Fondsbewertung Was Sie wissen sollten

Zahlreiche Ratingagenturen vergeben Noten für Leistungsstärke, Rendite und Risiken von Fonds. manager-magazin.de sagt, wie weit Sie den Fondsqualitätstests vertrauen können.
Von Karsten Stumm

Hamburg - Gibt es noch Traumberufe? Aus Sicht vieler Schüler dürfte der Job des Fondsmanagers wohl eher nicht dazugehören. Die Finanzprofis bekommen Monat für Monat ihre Zeugnisse. Unabhängige Experten bescheinigen ihnen Schwarz auf Weiß, wie erfolgreich sie in den vergangenen vier Wochen abgeschnitten haben. Verteilt werden die Noten von Fondsratingagenturen, nutzen sollen sie in erster Linie den Anlegern.

Denn Deutschlands Sparer wählen aus einer unüberschaubaren Menge mehrerer Tausend Fonds ihren Favoriten. Aber nur ein Bruchteil der angebotenen Fonds hält in Sachen Kursgewinn, was die Werbung verspricht.

Orientierungshilfe bieten

So gelang es in den vergangenen drei Jahren lediglich 47 Prozent aller Fondsmanager, durch gezielte Aktienauswahl mehr zu verdienen, als die Börse ohnehin abwarf, ermittelte die Berliner Fondsratingagentur Scope. "Stattdessen hat jeder zweite Fondsmanager mit dieser Sucherei nach vermeintlichen Top-Aktien sogar Geld verloren", sagte Scope-Geschäftsführerin Alexandra Merz zu manager-magazin.de.

Ein knappes Dutzend Ratingagenturen bietet Anlegern deshalb Fondsqualitätseinstufungen als Hinweise auf Fonds, die Ihr Geld wirklich wert sind. Also solche Investmentfonds, die Sparern über einen mittleren Zeithorizont eine stabile überdurchschnittliche Wertentwicklung bei relativ niedrigem Risiko gebracht haben. Tatsächlich können sich die Tipps der Fondstester durchaus in barer Münze auszahlen.

Topfonds mit Topleistungen

Topfonds mit Topleistungen

Offene Investmentfonds, die etwa von den drei führenden Qualitätstestern Standard & Poor's, Feri Trust und Morningstar die jeweilige Höchstnote erhalten haben, waren für die Anleger oftmals lukrative Investments. Die aktuellen Top-Fonds der Ratingagentur Morningstar beispielsweise warfen in den vergangenen fünf schwierigen Börsenjahren im Schnitt 21,2 Prozent Gewinn ab - und zwar gegen den Trend: Die Masse aller Fonds verlor im gleichen Zeitraum durchschnittlich 10,8 Prozent ihres vorherigen Wertes.

Dennoch sollten sich Anleger bei ihrer Investmententscheidung nicht ausschließlich auf die Qualitätstest der Ratingagenturen oder unabhängiger Vermögensverwalter verlassen.

Ihre Noten in Form von Sternchen- und Buchstabenkombinationen spiegeln immer nur wider, welche Fonds auf Basis der jeweiligen Untersuchungsmethode gut oder weniger gut abgeschnitten haben. Und diese Methode muss nicht unbedingt zur aktuellen Finanzlage jedes Investoren passen.

Zählen und prüfen

"Wir können Anlegern nur eine Orientierungshilfe bieten", sagt deshalb auch Anne Connelly, Deutschland-Geschäftsführerin von Morningstar. Und Feri-Trust-Geschäftsführer Min Sun ergänzt: "Das Fondsrating ist keine konkrete Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aber es ist ein umfassendes Bewertungssystem, das sehr effizient in einen mittel- bis langfristig ausgerichteten Anlageprozess eingebettet werden sollte."

In diesen Bewertungssystemen unterscheiden alle Fondsqualitätstester grundsätzlich zwei Bewertungsverfahren: so genannte quantitative und qualitative Ratings. Deren Grundlage sind einerseits Performance- und Risikoanalysen anhand der historischen Wertentwicklung der Fonds; dafür werten die Fondstester ihre Datenbanken aus. Andererseits ergänzen qualitative Ratings die Fondstests durch Gespräche mit dem Managementteam der Fondsgesellschaften.

