Riester-Rente Auf geht's, Männer!

Das Interesse an der Riester-Rente wächst. Doch noch immer schöpft nur ein Bruchteil der Berechtigten die staatlichen Zuschüsse zur Altersvorsorge aus. Vor allem Männer sollten sich sputen. Denn mit der Einführung so genannter Unisex-Tarife ab 2006 dürften Riester-Policen für sie deutlich teurer werden.

Hamburg - Ganz allmählich greift die Erkenntnis, dass privat vorsorgen muss, wer im Alter finanziell abgesichert sein will. Immer mehr Verbraucher wenden sich deshalb privaten Rentenversicherungen zu. Aus einer aktuellen Allensbach-Studie im Auftrag der Postbank geht hervor, dass die private Rentenversicherung mittlerweile den Immobilienkauf als beliebteste Altersvorsorge abgelöst hat.

Fast jeder vierte Berufstätige plane den Abschluss einer Rentenpolice, heißt es in der Studie. Einen Immobilienkauf erwägen demnach nur 23 Prozent der Befragten. Mit 42 Prozent aller Nennungen nähere sich die private Rentenversicherung zudem immer mehr dem Stellenwert der gesetzlichen Rente (65 Prozent), wenn die Befragten die Ideale Form der Altersvorsorge skizzieren sollen.

Vor allem bei den Jüngeren wächst inzwischen das Bewusstsein um die Notwendigkeit privater Vorsorge: Während von den heutigen Rentnern und Pensionären lediglich 15 Prozent eine private Rentenversicherung als wichtigen Bestandteil ihrer Alterseinkünfte angeben, waren es bei den künftigen Rentnern und Pensionären immerhin 55 Prozent.

In eigentümlichem Widerspruch dazu steht die Klage der Finanzbranche, besonders die staatlich geförderten Riester-Angebote würden weit weniger nachgefragt als erhofft. Nicht einmal ein Fünftel der Anspruchsberechtigten habe bislang einen Antrag auf staatliche Förderung der Altersvorsorge gestellt.

Der Absatz von Riester-Produkten verlaufe "schleppend", berichtet beispielsweise der Bundesverband Investment und Asset-Management. Und das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DAI) moniert, das Hauptziel der Rentenreform sei noch lange nicht erreicht. Die Riester-Rente müsse dringend einfacher und flexibler gestaltet werden, um mehr Interessenten zu erreichen.

Nachfrage nimmt allmählich zu

Nachfrage nimmt allmählich zu

Das Riester-Modell umfasst die Förderung privater Altersvorsorge durch Zulagen und Steuervorteile. Legt ein Sparer monatlich mindestens 2 Prozent (ab 2008: 4 Prozent) seines Bruttoeinkommens, maximal 1050 Euro pro Jahr (ab 2008: 2100 Euro) zur Seite, legt ihm der Staat alljährlich 76 Euro drauf. Eltern bekommen zusätzlich 92 Euro Zulage pro Kind. Ab 2008 verdoppeln sich die Beträge auf 154 Euro Grund- und 185 Euro Kinderzulage.

Hinzu kommt eine individuelle Steuerersparnis. Denn Beiträge zur Riester-Rente plus die staatlichen Zulagen können als Sonderausgaben in der Steuererklärung abgesetzt werden. Das Finanzamt errechnet zum Jahresschluss, ob die Steuerersparnis höher ist als die direkten Zuschüsse, und erstattet gegebenenfalls die Differenz. Am Ende steht dann eine monatliche Garantierente ab dem 65. Lebensjahr - und mittlerweile auch die Möglichkeit, sich bis zu 30 Prozent des Kapitals schon zu Rentenbeginn auszahlen zu lassen.

Immerhin nimmt die Nachfrage nach Riester-Produkten inzwischen stetig zu. "Das Wachstum geht weiter" prognostiziert Sylvia Herbrich, Pressesprecherin der Deutschen Vermögensberatung, im Hinblick auf eine steigende Zahl der Riester-Abschlüsse. "Nicht nur, dass immer mehr Menschen den dringenden Bedarf an privater Altersvorsorge erkennen, durch das vereinfachte Zulagenverfahren sind die Policen auch attraktiver geworden", so Herbrich gegenüber manager-magazin.de. Seit Jahresbeginn muss die Zulage für die Riester-Rente nur noch einnmal und nicht jedes Jahr aufs Neue beantragt werden.

Im ersten Halbjahr 2005 hat die Deutsche Vermögensberatung gut 55.000 Riester-Verträge vermittelt - das bedeutet einen Zuwachs um 110 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2004. Der weltweit größte eigenständige Finanzvertrieb war im vergangenen Jahr Marktführer im Neugeschäft. Insgesamt hat die Gesellschaft seit 2001 rund 575.000 Riester-Verträge vermittelt.

Auch Branchenriese Allianz Leben  betont, das Interesse an Riester wachse. "Wir haben bereits jetzt 25 Prozent mehr Verträge verkauft als im gesamten letzten Jahr", bilanzierte Vorstandschef Gerhard Rupprecht im Sommer zum Abschluss des ersten Halbjahres. Rund 35.000 Riester-Verträge habe der Lebensversicherer bis dahin abgeschlossen.

Für Männer wird's teurer

Für Männer wird's teurer

Befürchtungen, eine neue Bundesregierung könnte das Riester-Sparen zum Zwangssparen erklären, um die private Altersvorsorge von Staats Wegen anzuschieben, könnten am Ende doch noch ins Leere laufen. Denn zum Jahresende rechnen viele Anbieter noch einmal mit einem Run auf die bezuschussten Renten.

Besonders für Männer wird die Zeit nämlich knapp: Nur noch bis Ende des Jahres erwerben sie mit dem Abschluss eines Riestervertrages den Anspruch auf eine deutlich höhere Rente als Frauen - bei gleichem Beitrag. Vom 1. Januar 2006 an gelten dann so genannte Unisex-Tarife: Männer und Frauen bekommen denselben Rentenbetrag ausbezahlt - obwohl Frauen statistisch eine um fast sechs Jahre höhere Lebenserwartung haben.

Branchenbeobachter unken, diese Neuregelung führe vor allem dazu, dass die Beiträge für Männer um rund 10 Prozent anstiegen, während für Frauen allenfalls winzige Beitragssenkungen heraussprängen. "Die Männer finanzieren dann die höhere Lebenserwartung der Frauen mit", so die Kritik.

Den Anbietern der Riester-Policen könnte die Neuregelung aber im Herbst noch einen "Männer- Schlussverkauf" bescheren. Die DVAG rechnet mit einem regelrechten Ansturm männlicher Riester-Sparer. "Viele Kunden sind in den Gesprächen noch immer erstaunt über eine derartige Regelung und entsprechend dankbar für den Hinweis", berichtet Herbrich. "Ein Mann, der eine Riester-Rentenpolice wünscht, schließt noch in diesem Jahr ab", rät auch Wolfgang Scholl vom Verbraucherzentrale Bundesverband. "Damit sichert er sich den günstigeren Tarif und die Förderung 2005."

Trotz Unisex-Tarifen werde die Riester-Rente aber auch künftig eines der attraktivsten Vorsorgeprodukte darstellen, betont DVAG-Sprecherin Herbrich und appelliert: "Viel zu wenige Anspruchsberechtigten nutzen die Riester-Förderung - das darf so nicht bleiben."

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