunden zum "bösen Wintel-Imperium", dem Zusammenspiel von Microsofts Betriebssystem Windows und den Intel-Chips, das den PC-Markt beherrscht.

Am Dienstag nun stellte Apple die ersten Rechner mit Intel-Herzen vor, die ersten Ergebnisse der ungewohnten Allianz. Und alle Skepsis schien plötzlich wie weggeblasen: Die Apple-Jünger auf der Macworld Expo in San Francisco brachen in Jubel aus, als Konzernchef Steve Jobs im Beisein von Intel-Vormann Paul Otellini den Schleier von den neuen Intel-Macs lüftete. Die Apple-Aktie vollführte noch während Jobs Rede einen Freudensprung - und stieg um mehr als 6 Prozent. Erstmals in seiner Geschichte kletterte das Papier damit über 80 Dollar. Am Mittwoch stieg das Papier zu Handelsbeginn in New York um weitere 2,9 Prozent auf 83,18 Dollar.

Der Coup war geglückt. Die neuen iMac- und MacBook-Pro-Modelle mit so genannten Core Duo Prozessoren von Intel kommen fast ein halbes Jahr früher in den Handel als die Anwendergemeinde erwartet hatte. "Jeder hat damit gerechnet, das Intel-Notebook auf der Macworld zu sehen", sagte Analyst Ted Schadler von Forrester Research. "Aber die Leute haben nicht damit gerechnet, den neuen iMac zu sehen."

Eingeleitet hatte Apple-Chef Jobs seinen Messeauftritt zudem mit der Bekanntgabe von Rekordergebnissen, die den Run auf die Aktie weiter befeuerten. So ist der Absatz des Musikplayers iPod im vierten Quartal auf 14 Millionen Stück gestiegen - das Dreifache gegenüber dem Vorquartal. Insgesamt seien seit der Markteinführung 42 Millionen iPods abgesetzt worden. Der dazugehörige Online-Musikdienst iTunes habe bis dato 850 Millionen Lieder verkauft.

Analyst Michael Gartenberg von Jupiter Research nannte den Absatz "unglaublich". "Damit wird die Stellung klar gefestigt - nicht nur als führender Anbieter, sondern als dominierender Anbieter." Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray & Co., ergänzte: "Die iPod-Zahl hat alle total überrascht." Er hatte damit gerechnet, dass Apple im Weihnachtsquartal elf Millionen Musikplayer absetzen kann.

"Die Anleger hätten sowieso gekauft"

"Die Anleger hätten sowieso gekauft"

Auch mit dem Gesamtumsatz von 5,7 Milliarden Dollar übertraf Apple die Erwartungen der meisten Fachleute, die mit 4,9 bis 5,0 Milliarden gerechnet hatten. "Apple hat die Erwartungen für den Umsatz und für iPods weggeblasen", sagte Shannon Cross von Soleil-Cross. "Und wenn man die Zahlen hochrechnet, werden sie die Erwartungen für den Gewinn je Aktie vermutlich auch übertreffen."

Gleich reihenweise hoben die Analysten der großen Banken daraufhin am Mittwoch ihre Empfehlungen für die Apple-Aktie an. So erhöhte UBS  das Kursziel von 86 auf 100 Dollar. Die Bank of America  schraubte es immerhin von 78 auf 87 Dollar hoch. Denselben Schritt vollzogen auch die Analysten von Lehman Brothers . Sie beließen ihre Empfehlung allerdings unverändert bei "equal-weight", da kurzfristig keine kurstreibenden Neuigkeiten mehr zu erwarten seien. Zudem verlaufe das erste Geschäftshalbjahr traditionell eher schwächer.

Doch der frühe Start der Intel-Macs war Sensation genug, um die Apple-Aktie in die Höhe zu treiben. "Eine Prozessorfamilie zu tauschen ist keine einfache, sondern eine Herkulesaufgabe. Für Apple ist das eine enorme Leistung, diese Aufgabe sechs Monate nach der ersten Ankündigung erledigt zu haben", sagte Analyst Shwa Wu von American Technology Research in San Francisco.

Mit den neuen Chips könne Apple seinen mittlerweile auf mehr als 4 Prozent gestiegenen Marktanteil in den USA weiter vergrößern. Der Elektronikkonzern hatte in den vergangenen Jahren langsam, aber stetig seinen US-Marktanteil ausweiten können. Nachdem dieser lange zwischen 2,5 und 3,7 Prozent des PC-Marktes schwankte, wurden im dritten Quartal des zurückliegenden Jahres 4,4 Prozent erreicht. Das entspricht einem Zuwachs um 43 Prozent binnen Jahresfrist, während der Gesamtmarkt nur um 2 Prozent zulegen konnte. Fast jeder vierte der 4,5 Millionen Rechner, die Apple 2005 in den USA absetzen konnte, wurde von früheren Windows-Nutzern gekauft, die sich zum Wechsel entschlossen haben.

Manchem Analysten wird der Hype um die Apple-Aktie mittlerweile allerdings unheimlich. "Apple hätte Hundefutter ankündigen können und die Aktie wäre um 5 Prozent gestiegen", sagte Charlie Wolf, Analyst beim US-Investmentbanker Needham.

Die Analysten von Pacific Continental Securities senkten ihr Votum gar von "akkumulieren" auf "halten". Die zunehmende Konkurrenz im iPod-Segment sei Besorgnis erregend, warnten die Marktbeobachter. Es sei damit zu rechnen, dass Apple seinen hohen Marktanteil von 75 Prozent nicht auf Dauer halten könne. Ohnehin sei die Aktie nach dem deutlichen Kursanstieg der vergangenen Wochen mit einem KGV von rund 45 ausreichend bewertet.

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