Stiftung Warentest Deutsche Fondsanbieter nur zweite Wahl

Deutsche Fondsgesellschaften sind mit einer Ausnahme im Vergleich zu ausländischen Anbietern nur zweite Wahl. Laut Stiftung Warentest informieren sie ihre Anleger unzureichend und zeigen vor allem bei Aktienfonds Schwächen. Der Test ist umstritten.

Hamburg - Deutsche Fondsgesellschaften haben mit Ausnahme der DWS im Leistungscheck der Stiftung Warentest erneut schwach abgeschnitten. Während die Fondstochter der Deutschen Bank  ein knappes "gut" (2,5) verbuchen kann, bewerten die "Finanztest"-Experten die Gesellschaften Adig (Commerzbank ), Activest (HypoVereinsbank ), Deka (Sparkassengruppe) und Dit (Dresdner Bank) lediglich mit "ausreichend". Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Union Investment, kann ihr "befriedigendes" Urteil da schon als kleinen Erfolg verbuchen.

Unter dem Strich steht das ernüchternde Fazit: Unter den in Deutschland tätigen und 32 getesteten Investmentgesellschaften bleiben die meisten deutschen Anbieter zweite Wahl. Zum Sieger haben die Experten die US-amerikanische Gesellschaft Franklin Templeton mit der Gesamtnote 1,7 ("gut") gekürt. Mit den Fonds von Franklin Templeton seien die Anleger gut bedient, berichtet die Zeitschrift "Finanztest" in ihrer Juni-Ausgabe. Das Angebot bewerteter Fonds sei zwar relativ klein, aber von "fast durchweg hoher Qualität".

Der Fairness halber haben die Berliner Tester nun erstmals die untersuchten Anbieter mit einer ähnlich großen Angebotspalette direkt miteinander verglichen und in drei Gruppen aufgeteilt. Der Grund liegt auf der Hand: Je mehr Fonds eine Gesellschaft ins Rennen schickt, desto größer ist die Gefahr, dass der eine oder andere "Reinfall" dabei ist und das Ergebnis verzerrt. Folglich findet sich Templeton, die nur einen Bruchteil ihrer Fondspalette in Deutschland anbietet, in der Gruppe der Gesellschaften mit weniger als 15 bewerteten Fonds wieder, die DWS dagegen in der Gruppe der Gesellschaften mit mehr als 30 bewerteten Fonds.

Investmentverband kritisiert den Test

Trotz oder gerade wegen der Aufteilung erntet die "Finanztest"-Studie auch Kritik, zum Beispiel von dem Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften (BVI). So moniert BVI-Sprecher Andreas Finck im Gespräch mit manager-magazin.de: "Die ausländischen Gesellschaften bieten in Deutschland nur wenige und vor allem ihre erfolgreichen Fonds an, während das untersuchte Fondsspektrum der deutschen Gesellschaften weit aus größer ist." Deshalb halte er die Kernaussage des Tests, dass ausländische Gesellschaften gegenüber deutschen dominierten, für problematisch. "Man kann nicht sagen, dass ausländische oder inländische Gesellschaften besser oder schlechter sind als die jeweils anderen."

Macht eine Gesamtbewertung Sinn?

Macht eine Gesamtbewertung Sinn?

Der fortgeschrittene Investor mag zudem einwenden, "was interessiert mich die Gesellschaft, ich suche mir den jeweils besten Fonds heraus". Sicher, wer erfolgreiches Fonds-Picking betreibt, den wird die Gesamtbewertung einer Investmentgesellschaft kaum interessieren. Diese Spezies von Anleger dürfte nach Einschätzung von "Finanztest" aber eher der Ausnahmefall sein.

