Henkel Weiter so!

Dank weltweiter Zukäufe hat Henkel in der Vergangenheit kontinuierlich seine Gewinne gesteigert. Die Abhängigkeit von Geschäft in Westeuropa ist gesunken. Diese Strategie sollte auch im Jahr 2006 Früchte tragen, sagen Analysten.

Düsseldorf - Beim Konsumgüterkonzern Henkel  wünschen sich Analysten für das kommende Jahr vor allem, dass es so weitergeht wie das alte. Denn in den ersten neun Monaten 2005 hatte sich das organische Umsatzwachstum von Quartal zu Quartal beschleunigt, und der Konzern hat Marktanteile gewonnen.

Noch kräftiger als der Umsatz wuchs das Ergebnis. Wesentlicher Grund für die gute Entwicklung waren die Zukäufe der vergangenen Jahre. Von ihnen wird der Düsseldorfer Dax-Konzern und mit ihm seine Investoren nach Einschätzung der Beobachter auch 2006 profitieren.

Denn durch die Übernahme des Waschmittelherstellers Dial, des Haarkosmetikunternehmens ARL und des Klebstoffherstellers Sovereign hat sich Henkel unabhängiger vom westeuropäischen Markt mit seinen zurückhaltenden Konsumenten gemacht. Nordamerika hat für Henkel stark an Bedeutung gewonnen, rund ein Viertel seiner Erlöse verzeichnet der Konzern mittlerweile dort.

Analysten halten Wachstumsziele für realistisch

Wichtiger als in der Vergangenheit ist auch Osteuropa, wo sich die Gewohnheiten der Verbraucher denen im Westen allmählich angleichen. Henkel wächst dort im zweistelligen Prozentbereich. Insgesamt hat sich der Konzern bis zum Jahr 2008 ein jährliches organisches Umsatzplus von 3 Prozent bis 4 Prozent zum Ziel gesetzt. Das ist ein Zuwachs über dem Markt insgesamt, für den nur eine Steigerung von bis zu 2,5 Prozent pro Jahr erwartet wird.

Das Wachstumsziel ist nach Einschätzung von Analysten realistisch. Christian Weiz von der HypoVereinsbank meint, dass es vor allem vom Segment Technologies, in dem zum Beispiel Klebstoffe für die Industrie hergestellt werden, getragen wird. Aber auch der Bereich der Klebstoffe für Konsumenten und Handwerker werde zulegen.

Bei dem Geschäft mit Wasch- und Reinigungsmitteln, dem umsatzstärksten Bereich, sieht Weiz die Düsseldorfer ebenfalls gut positioniert: "Henkel versteht es, hier mit Innovationen zu glänzen und zu wachsen." Dabei scheut das Traditionsunternehmen nicht vor ungewöhnlichen Ideen zurück. So hat der italienische Designer Alessi für Henkel jüngst einen WC-Duftspüler kreiert, mit dem Henkel neue Käuferschichten erschließen will.

"Geiz ist geil"-Welle ebbt ab

"Geiz ist geil"-Welle ebbt ab

Im Segment Kosmetik und Körperpflege, das rund ein Viertel der Umsätze liefert, rechnet Analyst Weiz mit stärkeren Schwankungen der Ergebnisse. Es werde wohl nicht einfach, die sehr guten Zahlen des dritten Quartals konstant fortzuführen. Die Marge des Bereichs, in dem vor allem Produkte für die Haarpflege hergestellt werden, hatte sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert und ist die höchste innerhalb der Henkel-Gruppe.

Für eine gute Entwicklung im kommenden Jahr spricht auch, dass die "Geiz ist geil"-Welle, die Henkel vor allem bei den Waschmitteln zeitweise zugesetzt hatte, offenbar nachlässt. Das Geschäft der Discounter mit den so genannten Handelsmarken, die den Markenprodukten über den Preis Konkurrenz machen, habe seinen Höhepunkt erreicht, sagte kürzlich Friedrich Stara, der den Bereich Wasch- und Reinigungsmittel seit dem Sommer leitet.

Nur kleine Akquisitionen im Jahr 2006 erwartet

Wachsen will Henkel nicht nur mit den eigenen Produkten, sondern auch durch Zukäufe. Nach den großen Schritten der vergangenen Jahre rechnen die Beobachter 2006 aber nur mit kleineren Akquisitionen, in erster Linie in Asien. Vor allem im zersplitterten Markt für Klebstoffe übernimmt Henkel stetig kleine Wettbewerber und sichert so die gute Position. Analyst Heinz Müller von der DZ Bank erwartet deshalb, dass der Konzern hier auch künftig Preiserhöhungen durchsetzen und so die hohen organischen Wachstumsraten des Bereichs halten kann.

Nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Ergebnis sehen die Analysten Henkel daher auf Kurs zu den langfristigen Finanzzielen. Bis 2008 soll die Ebit-Marge auf 12 Prozent steigen. Im Jahr 2004 hatte der vergleichbare Wert noch bei 9,4 Prozent gelegen. Dazu beitragen wird das im vergangenen Jahr aufgelegte Spar- und Restrukturierungsprogramm. Bis Ende 2006 will Henkel die Kostenbasis um insgesamt 115 Millionen Euro senken. Die Belastungen durch dieses Programm, vor allem für Abfindungen, hatte Henkel bereits komplett im vergangenen Jahr verbucht.

Richard Breum, Dow Jones Newswires

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