Renditevergleich Lebensversicherung schlägt Fondssparplan

Map-Report hat erneut die Rendite von Fondssparplänen mit der von Kapitallebensversicherungen verglichen. "Ein Desaster für die Fondssparpläne", lautet das Fazit. 72 von 82 untersuchten Fondsprodukten hätten im Durchschnitt nicht einmal die risikobereinigte Rendite des schlechtesten Lebensversicherers erreicht.

Hamburg - "Versicherer deklassieren Fonds" hatte vor gut einem Jahr Map-Report getitelt und sich damit prompt die scharfe Kritik der Fondsbranche eingefangen. Die Fondsindustrie hatte an dem Performance-Vergleich von Fondssparplänen und Kapitallebensversicherungen (KLV) vor allem die zu kurzen und zudem unterschiedlichen Laufzeiten moniert. Ihr zentrales Argument: Ein längerer Vergleichszeitraum werde die Überlegenheit der Fondsanlage unter Beweis stellen.

In seiner jüngsten Studie hat der Branchendienst nun die Renditen von Fondsparplänen mit Lebensversicherungen auf der Basis von 20 Jahren Ansparzeit verglichen. Nicht ohne Schadenfreude schreibt Map-Report der Fondslobby jetzt ins Stammbuch: "Wer am lautesten brüllt, liegt noch lange nicht richtig." Die Untersuchung habe die seinerzeit von den Analysten nur vermutete These bestätigt: "Je länger die Laufzeit, desto schlechter stehen die Fondssparpläne im Vergleich zur KLV da."

Map-Report rät vor allem von Aktienfonds zur Altersvorsorge ab. Sie böten zwar einen höheren Ertrag gegenüber Lebensversicherungen. Das deutlich höhere Risiko mache sich für den Anleger unter dem Strich aber nicht bezahlt. Berücksichtige man bei Aktien das Risiko und die Kosten für fehlenden Versicherungsschutz, hätten Lebensversicherungen "Fonds fast chancenlos abgehängt".

Der jüngste Performance-Vergleich sei ein "Desaster für die Fondssparpläne", heißt es weiter. Lediglich ein Fonds, der GKD-Fonds der DWS , habe es geschafft, den erfolgreichsten Versicherer Debeka zu schlagen.

Der Studie zufolge konnte sich unter den Top 30 nur noch der deutsche Aktienfonds Concentra  der Fondsgesellschaft Dit schieben. 72 von insgesamt 82 untersuchten Fondssparplänen hätten es im Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2005 dagegen nicht geschafft, die risikobereinigten Renditen des schlechtesten Lebensversicherers zu erreichen.

Was aus 12.000 Euro Sparbeitrag werden kann

"Mehrertrag macht das Risiko nicht wett"

Untersucht wurden die 20-jährigen Abläufe von Fondsparplänen und Kapitallebensversicherungen für den Zeitraum 31. Dezember 1996 bis 31. März 2005. Demnach wurde, so Map-Report, der erste bewertete Fondsparplan am 31. Dezember 1976 und der letzte am 31. März 1985 abgeschlossen. Aus den Einzelwerten dieser Jahre berechnete der Branchendienst einen Mittelwert der Ablaufleistungen.

Verglichen wurden die Ablaufleistungen von 50 deutschen Lebensversicherern mit den vom Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) registrierten Fondssparplänen. Bei den Sparplänen unterstellte Map-Report einen monatlichen Sparbeitrag von 50 Euro - insgesamt also 12.000 Euro. Bei den Lebensversicherungen seien die Ablaufleistungen auf diesen Betrag entsprechend umgerechnet worden.

Die Kapital bildenden Lebensversicherungen kamen der Studie zufolge auf eine durchschnittliche Ablaufleistung von 23.641 Euro. Aktienfondssparer zum Beispiel erzielten dagegen eine durchschnittliche Ablaufleistung von 29.569 Euro.