Gesellschaften mit mindestens 30 bewerteten Fonds

Fonds-gesellschaft Fondsbewertung(60 Prozent)1 Informationen(40 Prozent)1 Finanztest-Qualitätsurteil
DWS-Gruppe o + gut (2,5)
UBS-Gruppe o + befried. (2,6)
JP Morgan Fleming o + befried. (2,8)
Crédit-Suisse-Gruppe -2 + befried. (3,1)
Union-Gruppe o o befried. (3,1)
Julius Bär -2 ++ befried. (3,2)
HSBC-Gruppe - o befried. (3,5)
dit/Allianz-Gruppe - o ausreich. (3,6)
Deka-Gruppe -2 o ausreich. (3,7)
Adig-Gruppe - o ausreich. (3,9)
Activest-Gruppe - -- ausreich. (4,0)
Oppenheim Prumerica -2 + mangelh. (4,6)
1) Sehr gut = ++ (0,5-1,5), gut = + (1,6-2,5), befriedigend = o (2,6-3,5), ausreichend = - (3,6-4,5), mangelhaft = -- (4,6-5,5); 2) Führt zur Abwertung (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet“). Stand: 01.04.2005 (Informationen) bzw. 31.03.2005 (Fondsbewertung), Quelle: Stiftung Warentest

Zwei von drei Anlegern kaufen bei der Hausbank

In der Tat zeigt eine vom BVI selbst in Auftrag gegebene GfK-Studie aus dem Juli vergangenen Jahres: Zwei von drei Anlegern kaufen ihre Fonds bei ihrer Hausbank. Dass diese ihren Kunden überwiegend Produkte der eigenen Fondsgesellschaft anbietet und auch verkauft, setzt "Finanztest" stillschweigend voraus: "Sie [die Kunden] ziehen es vor, bei einer Gesellschaft zu bleiben - oft genug ist es 'zufällig' das Tochterunternehmen ihrer Hausbank." Darüber hinaus begründen die Tester ihre Entscheidung, eine Gesamtbewertung einer Fondsgesellschaft zu veröffentlichen, mit der Annahme, nur die wenigsten Anleger wüssten, was sich hinter den unterschiedlichen Fondsgattungen verberge. Für sie sei das selbständige Zusammenstellen eines Depots jedenfalls kein Thema.

"Gründliche Informationen sind das A und O"

Dabei verschweigt "Finanztest" wohlweislich nicht die Stärken und Schwächen der Fondsgesellschaften in den einzelnen Fondsgattungen. Einzelnoten haben die Berliner Finanzprofis für Leistungen in den Fondsgattungen Aktien-, Renten- und Mischfonds verteilt. Sie schlagen mit 60 Prozent der Gesamtbewertung zu Buche. Mit 40 Prozent ist die Qualität des von den Gesellschaften zur Verfügung gestellten Informationsmaterials (Prospekte und Internet-Infos) über ihre Produkte in die Gesamtrechnung eingegangen. Gründliche Informationen seien das "A und O" bei einer Geldanlage, begründen die Tester diese Gewichtung.

Wie gut Fondsgesellschaften informieren

BVI: Bewertung der Informationen zu hoch angesetzt

Auch hier übt der Bundesverband BVI Kritik: "Wir halten die Fondsbewertung mit 60 Prozent als zu gering und die Bewertung des Informationsmaterials mit 40 Prozent als deutlich zu hoch angesetzt", sagt Sprecher Finck. Denn nach der besagten GfK-Studie ließen sich 90 bis 95 Prozent der Privatinvestoren von ihrer Bank in einem persönlichen Gespräch beraten. Man kann darüber nur spekulieren: Aber vielleicht ist genau dies der Grund, warum deutsche Fondsgesellschaften nach Einschätzung von "Finanztest" in vielen Punkten ihre Anleger mitunter sogar schlecht informieren.

Wertentwicklung: Auf was Anleger achten sollten

So ist zweifelsohne die detaillierte Darstellung der Wertentwicklung eines Fonds für den Investor von besonderem Interesse. Der Anleger sollte sich dabei nicht mit Informationen über ein, drei oder fünf Jahre zufrieden geben, meint "Finanztest". Auch kürzere Zeiträume seien sinnvoll. Ebenso dürfte die ausgewiesene Rendite pro Jahr nicht fehlen. Als selbstverständlich erachten es die Autoren der Studie, dass die Wertentwicklung eines Fonds zu einer Benchmark ins Verhältnis gesetzt wird.

Absolut vorbildlich informieren hier die Gesellschaften Axa, Credit Suisse, Fortis, Fidelity und JP Morgan. Bei deutschen Gesellschaften sieht es dagegen mit Ausnahme der DWS, die in punkto dargestellte Wertentwicklung zu den zehn besten zählt, eher düster aus. Deutsche Fondsgesellschaften haben gerade 'mal gut die Hälfte von 100 möglichen Punkten oder deutlich weniger in dem Test erreicht.

