Falk Capital Das harte Wort "Schneeballsystem"

In den Wirren um den Zusammenbruch des Fondsinitiators Falk Capital können Anleger offenbar auf bessere Chancen hoffen, Schadenersatz zu erstreiten. Der vorläufige Insolvenzverwalter attestierte den Geschäften der Falk-Gruppe "Züge eines Schneeballsystems" – und schreibt ihnen damit strafrechtliche Relevanz zu.

München - Der Zusammenbruch des Fondsinitiators Falk Capital bekommt möglicherweise eine neue strafrechtliche Dimension. Josef Nachmann, der vorläufige Insolvenzverwalter des Fondshauses sagte gegenüber dem "Handelsblatt", die Geschäfte der Falk-Gruppe hätten am Ende "Züge eines Schneeballsystems" getragen. "Wirtschaftlich gesehen war das Unternehmen schon lange nicht mehr überlebensfähig", sagte Nachmann in der Mittwochsausgabe.

Sollte sich der Vorwurf des "Schneeballsystems" erhärten, hätten die rund 29.000 vom Zusammenbruch der Falk-Gruppe betroffenen Anleger erheblich bessere Möglichkeiten, Schadenersatz zu erstreiten. "'Schneeballsystem' ist ein hartes Wort, das jetzt einmal ausgesprochen wurde", sagt Ralph Veil, Rechtsanwalt in der Münchner Kanzlei Mattil und Kollegen, gegenüber manager-magazin.de. Der Verdacht habe immer nahe gelegen, so der Anwalt. "Damit bewegten wir uns im Bereich des Strafrechts, so dass die Anleger ihre Ansprüche auf deliktische Grundlage geltend machen könnten - und damit wesentlich längere Verjährungsfristen gelten", so Veil. Zudem sei in diesem Fall gesichert, dass die Rechtsschutzversicherung der Anleger einspringe. Bislang seien die Juristen von einfachen Prospektfehlern ausgegangen.

Hintergrund des Vorwurfs: Der Fondsinitiator hatte bis zuletzt versucht, Mietgarantien, die er den Anlegern seiner bestehenden geschlossenen Immobilienfonds gegeben hatte, durch den Einnahmen aus dem Neugeschäft zu decken. Als dieses Neugeschäft ins Stocken geriet, brach das Unternehmen zusammen, vier Fonds beantragten Anfang April die Insolvenz. Insgesamt rund 30 bis 40 der derzeit 65 Falk-Fonds stecken nach Angaben von Insolvenzverwalter Nachmann in Schwierigkeiten.

Einzelne Fonds insolvenzgefährdet

In hastiger Folge hatten in jüngster Zeit 65 Gesellschafterversammlungen getagt, um über das weitere Vorgehen der einzelnen Fonds zu beraten. Eile war auch deshalb geboten, weil das Insolvenzverfahren für die Unternehmen der Falk-Gruppe bereits am 1. Juli hätte eröffnet werden sollen. Dieser Termin ist mittlerweile auf den 1. August verschoben worden. Allerdings hat der Insolvenzverwalter inzwischen klar gemacht, dass auch einzelne Fonds akut insolvenzgefährdet sind. Konkret geht es dabei um die Falk-Fonds 71, 77 und 80. Dort, so berichtet Anwalt Veil, habe Insolvenzverwalter Nachmann den Anlegern bereits das geplante Insolvenzverfahren vorgestellt.

Strategische Partner in Sicht

Strategische Partner in Sicht

Nachmann kündigte unterdessen an, die Falk-Gruppe wolle den Baukonzern Hochtief oder den Fondsinitiator IC-Gruppe als strategischen Partner gewinnen und stehe mit beiden Häusern in Verhandlungen. Wie die Tageszeitung "Welt" berichtet, solle das Verhandlungsergebnis am 20. Juli bekannt gegeben werden.

"Für alle sanierungsfähigen Fonds wäre es sehr wichtig, dass die Bewirtschaftung der Immobilien dauerhaft fortgeführt wird", so Anleger-Anwalt Veil gegenüber manager-magazin.de. Für die unmittelbar von der Insolvenz betroffenen Fonds könnten die neuen Investoren allerdings nicht viel mehr tun, als "den Anlegern das Insolvenzverfahren ihres Fonds darzulegen", so Veil.

Schon im Vorfeld der Gesellschafterversammlungen hätte die Falk-Gruppe allerdings ihre Anleger unnötig unter Druck gesetzt, kritisiert der Anwalt. Sie habe damit gedroht, zahlreiche Anleger müssten Ausschüttungen an ihren Fonds zurückzahlen, um eine Insolvenz abzuwenden. Im "Handelsblatt" hatte Nachmann erklärt, die Anleger müssten womöglich für die Verbindlichkeiten der Fonds in vollem Umfang geradestehen. Denn die Ausschüttungen, so schreibt das Blatt, seien nicht durch Gewinne erwirtschaftet, sondern dem Fondsvermögen entnommen worden.

"Keine Pflicht zur Rückzahlung an die Fonds"

"Die Beträge, die zur Rückzahlung anstehen, gehen in die Millionen Euro. Für besondere Verärgerung sorgt hier, dass die Banken die Beiträge von den Anlegern einfordern und erst dann mit den Banken über deren Sanierungsbeitrag verhandelt werden soll - die Anleger sollen aus Sicht der Banken in Vorleistung treten", so Anwalt Veil. "Viele Anleger haben ihre Beteiligung bei einer Bank fremdfinanziert und können keine weiteren Zahlungen an den Fonds leisten." Besonders dramatisch sei die Situation bei jenen Fonds, die als Gesellschaft bürgerlichen Rechts gestaltet sind. Hier droht den Anlegern die persönliche Haftung - über ihren Fondsanteil hinaus.

Diese Rückzahlungspflichten, betont Veil, seien jedoch bislang übertrieben dargestellt worden. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe keine Pflicht an die Fonds zu zahlen. "Bislang gibt es lediglich Beschlüsse, dass die Betroffenen freiwillige Zahlungen auf ein Treuhandkonto der Gesellschaft leisten sollen", so Veil. Die Anleger sollten daher nicht in Panik geraten und gegebenenfalls rechtlichen Rat einholen.

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