Ratings mit Tücken

Ratings mit Tücken

Bis in dieses Stadium schaffen es allerdings in der Regel nur die Fonds, die anhand der ersten Untersuchungsmethode gut abgeschnitten haben. Bei Standard & Poor's beispielsweise, kommen nur die besten 20 Prozent aller Fonds der quantitativen Analyse in die nächste Prüfungsrunde des Fonds-Tüv.

"In der folgenden Gesprächsrunde versuchen wir dann herauszufinden, ob die gute Wertentwicklung der besten Fonds auf Glück oder Können des jeweiligen Fondsmanagements beruht", sagt Rüdiger Sälzle, Gründer und Geschäftsführer der Finanzberatungsfirma FondsConsult. Deshalb steht bei diesen Gesprächen zumeist der Investmentprozess der Fondsgesellschaften im Mittelpunkt des Qualitätschecks, dazu die jeweilige Struktur der Fonds und das Risiko-Controlling. Doch es gibt Ausnahmen.

Das Fondsmanagement auf dem Prüfstand

Der Kölner Vermögensverwalter Eckhard Sauren beispielsweise analysiert in seinem qualitativen Fondstest ausschließlich die Fähigkeiten des Fondsmanagers. Er stellt deshalb nur die Anlagephilosophie des Managers auf den Prüfstand, seine Vergangenheitserfolge und dessen Fähigkeit, überdurchschnittliche Erfolge zu erzielen. "Und damit", glaubt Sauren, der selbst Dachfonds managt, "kann ich bis zu einem gewissen Grad sogar Hinweise auf Investmentstars von morgen geben."

Selbst wenn das stimmen sollte, haben auch die besten Fondsanalysemethoden ihre Tücken, und die sollten Anleger kennen. Ratingagenturen benoten beispielsweise die Qualität der Fonds stets im Vergleich zu einander. Das hat viele Vorteile, aber auch einen Haken.

Sollten im Extremfall alle Fonds einer Vergleichsgruppe in den roten Zahlen stehen, haben die weniger schlechten Verliererfonds durchaus Aussichten auf Bestnoten. "Es ist eben selbst für einen hervorragenden Fonds schwierig, immer Geld zu verdienen", rechtfertigt Feri-Trust-Geschäftsführer Min Sun das System. Anleger sollten deshalb im Hinterkopf behalten, dass selbst beste Fondsratingnoten nicht vor Fonds warnen, die ihnen Verluste einhandeln könnten.

Begrenzt einsatzfähig

Begrenzt einsatzfähig

Dachfondsmanager Sauren nennt ein weiteres Problem: "Die letzte Entscheidung, ob ein Wertpapier für einen Fonds gekauft oder verkauft wird, liegt immer bei einer Einzelperson - dem verantwortlichen Fondsmanager."

Seine Fähigkeiten seien deshalb ganz wesentlich für den Erfolg oder Misserfolg des Fonds verantwortlich. Und genau dieser Umstand mache rein qualitativen Ratings Probleme: "Sie verlieren in aller Regel ihre Aussagekraft, wenn der verantwortliche Manager seinen Posten aufgegeben hat und eine andere Person die Verantwortung übernimmt", sagt Sauren. Die meisten Fondsgesellschaften kündigen deshalb Änderungen im jeweiligen Fondsmanagement an.

Trotz dieser Tücken bleiben Fondsratings derzeit wohl eines der besten Hilfsmittel, die Anleger bei der Wahl geeigneter Investmentfonds mit zu Rate ziehen können. Zumindest in der Vergangenheit haben sich die Ergebnisse jener Investmentfonds oft sehen lassen können, die zuvor gute qualitative Noten verliehen bekommen haben.

"Rund 70 Prozent der Fonds, die von Standard & Poor's qualitativ geratet wurden, waren auch nach zwei Jahren noch Outperformer in ihren Klassen", bestätigt Heiko Nitzsche, Experte für Aktien aus Kontinentaleuropa bei S&P-Fund-Rating. Und das ist ein gutes Ergebnis für ein Hilfsmittel bei der persönlichen Fondsauswahl.

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