Mittwoch, 19. Februar 2020

Hedgefonds Denn sie wissen nicht, was sie tun

Hedgefonds betreiben ein undurchsichtiges Geschäft. Ihre Spekulationen finanzieren sie häufig auf Pump, auch mit dem Geld europäischer Banken. Die EZB warnt, viele Kreditgeber unterschätzten die Risiken dieses Geschäfts. Die Argumente sind Wasser auf die Mühlen der Regulierungsbefürworter.

Frankfurt am Main - Als John Meriwether die Zahlen entglitten, schaute das Weltfinanzsystem in den Abgrund. Die Wallstreet-Legende hatte sich verspekuliert. Die Rechenmodelle seines Fonds, die die renommierten Nobelpreisträger Robert Merton und Myron Scholes entwickelt hatten, bargen Lücken. Und deren Folgen drohten, apokalyptische Ausmaße anzunehmen.

"Nicht notwendigerweise gefährlich": EZB-Studie prüft Risiken im Umgang mit Hedgefonds
Kurz zuvor, im Sommer 1998, war die Russland-Krise eskaliert. Die Abwertung des Rubels machte russische Staatsanleihen über Nacht nahezu wertlos - und auch die Bonds anderer Staaten in den Augen vieler Investoren zu einem riskanten Geschäft. Daraufhin setzte eine beispiellose Fluchtbewegung in vermeintlich sicherere Geldanlagen ein. Meriwethers bis dahin renditeträchtigen Hedgefonds Long Term Capital Management, kurz LTCM, trieb sie an den Rand des Zusammenbruchs.

Denn LTCM hatte ausgerechnet auf Kursänderungen bei Staatsanleihen spekuliert. Am Ende ging dem Hedgefonds das Geld aus, um seine Verbindlichkeiten zu besichern. Das Eigenkapital schrumpfte auf 600 Millionen Dollar. Dabei jonglierte der Fonds zeitweise mit Finanzkontrakten im Gesamtwert von 1,25 Billionen Dollar.

Nur eine gemeinsame Rettungsaktion der US-Notenbank und zahlreicher Großbanken rettete LTCM vor dem Kollaps. Mit einer Finanzspritze von rund 3,7 Milliarden Dollar verhinderten sie, dass der gestrauchelte Renditestar auf dem Kapitalmarkt einen fatalen Dominoeffekt auslöste. So sorgte das LTCM-Debakel nur für eine kontroverse Diskussion über die Regulierung riskanter Kapitalmarktgeschäfte.

Heute, sieben Jahre später, ist die Debatte über eine strengere Kontrolle von Hedgefonds nach wie vor hochaktuell. Erst vor wenigen Tagen forderte die Bundestagsfraktion der Linkspartei/PDS, Hedgefonds in Deutschland künftig generell nicht mehr zuzulassen. Sie hätten sich in der Vergangenheit zu einem Problem für die Stabilität der Finanzmärkte entwickelt, formulierten die Antragsteller.

Solche Forderungen sind zwar Extrempositionen in einer häufig emotional geführten Diskussion - und haben wenig Aussicht auf Erfolg. Doch auch die große Koalition in Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, "auf internationaler Ebene für eine angemessene Aufsicht und Transparenz von Hedgefonds" zu kämpfen. Denn abseits sattsam bekannter Heuschrecken-Szenarien, nehmen Politiker und Finanzexperten die Frage, welche Gefahr die riskanten Fonds für die Stabilität des Weltfinanzsystems bergen, sehr ernst.

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