Mittwoch, 19. Februar 2020

Hedgefonds "Die Gefahr einer Blase ist real"

Eine stärkere Regulierung von Hedgefonds ist nötig, sagt Alan J. Brown, Chefstratege der Investmentgesellschaft Schroders. Im Krisenfall seien die Kapitalmärkte gegen allzu große Schäden zwar gewappnet. Problematisch sei aber, dass die Fonds bei ihren Spekulationsgeschäften mittlerweile exzessiv Kredite einsetzen.

Frankfurt am Main - Alan J. Browns Vertrauen in die Zentralbanken ist sehr groß. Und das aus gutem Grund. Der Chef-Anlagestratege der Fondsgesellschaft Schroders erinnert an die Ereignisse des 11. September 2001 in New York. Damals hatte der Terroranschlag auf das World Trade Center und damit auf das Finanzzentrum der Welt auch die Kapitalmärkte in Atem gehalten.

Alan Brown: Chief Investment Officer der Fondsgesellschaft Schroders
Trotz großer Zerstörungen im Herzen der Wall Street schaffte es die amerikanische Notenbank Fed, dass der Kapitalverkehr verhältnismäßig ungestört weiterlief. "Die Bank of New York hatte ein arges Problem mit ihren Computerkapazitäten, so dass die reibungslose Abwicklung der Wertpapiertransaktionen gefährdet war", erzählt Brown. Die Notenbanker hätten das Problem sofort erkannt, und die Fed sei für die Bank eingesprungen. "Damals habe ich den Lender of Last Resort wirklich in Action erlebt", sagt Brown, und sie habe ihn von ihrer Effizienz überzeugt.

Der 52-jährige Investmentprofi analysiert die Themen seiner Branche nüchtern. "Ja, ich bin für die Regulierung der Hedgefonds", sagt er. Für ihn, der seit mehr als 30 Jahren in diesem Geschäft tätig ist, ist die Regulierung der Fonds eine gute Sache. Schließlich seien die Prime Broker, also jene Banken, die die Geschäfte der Hedgefonds abwickeln, die Einzigen, die wirklich wüssten, wie die Fonds investieren. Interessenkonflikte sind in diesem Geschäft nicht ausgeschlossen. Auf der einen Seite müssten die Prime Broker darauf achten, dass die Kredite, die sie den Fonds gewähren, getilgt werden könnten. Auf der anderen Seite würden höhere Kreditvolumina auch höhere Einnahmen liefern.

Das Risiko einer Hedgefonds-Blase ist seiner Ansicht nach vorhanden. Schlaflose Nächte bereitet ihm das aber nicht. Spekulative Übertreibungen gebe es immer irgendwo in der globalen Welt des Asset Managements. "Die Diskussion über den Risikofaktor Hedgefonds erinnert mich ein wenig an die Diskussion, ob es wieder einen Terrorangriff gibt", sagt er provozierend. Manchmal könne man den Eindruck bekommen, dass Hedgefonds und Derivate "der Teufel in neuem Gewand" seien, legt er schmunzelnd nach. Die Diskussion über Hedgefonds geht dem studierten Physiker nicht tief genug.

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