Risiken werden nur unzureichend dargestellt

Noch schlechter berichten deutsche Fondsgesellschaften laut "Finanztest" über mögliche Risiken ihrer Fonds. Insbesondere DWS, Dit, Adig und Activest zeigen hier Schwächen, wie viele andere Fondsgesellschaften indes auch. Lediglich sechs von 32 Anbietern haben hier mehr als 50 Punkte eingefahren.

Besser informieren die untersuchten Unternehmen ihre Kunden über die Fondsstruktur, obwohl Union, Deka und Adig hier ebenfalls hintere Plätze belegen. Wichtig für die Struktur etwa eines Aktienfonds sind nach Meinung der Berliner Tester vor allem Informationen über den Investitionsgrad/Cashbestand, die Gewichtung von Einzelwerten und die Aufteilung (Regionen, Ländern, Branchen, Sektoren). Bei Rentenfonds sollte sich der Anleger insbesondere über vertretene Laufzeiten und Bonitäten informieren.

Fazit: Julius Bär informiert Anleger am besten

Unter dem Strich sieht das Bild laut "Finanztest" wie folgt aus: Activest informiert seine Anleger aus Sicht der Tester "mangelhaft". Hier habe insbesondere die unzureichende Darstellung der Wertentwicklung zu dem schlechten Ergebnis geführt. Union, Deka und Dit informieren ihre Investoren immerhin "befriedigend". Die DWS-Gruppe gehört mit der Note 2,3 ("gut") zu den besten zehn Gesellschaften.

Mit "Schweizer Gründlichkeit" hat die Fondgesellschaft Julius Bär die Tester überzeugen können. Zwar sei auch sie dem Anforderungskatalog nicht hundertprozentig gerecht geworden. "Aber in Vergleich zu ihren Konkurrenten ist sie einsame Spitze", urteilt "Finanztest". Julius Bär liegt mit der Note 1,3 ("sehr gut") weit vor der Konkurrenz.

Zur eigentlichen Fondsbewertung

Aktienfonds Welt und Europa besonders im Fokus

Zurück zur Fondsbewertung: Bei der Bewertung der Fonds beschränken sich die "Finanztest"-Experten auf die ihrer Ansicht nach wichtigsten Fondsgruppen. Im Aktienbereich etwa bleiben Branchen- oder Emerging-Market-Fonds außen vor, ebenso Rentenfonds, die sich auf exotische Märkte oder bestimmte Laufzeiten konzentrieren.

Je Gesellschaft nehmen die Tester mindestens fünf Aktienfonds und drei Rentenfonds für einen Bewertungszeitraum von fünf Jahren (31. März 2000 bis 31. März 2005) unter die Lupe. Ihr Hauptaugenmerk richten die Experten dabei auf die Basisfondsgruppen Aktienfonds Welt und Europa. "Sie bieten eine besonders gute Risikostreuung und kommen für die meisten Anleger in Frage", heißt es.

Gesellschaften mit 15 bis 29 bewerteten Fonds

Fonds-gesellschaft Fondsbewertung(60 Prozent)1 Informationen(40 Prozent)1 Finanztest-Qualitätsurteil
Merrill Lynch + + gut (2,2)
Fidelity + + gut (2,3)
Swisscanto o + befried. (2,7)
Axa-Gruppe o + befried. (2,9)
Fortis -2 + befried. (3,3)
BNP Paribas - o3 ausreich. (3,8)
Invesco-Gruppe - o4 ausreich. (3,8)
Frankfurt Trust - -- ausreich. (4,1)
Dexia - -- ausreich. (4,4)
SEB Invest-Gruppe - -- mangelh. (4,7)
1) Sehr gut = ++ (0,5-1,5), gut = + (1,6-2,5), befriedigend = o (2,6-3,5), ausreichend = - (3,6-4,5), mangelhaft = -- (4,6-5,5); 2) Führt zur Abwertung (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet“); 3) Laut Anbieter werden ab Mai neue Fondsinformationen herausgegeben; 4) Laut Anbieter werden im Herbst neue Fondsinformationen herausgegeben. Stand: 01.04.2005 (Informationen) bzw. 31.03.2005 (Fondsbewertung), Quelle: Stiftung Warentest

Wenn eine Gesellschaft in diesen Gruppen besonders gute Leistungen zeigt, könne sie deshalb hier proportional mehr Pluspunkte holen als etwa in den Bereichen Renten- und Mischfonds. Fallen die Leistungen dagegen besonders schwach aus, kassieren die Gesellschaften analog auch mehr Minuspunkte. Detaillierter kann sich der Interessent über Auswahlkriterien, Bewertungskriterien und Punktesystem in der "Finanztest"-Ausgabe informieren.

