Allianz Alles neu

Selten hat eine neue Konzernstruktur für so viel Aufsehen gesorgt, wie der Umbau bei Deutschlands größtem Versicherungskonzern Allianz. 2006 sollen die ersten Erfolge sichtbar werden. Analysten vertrösten Anleger eher auf 2007.

München - Die Allianz  baut um. So gewaltig, dass vor allem deutsche Mitarbeiter verunsichert scheinen und gegen ihr Management protestieren. Experten können den Allianz-Leuten auch für das kommende Jahr keine Entwarnung geben: Der Versicherer werde 2006 den begonnenen Umbau von einer deutschen Aktiengesellschaft zu einem europäischen Konzern vorantreiben, sagen Analysten einhellig. Und sie glauben, dass Allianz-Chef Michael Diekmann Erfolg haben wird.

"Die Allianz dürfte eine deutlich höhere Gewinndynamik aufweisen als die meisten ihrer Konkurrenzunternehmen", urteilt Analyst Lucio di Geronimo von der HypoVereinsbank (HVB) mit Blick auf die nächsten beiden Geschäftsjahre in seiner jüngsten Studie. Bei seiner Gewinnschätzung geht er davon aus, dass die Allianz ihre Ziele erreichen wird.

Auch Konrad Becker, Analyst des Bankhauses Merck Finck, sieht den nach Prämieneinnahmen führenden Versicherungskonzern in Europa auf gutem Weg: "Das von der Allianz formulierte Ziel einer Ergebnissteigerung von jährlich 10 Prozent ist realistisch."

Für die geplanten Umstrukturierungen hat die Allianz in den vergangenen Monaten die Weichen gestellt und entscheidende Schritte unternommen, der Großteil der Ausgestaltung muss aber 2006 erfolgen. So soll bis Mitte nächsten Jahres die Änderung der Rechtsform von einer deutschen Aktiengesellschaft in eine Europäische Gesellschaft (Societas Europaea) abgeschlossen sein.

Damit einher geht die Verschmelzung der italienischen Tochter Riunione Adriatica di Sicurta SpA (RAS) auf die Allianz, über die die Aktionäre beider Gesellschaften noch auf außerordentlichen Hauptversammlungen Anfang Februar entscheiden müssen.

Ziel der Verschmelzung ist eine neue Unternehmensstruktur. Tochterfirmen der Allianz und RAS werden dann gemeinsam bei der Allianz SE gebündelt.

Neue Struktur, höherer Gewinn

Im Inland will die Allianz ihre Sachversicherungs-, Kranken- und Lebensversicherungssparte in der Allianz Deutschland AG bündeln. Als vierte Säule dieser Inlandsholding soll der bislang getrennt agierende Vertrieb der drei Sparten in einer Gesellschaft zusammengefasst werden. Durch die Umstrukturierung befürchten Mitarbeiter und Gewerkschaften den Verlust vieler Stellen.

Klarheit wird Anfang kommenden Jahres herrschen: Dann soll die Struktur der Deutschland-Holding stehen - und damit auch, wie viele Menschen künftig bei der Allianz Deutschland arbeiten werden.

Lohn des Umbaus soll ein höherer Konzerngewinn sein als bisher von dem Versicherungsunternehmen erreicht. Allianz-Chef Diekmann rechnet für 2005 mit einem Überschuss von 4,34 Milliarden Euro. 2006 soll er auf 4,92 Milliarden Euro klettern. Bis 2008 peilt Diekmann dann einen Überschuss von knapp sechs Milliarden Euro an.

Beim operativen Ergebnis stellte die Allianz für 2006 einen Zuwachs auf 8,36 Milliarden Euro in Aussicht. Bis 2008 soll er auf 10,36 Milliarden Euro steigen.

HVB-Analyst di Geronimo ist da etwas zurückhaltender. Für 2006 rechnet er mit einem Nachsteuerergebnis von rund 4,73 Milliarden Euro sowie 11,65 Euro je Aktie, nach prognostizierten 4,35 Milliarden Euro und 11,05 Euro je Aktie für 2005.

Hauptgrund für den Versicherungsexperten: Die Allianz will beispielsweise die Kostenquote in ihrer Sachversicherungssparte um rund 2 Prozentpunkte auf unter 23 Prozent drücken.

Deutlich besser werde es ab 2007. "Dann werden sich signifikante Effizienzsteigerungen in den neuen Strukturen zeigen", erwartet Merck-Finck-Analyst Becker.

Von Rolf Neumann, Dow Jones Newswires

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