Den Mehrbetrag von gut 5900 Euro hätten die Fondssparer allerdings mit einem erheblich höheren Risiko bezahlt. Letzteres beziffert Map-Report mit 34,35 Prozent. Diese Zahl beschreibt das Ausmaß der Volatilität (Standardabweichung) in Bezug auf die durchschnittlichen Ablaufleistungen. Für die Lebensversicherer liege das durchschnittliche Risiko bei 3,39 Prozent.

In absoluten Zahlen ausgedrückt sieht die Rechnung wie folgt aus. Die Standardabweichung - also die durchschnittliche Abweichung vom Mittelwert der Ablaufleistungen - betrug bei den Aktienfonds 10.156 Euro, bei den Lebensversicherungen 801 Euro. Da Map-Report der Einstellung folgt, dass Risiko und Altersvorsorge "keine unbedingt gelungene Kombination bilden", subtrahieren die Autoren das Risiko - sprich die Standardabweichung - von den Ablaufleistungen.

Damit ergab sich für die Aktienfondssparer eine um das Schwankungsrisiko bereinigte Ablaufleistung von 19.412 Euro bei einer Rendite von 4,56 Prozent. Analog kamen die Lebensversicherungen auf eine Ablaufleistung von 22.840 Euro bei einer Rendite von 6,02 Prozent. Rentenfondssparer konnten der Rechnung zufolge immerhin noch eine Rendite von 6,05 Prozent verbuchen, bei Immobilienfonds-Sparplänen betrug sie 5,13 Prozent und bei gemischten Fonds 5,64 Prozent.

Die Rechnung mit dem Todesfallschutz

Seriöser Vergleich muss Todesfallschutz berücksichtigen

Nun bietet die Kapitallebensversicherung bekanntlich einen Versicherungsschutz für den Todesfall in Form einer Hinterbliebenenversorgung. Der Versicherte wendet also einen Teil seines monatlichen Beitrages für den Todesfallschutz auf, der Fondssparer dagegen nicht. Um diese beiden Formen der Altersvorsorge aussagekräftiger vergleichen zu können, hat Map-Report für den Todesfallschutz acht Euro veranschlagt, die ein Fondsparer alternativ für eine Risikolebensversicherung ausgeben müsste, was ihn nach Berechnungen der Analysten 1,53 Prozentpunkte Rendite kostet.

Bereinigte Rendite für Aktienfondssparen fällt ab

Mit diesem zweiten Bereinigungsschritt kamen die Aktienfondssparer damit auf eine Rendite von 3,03 (4,56 minus 1,53) Prozent und die Rentenfondssparer auf eine Rendite von 4,52 (6,05 minus 1,53) Prozent. Bei den Immobilienfondssparern rutschte die Rendite analog auf 3,60 (5,13 minus 1,53) Prozent und bei den Sparern der gemischten Fonds auf 4,11 (5,64 minus 1,53) Prozent.

Die pauschale Werbebotschaft, Fonds seien im Vergleich zu Lebensversicherungen besser, ließe sich bei dieser Betrachtung erst recht nicht mehr aufrecht erhalten, fasst Map-Report-Chefredakteur Manfred Poweleit im Gespräch mit manager-magazin.de zusammen.

Methodisch habe sich an dem Renditevergleich gegenüber dem Vorjahr nichts geändert, so Poweleit. Map-Report habe lediglich die Laufzeiten auf 20 Jahre ausgeweitet und damit der Kritk der Fondsbranche entsprochen. Die Analysten des Branchendienstes sahen sich seinerzeit vor allem wegen der kurzen Laufzeiten einer scharfen Kritik ausgesetzt, zumal sie Lebensversicherungen mit 12 Jahren Laufzeit und Fondssparpläne über 10 Jahre Laufzeit verglichen hatten.

An der Methodik des Vergleichs hätten Wissenschaftler indes damals wie heute nichts auszusetzen gehabt. Professor Peter Albrecht vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Versicherungswirtschaft der Universität Mannheim habe die von Map-Report angewandte Methode für plausibel und wissenschaftlich korrekt befunden, sagt Poweleit.

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