Aktienfonds: "Mangelhaft" für Dit, Deka und Adig

Bei den Aktienfonds fällt das Ergebnis mit Ausnahme von DWS insgesamt enttäuschend aus. Die deutschen Investmentgesellschaften dit, Deka und Adig kassieren mit Noten zwischen 4,6 und 4,7 für ihre Aktienfonds von "Finanztest" die Bewertung "mangelhaft", Activest (3,5) die Bewertung "befriedigend". Die Deutsche-Bank-Tochter DWS setzt sich mit der Note 2,6 ("befriedigend") deutlich von den Inlandskonkurrenten ab, was insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Anzahl von 40 bewerteten Aktienfonds nicht gering zu schätzen ist.

"Sehr gut" haben ausschließlich die Aktienfonds der Gesellschaft Templeton (0,9) abgeschnitten, gefolgt von der französischen Investmentgesellschaft State Street (1,7), Morgan Stanley (1,7) und Merrill Lynch (2,1).

"Fehler analysieren und abstellen"

"Schlagzahl erhöhen, Fehler analysieren und abstellen"

Insgesamt hält "Finanztest" die Leistungen der untersuchten Gesellschaften im Bereich Aktienfonds jedoch für "dürftig". Dies zeige insbesondere der Vergleich mit State Street, die im Schwerpunkt Indexfonds anbietet. Bei Aktienfonds gehört das Unternehmen zu den Besten, lasse also die meisten Gesellschaften mit gemanagten Fonds weit hinter sich. Dabei sei es doch gerade der Sinn eines Investmentfonds, den Vergleichsindex durch weitsichtiges Management zu schlagen, monieren die Berliner Tester. Ihr Rat an die Gesellschaften: "Schlagzahl erhöhen, Fehler analysieren und abstellen."

Gesellschaften mit weniger als 15 bewerteten Fonds

Fonds-gesellschaft Fondsbewertung(60 Prozent)1 Informationen(40 Prozent)1 Finanztest-Qualitätsurteil
Franklin-Templeton-
Gruppe
++ + gut (1,7)
State Street + + gut (2,1)
Morgan Stanley + o gut (2,5)
Schroders o o befried. (3,2)
Mediolanum o o befried. (3,4)
Threadneedle o - befried. (3,4)
BB-Invest - o befried. (3,5)
Jyske - -- ausreich. (4,2)
Société Générale -2 o mangelh. (4,7)
ABN Amro -2 + mangelh. (5,0)
1) Sehr gut = ++ (0,5-1,5), gut = + (1,6-2,5), befriedigend = o (2,6-3,5), ausreichend = - (3,6-4,5), mangelhaft = -- (4,6-5,5); 2) Führt zur Abwertung (siehe „Ausgewählt, geprüft, bewertet“). Stand: 01.04.2005 (Informationen) bzw. 31.03.2005 (Fondsbewertung), Quelle: Stiftung Warentest

"Stärken auf das gesamte Programm übertragen"

Dabei gebe es überall gute Ansätze und mitunter auch Top-Produkte im eigenen Hause. So stelle die Adig bei den Aktienfonds Deutschland gar den Spitzenreiter, ebenso wie die Deka bei den Rentenfonds Europa. Die Gesellschaften sollten nach Einschätzung der Berliner Tester versuchen, diese Stärken auf ihr gesamtes Programm zu übertragen.

Am effektivsten scheint dies der DWS zu gelingen. Sie ist laut "Finanztest" die beste deutsche Gesellschaft unter den Komplettanbietern. Im Bereich Rentenfonds zählt sie unter allen 32 bewerteten Gesellschaften sogar zu den besten drei Unternehmen, obwohl sie - der Kritik des BVI zum Trotz - in diesem Segment mit die meisten bewerteten Fonds (29) anbietet.